Dass ich über­haupt zur SV Böl­horst-Häver­städt kam, lag an einem Miss­ver­ständnis, bezie­hungs­weise: am schlechten Timing meiner Eltern. Bis Mitte der sieb­ziger Jahre wohnten wir in Minden in einer dieser klas­si­schen Sied­lungen des Sozialen Woh­nungs­baus, dritter Stock rechts, 64 Qua­drat­meter, geteiltes Zimmer für meine Schwester und mich. Weil sich die zuerst harm­lose Sied­lung nach und nach zum Sozialen Brenn­punkt ent­wi­ckelte, ent­schlossen sich meine Eltern, in einem beschau­li­chen Vorort ein Haus zu bauen – leider zu einem Zeit­punkt, als es in Zol­lern, so hieß die Sozi­al­sied­lung, gerade span­nend wurde.

Dort saß näm­lich ein Jugend­trainer von Minden 05, dem damals größten und wich­tigsten Verein der Stadt, auf seinem Balkon und beob­ach­tete, wie sich ein kaum zehn Jahre alter bebrillter Junge uner­schro­cken nach jedem Ball warf. Der Mann wurde bei meinen Eltern vor­stellig und bot an, mich zu seinem Klub zu holen. Mein Vater aber sagte: Wir ziehen im Sommer nach Häver­städt. Dann kann der Junge besser da in’ Verein.“

Stich­wort: Not gegen Elend

Die SV Böl­horst-Häver­städt, kurz SVBH, war damals gerade dabei, eine Jugend­ab­tei­lung auf­zu­bauen, aber bis zum Start sollte es noch ein paar Wochen dauern. Weil ich mich nach dem Umzug in der noch etwas asep­ti­schen Vor­ort­sied­lung lang­weilte, ging ich an einem Sonntag im Spät­sommer zum Sport­platz, um auf meinem zukünf­tigen Ver­eins­ge­lände mal nach dem Rechten zu sehen.

Als ich am Platz ein­traf, lief gerade ein Spiel der Zweiten Herren, Kreis­liga C. Der Gegner hieß FC Bad Oeyn­hausen V, ein Team, das – wie ich später erfuhr – aus­schließ­lich aus Spa­niern bestand. Das Spiel war so, wie ein Kreis­liga-C-Spiel zu sein hat, Stich­wort: Not gegen Elend. Übli­ches Sonn­tag­mit­tags­ge­gurke, zumin­dest solange, bis Mitte der zweiten Halb­zeit von einer Sekunde zu nächsten das Inferno los­brach.