Seite 2: Probleme auf den Außen – und im Tor

3. Außen ohne Form
Das Dort­munder U des Todes“ ver­stärkt die Abhän­gig­keit von den Außen­spie­lern. Diese müssen ihre Gegen­spieler über­winden, damit der BVB über­haupt in Rich­tung Tor gelangt. Ange­sichts der feh­lenden spie­le­ri­schen Klasse ist dies der ein­zige Weg für den BVB, in den Straf­raum zu kommen.

Gerade in diesem Bereich schwä­chelt der BVB. Die Drib­bel­künstler laufen ihrer Form hin­terher. Jadon Sancho gewann zwar zuletzt wieder ver­mehrt direkte Duelle, in Frei­burg ver­fiel er jedoch in alte Muster. Laut Sta­tistik verlor er mehr Bälle durch schlechte Annahmen (drei), als dass er Gegner umdrib­belte (zwei). Auch Gio­vanni Reyna ist weit ent­fernt von seiner Form zu Sai­son­be­ginn. Somit spielt der BVB sich häufig auf den Außen fest.

4. Kon­zen­tra­ti­ons­mängel
Offensiv hat sich beim BVB seit dem Abgang von Favre wenig ver­bes­sert – im Gegen­teil. In einer Hin­sicht hat Hum­mels jedoch recht, wenn er von Ver­bes­se­rungen spricht: Seine Dort­munder lassen in der Tat weniger Tor­schüsse zu. Frei­burg etwa gelang gegen den BVB gerade einmal ein Abschluss inner­halb des Straf­raums. Die Treffer beim 2:1‑Sieg erzielten sie durch Fern­schüsse, deren Tor­quote relativ gering ist. Hum­mels‘ Ana­lyse, dass der BVB zuletzt ver­gleichs­weise unwahr­schein­liche“ Tore fängt, stimmt.

Zugleich ist es zu ein­fach gegriffen, solche Tore als Match­glück“ abzutun. Der BVB griff in den ent­schei­denden Situa­tionen nicht ein. Was nützt es, mit Can einen defensiv agie­renden Rechts­ver­tei­diger auf­zu­stellen, wenn dieser vor dem 1:0 Vor­la­gen­geber Vin­cenzo Grifo nicht atta­ckiert? Wieso können Woo Jeong Yeong und Jona­than Schmid über­haupt so frei zum Abschluss kommen?

Dem BVB man­gelt es an Aggres­si­vität und Kon­zen­tra­tion in diesen ent­schei­denden Momenten. Zum Ver­gleich: Frei­burg blockte sechs der 16 Dort­munder Abschlüsse. Der BVB gerade einmal einen der sechs Frei­burger Schüsse.

5. Das Tor­hüter-Pro­blem
Hinzu kommt ein Pro­blem, über das BVB-Fans bereits seit einigen Wochen dis­ku­tieren. Tor­hüter Roman Bürki unter­liefen im Ver­laufe dieser Saison einige Patzer, gerade bei Fern­schüssen sah er nicht gut aus. In Frei­burg ver­trat Marwin Hitz den ver­letzten Bürki – und zeigte die­selben Schwä­chen. Wäh­rend das 0:1 kaum zu halten war, sah Hitz beim 0:2 äußerst unglück­lich aus. Der Ball prallte vom kurzen Pfosten über Hitz ins Tor.

Sta­tis­tisch gesehen lassen die Dort­munder aktuell weniger Tor­chancen zu als etwa Bayern oder Frank­furt. Trotzdem holen beide Teams mehr Punkte. Ein Grund: Manuel Neuer und Kevin Trapp halten Bälle, die eigent­lich kaum zu halten sind. Dem BVB fehlt ein Rück­halt auf Welt­klasse-Niveau.

Die Krise der Dort­munder einzig auf die Tor­hüter zu schieben, wäre aber falsch. Das größte Pro­blem bleibt die harm­lose Offen­sive. Trotz all dem offen­siven Talent spielt sich der BVB zu wenige Chancen heraus gegen defensiv gut orga­ni­sierte Gegner. Das kann selbst Hum­mels nicht schön­reden.