Wann immer ich erwähne, dass ich bei der WM 1986 in Mexiko war, fragen mich die Leute, ob ich beim Hand Gottes“-Spiel zwi­schen Eng­land und Argen­ti­nien gewesen sei. Ich muss dann leider ver­neinen. Dafür aber war ich beim West Lan­ca­s­hire Cup Final von 2004 zwi­schen Millom und Hes­keth Bank, und dort wurde ich Zeuge der selt­samsten und wit­zigsten Bege­ben­heit, die ich jemals beim Fuß­ball erleben durfte.

Damals war ich 53 Jahre alt und hatte über all die Spiele, die ich in meinem Leben gesehen hatte, schon lange den Über­blick ver­loren. Von Ham­burg bis Hull, von Mexiko City bis Millom müssen es Tau­sende gewesen sein. Doch nichts davon war mit dem ver­gleichbar, was sich an jenem Tag zutrug.

Ein klarer Favorit – ein herber Dämpfer

Schau­platz war das Giant Axe Sta­dium von Lan­caster City. Es war eine kühler, aber tro­ckener Diens­tag­abend im April 2004, und die 300 Zuschauer teilten sich in etwa gleich große Lager. Einige Späher waren eben­falls anwe­send, um sich Mil­loms Tor­jäger Carl Waters anzu­schauen, der in der Saison bereits mehr als 50 Tore geschossen hatte.

Als der wohl­ha­ben­dere und semi­pro­fes­sio­nell geführte Klub war Hes­keth Bank aber klarer Favorit, und sofort nach dem Anpfiff machte sich ihre kör­per­liche und tak­ti­sche Über­le­gen­heit bemerkbar. Aller­dings erfuhren die Bemü­hungen einen herben Dämpfer, als Millom durch ein Kon­tertor von Waters in Füh­rung ging.

Die Partie seines Lebens

Direkt nach Wie­der­an­pfiff stürmte Hes­keth Bank erneut nach vorne und setzte das Spiel nach dem Muster fort, das so rüde unter­bro­chen worden war. Der Druck auf Mil­loms Straf­raum ließ nicht nach, und der 21 Jahre alte Tor­hüter Lee Hanna machte die Partie seines Lebens. Er hielt alles, was auf sein Tor kam, bis zur 30. Minute, als er seinen größten Moment erlebte.

Ein Foul an der Straf­raum­grenze hatte Hes­keth Bank einen wei­teren Frei­stoß beschert, und Millom zog jeden Mann zurück, ent­weder für die Mauer oder um einen der Pfosten zu bewa­chen. Die Dis­kus­sion dar­über, wer den Frei­stoß aus­führen sollte, war rasch bei­gelegt, und zwei wei­tere Spieler von Hes­keth Bank trabten in den ohnehin schon über­füllten Straf­raum.

Er sah aus, als wäre er tot oder zumin­dest bewusstlos

Der mit Wucht geschos­sene Frei­stoß fand seinen Weg durch die Mauer, worauf Lee ihn weg­faus­tete, bevor er zu Boden ging. Spieler beider Mann­schaften balgten um eine güns­tige Posi­tion für den Abpraller, der schließ­lich dem größten Angreifer von Hes­keth Bank vor die Füße fiel. Ohne zu zögern, gab er einen mäch­tigen Vol­ley­schuss ab.

Aber da war ja noch Lee. Nachdem der den ersten Schuss gehalten hatte, hatte er sich für den Nach­schuss wieder auf­ge­rap­pelt, wurde nun aber von dem Mordsknaller nie­der­ge­streckt, lan­dete im Netz und sah aus, als wäre er tot oder zumin­dest bewusstlos. Doch erst was als nächstes geschah, machte dies alles zu einem so erstaun­li­chen Moment.

Gezielte Stöße gegen den Pfosten

Der Ball prallte vom Keeper mit einem enormen Drall ab und senkte sich auf die Tor­latte, wo er, sobald er auf­traf, für einen kurzen Moment ein­fach liegen blieb. Dann machte sich das bemerkbar, was vom Drall noch übrig war. Als ob ihm die Aus­sicht nicht gefiele, auf einer der beiden Seiten her­un­ter­zu­fallen, begann der Ball unglaub­lich langsam die rest­li­chen drei Meter bis zum rechten Pfosten die Quer­latte ent­lang zu wan­dern.

Als die Spieler beider Mann­schaften begriffen, dass das Leder noch im Spiel war, ver­suchten sie es mit dem Kopf zu errei­chen; ein Angreifer räumte einen Ver­tei­diger aus dem Weg und trach­tete danach, den Ball durch gezielte Stöße gegen den Pfosten dazu zu bewegen her­un­ter­zu­fallen.