Seite 2: Der unterschätzte Herr Neuhaus

Ende 2018 pas­sierten dann zwei Dinge, die zunächst wenig mit­ein­ander zu tun hatten. Zuerst ent­schul­dete eine unter dem sper­rigen Titel Bündnis Ost­west­falen“ fir­mie­rende Gruppe von Unter­neh­mern, für die Klubs wie Kai­sers­lau­tern und Karls­ruhe ver­mut­lich ihre Seele ver­kaufen würden, den seit Jahren am Rande der Pleite tau­melnden Verein von Grund auf. Dann ent­ließ Arminia den mitt­ler­weile glück­losen Sai­bene und ersetzte ihn durch Uwe Neu­haus. Eine Wahl, die bei den Fans – und ja, hüstel, auch beim Autor – anfangs nicht für Begeis­te­rung sorgte, galt doch Neu­haus mit seiner Ver­gan­gen­heit bei Union Berlin und Dynamo Dresden als das per­so­ni­fi­zierte Zweit­liga-Mit­telmaß. Mit anderen Worten: eine grund­so­lide Wahl ohne Vision.

Im Rück­blick muss man sagen: Wie gut, dass ich und mei­nes­glei­chen über so etwas nicht zu ent­scheiden haben. Nicht nur, dass Arminia nach zuvor neun sieg­losen Spielen gleich beim Debüt von Neu­haus gewann, die Mann­schaft holte im ersten Halb­jahr 2019 so viele Punkte wie keine andere in der zweiten Liga und arbei­tete sich aus dem Tabel­len­keller bis auf Platz sieben vor.

In so einem Fall gehst du als Fan, zumin­dest als Arminia-Fan, ratlos in die neue Saison. Darfst du wirk­lich von einem nach­hal­tigen Auf­schwung träumen oder gilt das eherne Bie­le­felder Gesetz, wonach auf Sonne stets Regen folgt, und zwar zeitnah? Manche trauten dem DSC Arminia tat­säch­lich einen Platz im Vor­der­feld zu, andere hielten eben diese Opti­misten für geis­tes­ge­stört.

Der erwar­tete Ein­bruch bleibt aus

Womit aller­dings keiner gerechnet hat, nicht einmal die aus der Gruppe der Durch­ge­knallten, war das, was dann tat­säch­lich geschah. Näm­lich fast ein Durch­marsch einer Mann­schaft, die sich weder von den schil­lernden Namen der Schein­riesen Stutt­gart und Ham­burg, noch von irgend­wel­chem Corona-Gedöns beein­dru­cken ließ und im Zweifel, siehe Kiel, immer noch eine späte Ant­wort parat hatte. Der­weil die Anhänger Woche für Woche auf den längst über­fäl­ligen Ein­bruch war­teten und sich ungläubig die Augen rieben, als er ein­fach nicht kam. Ein Jammer nur, dass das alles am Ende unter Aus­schluss der Öffent­lich­keit statt­finden musste.

Und jetzt? Schon klar, natür­lich kann es nicht so wei­ter­gehen wie bisher. Jede Wette, das nächste Tief­druck­ge­biet lauert bereits. Meinem Sohn zumin­dest kann ich ver­spre­chen: Papa wird dem­nächst nicht mehr so oft schreien, jeden­falls nicht des­halb, weil Arminia in letzter Minute ein Tor geschossen hat. Statt­dessen wird er wahr­schein­lich öfter mal leise vor sich hin wim­mern. Aber egal. Wer die Hitze nicht aus­hält, darf nicht in die Küche gehen.