Herr Gabriel, am Sonntag kam es zu einem Poli­zei­ein­satz im Fan­pro­jekt Darm­stadt. Zuvor sollen Darm­stadt-Fans einigen Regens­bur­gern Fanu­ten­si­lien ent­wendet haben. Im Fan­pro­jekt fand gerade eine Weih­nachts­feier statt, als rund 60 Poli­zisten das Gebäude umstellten und durch­suchten. Wie beur­teilen Sie das?
Das bedrü­ckende an dem Vor­fall ist, dass das Fan­pro­jekt Darm­stadt schon seit 15 Jahren exis­tiert und arbeitet. Und zwar im Netz­werk von Verein, Jugend­po­litik und auch der Polizei. Das Fan­pro­jekt ist ein Ort, der für die Jugend­li­chen eine gewisse Sicher­heit dar­stellt. Wenn dann die vor­wie­gend jungen Besu­cher mit einem derart mas­siven Poli­zei­ein­satz kon­fron­tiert werden und erken­nungs­dienst­lich behan­delt werden, gibt das großen Anlass zur Sorge. 

Welche Folgen kann so ein Poli­zei­ein­satz haben?
Zum einen kann es ganz unmit­tel­bare Folgen auf die jungen Men­schen haben. Mit wel­chem Blick auf die Polizei wachsen sie auf? Das Ver­hältnis zwi­schen Fan­szenen und Polizei ist sowieso ange­spannt. Zum anderen beruht die Wirk­sam­keit eines Fan­pro­jekts darauf, dass es Ver­trauen in diese Insti­tu­tion gibt. Dieses Ver­trauen wird nun einer schweren Belas­tung aus­ge­setzt. 

Warum?
Weil in dem Poli­zei­ein­satz auch die Bot­schaft trans­por­tiert wird: Dem Fan­pro­jekt trauen wir zu, dass es irgendwas mit kri­mi­nellen Akti­vi­täten zu tun hat. 

Wie hätte die Polizei Ihrer Mei­nung nach denn han­deln müssen?
Natür­lich muss die Polizei diesem Raub nach­gehen. Aber hier ist drin­gend die Frage nach der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit zu stellen. Die Polizei hat doch die Kon­takte zu den Mit­ar­bei­te­rinnen des Fan­pro­jekts. Es hätte unbe­dingt anders vor­ge­gangen werden müssen.

In Deutsch­land gibt es in 58 Städten Fan­pro­jekte. Wie können wir uns diese Ein­rich­tungen vor­stellen?
Fan­pro­jekte sind Ein­rich­tungen der jeweils ört­li­chen Jugend­hilfe. Ein Mix aus einem Jugend­zen­trum und Street­work. Die Kol­le­ginnen und Kol­legen – Päd­ago­ginnen und Sozi­al­ar­beiter – bewegen sich in der jugend­li­chen Sub­kultur der Fuß­ball-Fan­szenen und ver­su­chen dort belast­bare Bezie­hungen auf­zu­bauen.