Am Ende fehlten selbst Flo­rian Koh­feldt die Worte. Viele Rück­schläge hat der Werder-Trainer in dieser Saison ver­kraften müssen, trotzdem hat er sich stets kämp­fe­risch prä­sen­tiert. Nicht so nach dem 1:3 gegen Mainz. Im Sky-Inter­view sagte er: Das tut mir ein­fach weh – für den Verein, für die Mit­ar­beiter und für alle, die dem Verein die Stange halten. Wir werden aber natür­lich nächste Woche alles pro­bieren, doch jetzt muss ich das erst einmal sacken lassen.“

Wäh­rend Werder Bremen dem zweiten Abstieg der Ver­eins­ge­schichte ent­ge­gen­tau­melt, darf Mainz feiern. Sie werden auch im zwölften Jahr in Folge in der Ersten Bun­des­liga antreten. Hier sind fünf Gründe, warum Bremen gegen Mainz und damit wohl auch den Abstiegs­kampf verlor.

1. Mainz hatte die bes­seren Aus­gangs­lage

In Bremen ist man dieser Tage nicht gut zu spre­chen auf Borussia Dort­mund. Ihre 0:2‑Niederlage gegen den FSV sorgte dafür, dass die Bremer das direkte Duell in Mainz unbe­dingt gewinnen mussten.

Sie gingen das Spiel offensiv an. Trainer Flo­rian Koh­feldt stellte seine Mann­schaft in einem 5 – 3‑2-System auf, wobei Davy Klaassen und Leo­nardo Bit­ten­court aus dem zen­tralen Mit­tel­feld nach vorne rücken sollten. Werder sprin­tete vom Anpfiff an nach vorne, ging sofort auf den Gegner, setzte nach Ball­ver­lusten wuchtig nach.

Mainz brauchte einige Minuten, um sich zu sor­tieren. Nachdem sie sich in einer kom­pakten 4 – 2‑3 – 1‑Ordnung gefunden hatten, zeigte sich, wie wichtig ihr Sieg gegen den BVB war. Mainz konnte die Partie aus einer abwar­tenden Hal­tung angehen, wäh­rend Werder den Druck hoch­halten musste. Bei geg­ne­ri­schem Ball­be­sitz stellten die Mainzer clever Bre­mens Optionen im Spiel­aufbau zu. Bei eigenem Ball­be­sitz fanden sie die rich­tige Mischung aus gedul­digen Quer­pässen und ris­kanten Ver­ti­kal­pässen. Die Aus­gangs­lage spielte ihnen in die Karten.

2. Latza über­nimmt Ver­ant­wor­tung – bei Werder nie­mand

In der ersten Halb­zeit über­nahm ein Mainzer Spieler Ver­ant­wor­tung: Danny Latza. Der Sechser for­derte die Bälle und ord­nete das Spiel seiner Mann­schaft. Dazu ließ er sich fallen oder bewegte sich auf die Flügel. Oft ließ er sich auf die rechte Seite fallen, von hier schlug er lange Dia­go­nal­bälle auf den linken Flügel oder schickte Ridle Baku die rechte Seite ent­lang. Latza ragte nicht nur auf­grund seiner Pass­ge­nau­ig­keit heraus: Dreimal setzte er im Zen­trum (!) zum Dribb­ling an, mit einem sehens­werten Solo lei­tete er das 2:0 ein.

Werder hin­gegen hatte keinen Spieler in den eigenen Reihen, der das eigene Auf­bau­spiel struk­tu­rierte. Nie­mand for­derte den Ball, kein Mit­tel­feld­spieler ließ sich fallen oder wagte sich ins Dribb­ling. Am Ende drib­belten die Mainzer fast dreimal so oft wie die Bremer. Auch das belegt, wie mutlos Werder auf­trat.