Hans-Günter Becker, Tas­mania Berlin ist zur Saison 1965/1966 anstelle von Hertha BSC in die Bun­des­liga nach­ge­rückt. Haben Sie da schon befürchtet, dass die Saison recht happig werden könnte?
Auf jeden Fall. Die Idee, unbe­dingt eine Ber­liner Mann­schaft in die Bun­des­liga zu holen, war ein Poli­tikum. Als dann fest­stand, dass aus­ge­rechnet wir nach­rü­cken sollten, hatten wir gar keine Zeit mehr, neue Spieler zu holen. So erfolg­reich wir mit Tas­mania rund um Berlin sei­ner­zeit waren, so aus­sichtslos waren unsere Chancen in der Bun­des­liga zu bestehen, das war uns von Anfang an klar.

Trotzdem haben Sie sich eine kleine Chance erträumt?
Natür­lich haben wir gehofft, für die eine oder andere Über­ra­schung sorgen zu können. Mit Horst Szy­ma­niak haben wir wenigs­tens einen super Spieler ver­pflichten können. Aber er alleine konnte uns auch nicht retten. Ins­ge­samt genügte unsere Mann­schaft ein­fach nicht den Ansprü­chen der ersten Liga.

Wie haben Sie den kurz­fris­tigen Auf­stieg mit ihrem Beruf ver­ein­baren können?
Es war damals ein großes Pro­blem, da wir alle voll­be­schäf­tigt waren. Der Verein wollte, dass wir prak­tisch über Nacht unsere Stel­lungen kün­digen, um Profis zu werden. Ich habe mit meinem Arbeit­geber abge­macht, nur noch halb­tags zu arbeiten. Wir wussten ja, dass es nur eine Saison dauern würde.

Und wie haben Ihre Team­kol­legen diesen Spagat hin­be­kommen?
Viele haben ihre Anstel­lung auf­geben müssen, da nicht jeder Arbeit­geber mit einer Halb­tags­lö­sung ein­ver­standen war. Für einige war die Situa­tion daher nicht beson­ders ange­nehm, da man nur vom Pro­fi­ge­halt nicht son­der­lich gut leben konnte.

Gab es Momente, in denen Sie die Ent­schei­dung ab und an bereut haben und lieber einen Tag im Büro ver­bracht hätten, als bei­spiels­weise wieder in Glad­bach vor­ge­führt zu werden?
Manchmal schon. Aber es gab natür­lich auch einen finan­zi­ellen Anreiz. Zumin­dest gab es mehr Geld zu ver­dienen, als in der glei­chen Zeit im Büro.

Sie konnten ledig­lich am ersten und am letzten Spieltag Ihre Spiele gewinnen. Gab es im Laufe der Saison Auf­lö­sungs­er­schei­nungen inner­halb der Mann­schaft?
Natür­lich war die Stim­mung gele­gent­lich alles andere als gut. Aber gene­rell kann ich den Hut vor der gesamten Mann­schaft ziehen, da wir vom Anfang bis zum Ende mit ehr­li­chen Mit­teln ver­sucht haben, dass Beste aus der Situa­tion her­aus­zu­holen. Obwohl jeder wusste, dass das Aben­teuer nicht gut aus­gehen wird.

Sie haben sich den Spaß an der ersten Liga also nicht ver­miesen lassen?
Auf keinen Fall. Grund­sätz­lich sind wir in jedes noch so aus­sichts­lose Spiel, halb­wegs opti­mis­tisch gegangen. Und wenn es dann mal wieder nicht geklappt hat, dann haben wir die Nie­der­lage mit einer gehö­rigen Por­tion Humor genommen.

Ihre Fans waren weniger aus­dau­ernd. Am ersten Spieltag kamen 75.000 Zuschauer, am letzten nicht einmal mehr 1000. Wie fühlt man sich in so einem Moment?
Das war natür­lich depri­mie­rend. Aber wer kann es ihnen übel nehmen? Eigent­lich war die Saison doch schon nach der Hin­runde gelaufen. Im Grunde genommen waren unsere letzten Fans aus­schließ­lich aus unserem Viertel Neu­kölln.

Haben Sie rück­bli­ckend einen Moment in der Saison, an den Sie sich beson­ders gerne erin­nern?
Das erste Spiel war natür­lich ein High­light. Vor so vielen Zuschauern beim Auf­takt zu gewinnen, wenn auch etwas glück­lich, war ein sehr schönes Gefühl. Außerdem waren die Spiele, in denen man zusammen mit Größen wie Uwe Seeler, Jupp Heynckes oder Wolf­gang Overath auf dem Platz steht, Momente, die man nicht mehr ver­gisst.