Seite 2: Im Fußball passiert verblüffend selten etwas zum ersten Mal

Was für eine schöne Legende, die den realen Fuß­ball­profi Mat­tuschka über­lebte, der inzwi­schen in den Ruhe­stand gegangen war. Doch nun war die Zeit gekommen, diese Legende wieder zu erwe­cken. Das jeden­falls ent­schieden die Gepei­nigten, Gestressten und Ver­za­genden auf den Rängen der Alten Förs­terei. Sie sangen also über diesen Mat­tuschka, der den Ball rein­haut für den Verein, obwohl der nicht einmal im Sta­dion war, son­dern irgendwo im Urlaub.

Es machte auch nichts, dass Robert Zulj, sein Ver­treter auf Erden, den Frei­stoß in die Mauer knallte und nicht ins Tor. Für einen Moment fühlten sich alle ganz heiter und leicht, ein­ge­ku­schelt in die Geschichte ihres geliebten Ver­eins. Zumin­dest in dieser 77. Minute.

Im Fuß­ball pas­siert ver­blüf­fend selten etwas zum ersten Mal

Bekann­ter­maßen durften sie am Ende jubeln, erschöpft und beseelt, die Unioner. Aber warum eigent­lich waren sie in Köpe­nick hys­te­ri­scher, durch­ge­drehter, ent­nervter und schließ­lich glück­li­cher als man das in den letzten Jahren irgendwo anders in Deutsch­land hatte erleben können? Die Frage beant­wortet sich, wenn man auf einige andere Partys der letzten Saison schaut. Der FC Bayern wurde Deut­scher Meister und freute sich ganz dolle. Aber den Titel holte der Rekord­meister auch in den vor­an­ge­gan­genen sechs Jahren und ins­ge­samt schon 29 Mal. Der FC Bayern gewann den DFB-Pokal und hatte eine schöne Sie­ges­feier, aber es war bereits die 19. nach einem Pokal­sieg. Auch in Köln wissen sie zu feiern, und natür­lich wurde die Rück­kehr des 1.FC Kölns in die Bun­des­liga hem­mungslos beju­belt – zum siebten Mal.

Man könnte die Ligen und die Jubel­feiern durch­gehen, auch inter­na­tional. Man würde dann fest­stellen: Es pas­siert im Fuß­ball ver­blüf­fend selten etwas zum ersten Mal. Angeb­liche Bun­des­liga-Neu­linge sind keine echten Novizen, son­dern meis­tens früher schon mal erst­klassig gewesen. Viele Meister waren das genauso schon mal wie die meisten Pokal­sieger. Aber Union war noch nie auf­ge­stiegen in die erste Liga und wird es auch nie mehr wieder zum ersten Mal tun können. So schön wird es also nicht mehr werden, außer sie lösen die Ver­spre­chung aus einem ihrer Lieb­lings­psalmen ein: Wir werden alles zer­legen, bis wir Deut­scher Meister sind.“