In meiner Jugend sagte mir mein Vater, dass ich es nicht zum Fuß­ball­profi schaffen würde. Seine Skepsis war nicht unbe­gründet: Ich war zwar ein guter Sportler, aber an eine Kar­riere als Fuß­baller habe auch ich nicht geglaubt. Ich war zwar immerhin bei den Aus­wahl­mann­schaften dabei, doch wenn es um die Beset­zung der Mann­schaften ging, stellten die Trainer mich erst einmal nach außen. Ich war abge­schrieben, so muss man es wohl sagen, und kon­zen­trierte mich auf das Abitur. Das war mein Ziel, Fuß­ball nur ein Hobby.

Doch mit 16 Jahren, in der B‑Jugend, kam meine große Chance. Die Ein­füh­rung der Vie­rer­kette war ein Segen für mich, denn ich kam sehr gut mit dem neuen System zurecht. Ich durch­lief die Jugend­mann­schaften und rückte Jahr für Jahr auf in die nächste Mann­schaft, doch so richtig Notiz nahm keiner von mir. Obwohl ich bei Han­nover 96 spielte, träumte ich immer noch nicht von einer großen Kar­riere. Das war viel zu weit weg. In etwa so weit wie der Rasen im Sta­dion von den Zuschau­er­rängen bei 96. Ich habe das als Meta­pher gesehen, wenn ich als Fan im Sta­dion stand. Es blieb dabei: Mein Ziel war nach wie vor das Abitur. 

Wenn der Erfolg dann kommt, kann man ihn gar nicht richtig greifen.

Erst als Ralf Rang­nick 96-Trainer war, beför­derte er mich zu den Profis. Von da an ging alles ganz fix. Ich machte meine ersten Bun­des­li­ga­spiele und wurde nach 20 Ein­sätzen in die Natio­nalelf berufen. Plötz­lich war mein Papa wieder da und hat an mich geglaubt. Es ging alles so schnell und ich hatte kaum Zeit zum Inne­halten. So ist es im Fuß­ball: Erfolg kommt manchmal sehr unver­mit­telt und ist auch nicht immer planbar. Es bedarf manchmal auch des Zufalls – wie bei mir mit der Vie­rer­kette. Wenn der Erfolg dann kommt, kann man ihn gar nicht richtig greifen. 

Dieser Hunger nach Titeln ent­wi­ckelte sich bei mir erst ab 2009, als ich mit Werder Bremen den DFB-Pokal gewann. Von da an habe ich mir kon­kret als Ziel gesetzt, Titel zu gewinnen. Vorher ging es darum zu spielen, Tore zu schießen bzw. sie eher zu ver­hin­dern, eben in kleinen Schritten zu gehen. Doch dieses Gefühl 2009 war so stark, dass ich es unbe­dingt wieder erleben wollte. Ein Mann­schafts­er­folg, zusammen mit den Fans feiern, ein inten­sives Erlebnis – das hat mich ange­trieben. In diesem Jahr konnte ich das Gefühl dann wieder spüren, mit dem größten Titel im Fuß­ball, der Welt­meis­ter­schaft.

Doch auf dem Weg zum WM-Titel prägten mich auch schwie­rige Momente. Meinen ersten Kar­rie­re­knick erlebte ich in der Natio­nalelf, als ich bei der EM 2012 nicht zum Ein­satz kam.