Auf den ersten Blick scheint Birou Jean Kean wie ein umsich­tiger Vater. Nachdem Sohn Moise seine ersten beiden Tore für Ita­liens Natio­nal­mann­schaft geschossen hatte, konnte er nicht weiter schweigen. Juventus Turin, der Verein seines Sohnes, stand lange genug in seiner Schuld. Moises Mutter wollte ihn nach Eng­land schi­cken. Ich habe Juve damals ver­si­chert, dafür zu sorgen, dass mein Sohn in Ita­lien bleib“, sagte er dem ita­lie­ni­schen Radio­sender Rai Radio 1. Sein Ärger: Als Gegen­leis­tung wollte ich zwei Trak­toren. Sie sagten, dass es kein Pro­blem sei, aber bis heute habe ich sie nicht erhalten.“

Kean Senior arbei­tete nach eigener Aus­sage einst auf Reis­fel­dern und wurde später Berater für ita­lie­ni­sche Bauern. In Zeiten von acht­stel­ligen Bera­ter­ho­no­raren und glän­zenden Karren als Geschenk­prämie klingt diese For­de­rung nach zwei ver­spro­chenen Nutz­fahr­zeugen fast schon char­mant. Nur leider steckt dahinter kein für­sorg­li­cher Gedanke, son­dern reines Kalkül. Das stellte Moise Kean kurz darauf auf Insta­gram selbst klar: Trak­toren? Ich weiß nicht, über was du redest… Der Mann von heute bin ich nur dank meiner Mutter, und damit habe ich alles gesagt.“ Zu seinen Anhän­gern sagt er: Und ver­gesst nie, wer euch das Essen gegeben hat.“

Ein Klub als Vater­er­satz

Denn für Kean war der Vater kein Idol zum Auf­schauen. Der heute 58-Jäh­rige ver­ließ seine Frau Isa­belle Delle als Moise und sein älteren Bruder Gio­vanni noch kleine Kinder waren. Die Kran­ken­schwester zog ihre beiden Söhne alleine groß, bis eines Tages ihr Telefon klin­gelte. Moise war am anderen Ende der Lei­tung und erzählte eupho­risch davon, dass Juve ihn in das ver­eins­ei­gene Internat auf­nehmen wollte.

Von da wurde der Klub zum neuen Für­sorger für Kean. Sie (Juventus) akzep­tierten ihn als Kind und ver­wan­delten ihn in einen Mann. Sie ließen ihn trai­nieren und lernen: nicht nur auf dem Feld, son­dern auch im Leben außer­halb des Fuß­balls. Sie waren sein Vater“, sagt seine Mutter über die Zeit. Bereits mit 16 Jahren kam Kean im Pro­fi­fuß­ball an. Er war der erste Spieler in der Serie A und der Cham­pions League, der im neuen Jahr­tau­send zur Welt kam. Nun die Pre­mie­ren­tore in Ita­liens Natio­nal­mann­schaft gegen Finn­land und Liech­ten­stein. Dass sich Papa Birou Jean Kean aus­ge­rechnet jetzt an die Öffent­lich­keit wendet, hat natür­lich mit dieser Vor­ge­schichte einen Bei­geschmack. Geht es dabei um Auf­merk­sam­keit? Jeden­falls beließ Kean Senior es nicht nur bei dem Sei­ten­hieb auf Juventus. Es wurde auch poli­tisch.