Seite 2: Konzentration auf das Wesentliche

Und so beginnen diese 90 Minuten mit plötz­lich flat­terndem Herzen, Sky Go auf dem bedenk­lich heiß lau­fenden Laptop, Dosen­bier als Faust­pfand und einem eilig zusam­men­ge­bas­telten Schnitt­chen­teller der für­sorg­li­chen Gattin, die sich dann aber doch lieber wieder ins kühle Innere ver­zieht und bei Shop­ping Queen“ das Gehirn in den Flug­modus schickt. Drei Meter weiter, nur von einem Fenster getrennt: der Abstiegs­kampf. Kurz erhitztes Blut, weil man sich jetzt gerne selbst in die Schlacht werfen würde, Press­schläge für den Klas­sen­er­halt! Dann der Blick auf das bedenk­lich gewach­sene Bauch­fett und das vierte San Miguel, also lieber Kon­zen­tra­tion auf das Wesent­liche: Mit­fie­bern, Händ­chen halten via Handy, Union gegen For­tuna im Live­ti­cker zweit­ver­folgen.

Liegt es am Dosen­bier, an der recht­zeitig erwachten Zunei­gung von der Wend­land-Ter­rasse oder doch eher an Milot Rashica? Wie auch immer, gel­lende Schreie ver­hallen auf dem nahen Cam­ping­platz­ge­lände und lassen den Hund auf­schre­cken, Bier steigt zu Kopf, Spiel steigt zu Herzen, der Freund aus Frank­furt, der mit den Last Minute-Toren, schickt Nach­richten im Minu­ten­takt, die alte Bekannte schreibt um 16:58 Uhr: Wahhh!!! Das ist echt ver­rückt“. Und ja, das ist es. Am Ende schießt Werder sechs Tore, Union drei, Düs­sel­dorf null und im Jubel­glück über diesen ver­rückten Spieltag darf man auf einmal gön­ner­haft Mit­leid für die unglück­liche For­tuna emp­finden und sich fragen, wo man jetzt die Rele­ga­tion ver­folgen wird.

Die ganze Kla­viatur der Emo­tionen

Schon erstaun­lich, was der Fuß­ball so mit einem macht. Die ganze Kla­viatur der Emo­tionen, einmal rauf und runter in nicht mal drei Stunden. Die leeren Dosen sind stummer Zeuge dieser nicht mehr für mög­lich gehal­tenen Gefühls­aus­brüche. Die Bun­des­liga, den Spit­zen­fuß­ball an sich, die Super­bay­ernhey? Findet man weiter blöd und glaubt man, wei­terhin nicht zu brau­chen. Aber ver­mut­lich ja doch, denn hätte man sonst das stille Gartow zusam­men­ge­schrien und in 90 Minuten mehr Sprach­nach­richten ver­schickt als in den ver­gan­genen sechs Monaten zusammen? Eher nicht.

Jetzt also Rele­ga­tion. Gegen Hei­den­heim, viel­leicht gegen Ham­burg. Wir haben noch nichts erreicht“, sagt Flo­rian Koh­feldt. Also mich schon.