Seite 3: „Ousame war von einem Tag auf den anderen weg“

Wie wichtig sind Vor­bilder für jün­gere Spieler?
Schon sehr wichtig. Ich werde Dedé auf ewig dankbar sein, was er in meiner Anfangs­zeit für mich getan hat. Wie er mir gesagt hat, wann ich mal feiern darf, wann ich den Mund zu halten habe, wo und wie ich mich zu ver­bes­sern habe. Heute sind wir quasi Nach­barn, und wann immer ich ihn treffe, falle ich ihm um den Hals.

Was hat Sie noch geprägt?
Zum Bei­spiel, wie mich ältere Spieler wie Chris­tian Wörns oder Chris­toph Met­zelder geschützt haben. Die haben in der Öffent­lich­keit regel­recht die Hand über mich gehalten und nur gut über mich geredet, das war sehr hilf­reich. Dann hat es mich sehr beein­druckt, als Jan Koller bei seinem Abschied allen Mann­schafts­kol­legen und dem ganzen Staff einen wert­vollen Kugel­schreiber geschenkt hat. Eine groß­ar­tige Geste! Und Tomas Rosicky hat mir für meine Zukunft eine Weis­heit mit auf den Weg gegeben, die ich bis heute nicht ver­gessen habe.

Was genau?
Das bleibt zwi­schen Tomas und mir. Lassen Sie es mich so umschreiben: Durch das Gespräch mit ihm habe ich begriffen, dass Pro­fi­fuß­ball etwas anderes ist als das Spiel aus der Jugend. Das ist ein Geschäft, mit allen Kon­se­quenzen, mit allen guten und schlechten Seiten.

Ein Geschäft, in dem man sich den Wechsel zu einem anderen Klub schon mal durch einen Streik erpresst. Hätten Sie das, was Ous­mane Dem­bélé im ver­gan­genen Sommer ver­an­staltet hat, in ihrer frühen Pro­fi­zeit für mög­lich gehalten?
Hatte es so etwas vorher über­haupt schon mal gegeben? Irgendwo kann ich seine Moti­va­tion ja sogar ver­stehen: Bar­ce­lona war schon immer sein Traum, er will ein­fach nur Fuß­ball spielen, über den Rest macht er sich keine Gedanken. Aber natür­lich recht­fer­tigt das in keiner Weise die Mittel, die er gewählt hat.

Haben Sie ihn mal gefragt, was er sich bei seinem Streik gedacht hat?
Nein. Ers­tens war die Kon­ver­sa­tion mit ihm nicht ganz ein­fach, weil Ous­mane nur Fran­zö­sisch spricht. Außerdem konnte ich ihn schlecht fragen, weil er von einem auf den anderen Tag weg war.