Am Ende, sagt Ver­tei­diger Carsten W. Heyden­reich, habe es Sergej W. auch für seine Eltern getan. Um ihnen etwas zu hin­ter­lassen, sollte er aus dem Leben scheiden.“ Der zweite Tag im Pro­zess gegen Sergej W., den 28-jäh­rigen Ange­klagten um den Split­ter­bom­ben­an­schlag auf die Mann­schaft von Borussia Dort­mund, beginnt mit einem Teil-Geständnis.

An Hand­schellen wird der Ange­klagte in den Raum geführt. Er ist sicht­lich ange­spannt, ner­vöser noch als am ersten Ver­hand­lungstag kurz vor Weih­nachten. Damals blieb ihm nur eine Neben­rolle, wäh­rend Ver­tei­di­gung und Staats­an­walt­schaft Posi­tion aus­tauschten, und Jour­na­listen sich um die am Pro­zess betei­ligten scharten, ver­suchten, etwas über die Hin­ter­gründe der Tat zu erfahren. Dass es auf den Täter hin­aus­laufen würde, das war da bereits absehbar.

Alles für einen Opti­ons­schein

Jetzt also steht Sergej W. da, schaut in die Kameras, blickt auf die Erde, eher in Rich­tung Richter Peter Windgätter, nicht in den Raum, in dem sich neben RTL-Kri­sen­re­porter Uli Klose, andere Pres­se­ver­treter und diesmal auch einige Zuschauer ein­ge­funden habe.

Eine BVB-Sym­pa­thi­santin trägt Marc-Bartra-Trikot, denn um Marc Bartra geht es eben auch. Und um die Frage, wollte Sergej W. töten oder wollte er ein Ter­ror­sze­nario ent­werfen, und in der ein­set­zenden Panik seine Opti­ons­schein-Wette auf einen fal­lenden Kurs der Dort­munder Borussia gewinnen, um aus, laut Anklage, mehr als 26.000 Euro noch viel mehr Geld zu machen?

Am 11.April, als sich der Mann­schaftsbus der Dort­munder Borussia aus dem Team­hotel im Dort­munder Süden in Rich­tung West­fa­len­sta­dion auf den Weg macht, explo­dieren drei Spreng­sätze, lassen die Scheibe bersten, und Bartra schwer am Arm ver­letzt zurück.

Nicht ein­ge­knickt und aus­ge­schieden

Der Spa­nier muss noch am Abend not­ope­riert werden, das Cham­pions League-Spiel gegen AS Monaco wird auf den Fol­getag ver­legt. Von einem IS-Anschlag ist die Rede, und dass man sich dem Terror nicht beugen würde. Die drei Bomben senden Schock­wellen durch die Fuß­ball­welt im All­ge­meinen, und den BVB im Beson­deren.

Nach dem Anschlag sagt Hans-Joa­chim Watzke: Wir kni­cken nicht vor dem Terror ein!“

Der BVB tritt am Fol­getag zum Spiel gegen Monaco an, ver­liert jedoch und ver­liert auch das Rück­spiel beim Ligue-1-Klub. Sie scheiden aus der Cham­pions League aus, die unmit­tel­bare Reak­tion des Ver­eins wird auch bei der Tren­nung von Thomas Tuchel eine Rolle spielen, die Nach­wir­kungen des Anschlags im Verein noch lange zu spüren sein.