Seite 2: „Emotionale Menschen reagieren manchmal über“

Vor dem Spiel in Berlin bat Lewis Holtby darum, nicht mit­fahren zu müssen, weil er nicht in der Start­auf­stel­lung stehen würde. Der HSV hat ihn dar­aufhin sus­pen­diert. Eine nach­voll­zieh­bare Ent­schei­dung?
Ich kenne die Hin­ter­gründe nicht, aber ich denke, dass man so eine Situa­tion drei Spiel­tage vor Sai­son­ende anders bewertet, und auch muss, als nach viel­leicht fünf Spiel­tagen.

Holtby sagt, dass er im Affekt gehan­delt und seine Ent­schei­dung kurze Zeit später revi­diert hätte. Glauben Sie ihm?
Lewis ist ein emo­tio­naler Typ. Emo­tio­nale Men­schen reagieren auch manchmal über. Aber es war ein Fehler, auch wenn ich ihm glaube.

Hätte der HSV anders mit seiner Reak­tion umgehen müssen?
Das möchte ich von außen nicht beur­teilen.

In den sozialen Netz­werken erlebt Holtby eine Welle der Soli­da­rität. Wie erklären Sie sich sein Stan­ding bei den Anhän­gern?
Mit seiner Emo­tio­na­lität und Ver­bun­den­heit, die er glaub­haft ver­mit­telt. Lewis ist schon als Fan mit­ge­fahren, als er gesperrt war, hat vor einem Jahr bei den Choreo-Vor­be­rei­tungen am letzten Spieltag geholfen und ein Lied zu Gunsten des Kin­der­hospiz Ster­nen­brücke auf­ge­nommen. Er ist grund­sätz­lich ein guter Typ und das respek­tieren die Fans.

Seine Kri­tiker sagen, er wäre wäh­rend seiner Zeit in Ham­burg häu­figer durch seine öffent­lich zur Schau gestellte Ver­bun­den­heit zum Verein und weniger durch Leis­tung auf­ge­fallen. Wie sehen Sie das?
Die Kri­tiker können sich ja mal die Rele­ga­tion in Karls­ruhe unge­fähr ab Minute 75 angu­cken. Lewis war aus­ge­wech­selt worden und ist abseits des Platzes mehr gerannt als man­cher Spieler auf dem Platz. Er hat seine Truppe nach vorne gepeitscht. Das war keine Show, das war echt. Die Leis­tung auf dem Platz zu bewerten, über­lasse ich anderen.

Sein Berater Marcus Noack hat die Maß­nahme des HSV bedauert und die mediale Beglei­tung kri­ti­siert. Glauben Sie, dass der HSV mit der Causa Holtby von anderen Pro­blemen ablenken wollte?
Ich glaube das nicht, auch wenn in den sozialen Medien jetzt mehr über Holtby als über als den sport­li­chen Nega­tiv­lauf geschrieben wird. Ich gehe fest davon aus, dass man es auch im Falle eines Sieges gegen Union kom­mu­ni­ziert hätte.

Haben Sie das Gefühl, dass die Nega­tiv­serie gerade recht kommt und der HSV gar nicht auf­steigen will?
Wer kommt auf so eine absurde Idee?!

Wäre der Auf­stieg denn wirk­lich das Beste für den HSV?
Der größt­mög­liche Erfolg ist immer das Beste für einen Sport­verein. Und in dieser Saison ist der größt­mög­liche Erfolg der Auf­stieg. Also Ja!

Was hoffen Sie für die nächsten zwei, drei Jahre?
Ich hoffe, dass wir dieses Jahr auf­steigen und uns dann in der Bun­des­liga eta­blieren. Für die letzten drei Spiele erwarte ich, dass wir uns zusam­men­reißen und alles geben, um den direkten Auf­stieg klar zu machen. Das muss unser Anspruch sein.