Seite 7: Bierduschen & Dopingproben

Bier­du­schen & Doping­proben
Immer mehr Spieler finden den Weg vom Innen­raum in die weiß geka­chelte Kabine. Es dauert ewig, bis das erste Pils-Tablett her­ein­ge­tragen wird. Bier­freund Bruns läs­tert schon: Im letzten Jahr in Berlin stand zu dem Zeit­punkt schon alles 20 Zen­ti­meter unter Wasser.“ Es braucht einige Minuten, bis der Klas­sen­er­halt in den Köpfen ankommt. Die Spieler sitzen mit ihren roten Klas­sen­er­halts-Shirts auf den Bänken, nur Kim Fal­ken­berg trägt noch das RWO-Trikot. Schüs­sler und Embers schalten als Erste in den Fei­er­modus. 

Nach 15 Minuten rela­tiver Stille steigt der Laut­stär­ke­pegel. Büro­kauf­mann Embers ist es vor­be­halten, den ersten 0,3‑Liter-Plastikbecher von hinten über das Haupt des Trai­ners zu schütten. Lug­inger steht später minu­ten­lang unter dem fest instal­lierten Haar­trockner, wie man ihn aus Hal­len­bä­dern kennt. Wäh­rend Benny Rei­chert, der sich beim letzten Spiel in Duis­burg wieder einmal schwer ver­letzte, die Kabine mit Krü­cken betritt und mit einem aus­ge­las­senem Happy Bir­thday“ begrüßt wird, sitzt Unter­mieter Fal­ken­berg voll­kommen kon­ster­niert in einer Ecke. Sein Blick geht ins Leere. Er hat gerade erfahren, dass sein neuer Klub Greu­ther Fürth nicht in die erste Liga auf­steigen wird. Schon wieder nicht“, feixt Bruns in sicherer Ent­fer­nung. 

Der Manager ist in Fei­er­laune, sagt: Wir treffen uns am Besten erst am Samstag vor der Abfahrt nach Mainz wieder!“ Doch das ist mit dem Trainer nicht zu machen. Lug­inger setzt das nächste Trai­ning für Dienstag an. Nur einer fehlt auf der großen Party: Wo ist Maxi-Malo­cher Dimi­trios Pappas? Er hatte es schon geahnt, als er jubelnd vom Platz kam. Er sah Mas­seur Andreas Münker auf sich zustürmten. Das durfte doch nicht wahr sein! Musste er denn aus­ge­rechnet heute zur Doping­probe aus­ge­lost werden? 

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Dominik Asbach

Ihm ist zwar klar, dass er nichts mehr ändern kann, aber trotzdem ist es keine freund­liche Begrü­ßung, die der Doping­arzt zu hören bekommt. Pappas schimpft wie ein Rohr­spatz. Er ist total aus­ge­pumpt und ahnt schon das Schlimmste. Und so kommt es dann auch, unwei­ger­lich. Urinstau. Wäh­rend sich Tor­wart Sören Pirson nach immerhin einer Stunde in die Truppe ein­reihen kann, ver­bringt Pappas seinen Sonn­tag­nach­mittag in einer kleinen Neben­ka­bine, zusammen mit zwei Prü­fern, einer Plas­tik­dose und letzt­lich acht Fla­schen Bier. Keiner der gewohnten Tricks half, weder das zwi­schen­zeit­liche Duschen noch das Geräusch lau­fenden Was­sers schaffen Abhilfe. 

Nur das weiße Hand­tuch umge­bunden, sitzt er noch um kurz nach 18 Uhr da, mit gla­sigen Augen, ernst­haft ver­zwei­felt. Erst zwei­ein­halb Stunden nach dem Abpfiff gelingt es ihm, die gefor­derten 90 Mil­li­liter ord­nungs­gemäß abzu­lie­fern. Der Deutsch-Grieche ist lat­ten­stramm, tau­melt durch den Kabi­nen­gang. Jung­profi Moritz Stop­pel­kamp muss ihn nach Hause bringen. Es ist bereits das sech­zehnte Mal in dieser Saison, dass sich Spieler von Rot-Weiß Ober­hausen dem Test stellen müssen. 1860 Mün­chen zum Bei­spiel wurde nur viermal aus­ge­wählt. Manager Bruns sagt: Das ist wieder typisch. Glauben die denn tat­säch­lich, dass wir den Jungs etwas in ihr Wasser mischen?“

Wir sind so, wie euer Magazin heißt, nur noch ein paar mehr“

Auf Wie­der­sehen in Bennys Biotop!
Dort, wo in dieser Saison die unge­wöhn­lichste Spieler-WG Deutsch­lands lebte, wird nach dem Klas­sen­er­halt noch weiter gefeiert: im Eltern­haus der Rei­cherts. Co-Trainer Oliver Adler erreicht am späten Sonn­tag­abend ein tele­fo­ni­scher Notruf. Er wird ange­wiesen, umge­hend 20 Cheese­burger und 20 Fla­schen Bier vor­bei­zu­bringen. Die Spieler trinken sich schon mal warm für die abschlie­ßende Tour an den Bal­ler­mann. Langsam wird man sich bewusst, was man geleistet hat. Die ver­meint­liche Witz­truppe der Liga, in der Stürmer Tuncay Aksoy in der Hin­runde nebenher als Stra­ßen­bahn­fahrer arbei­tete, hat der ganzen Branche die lange Nase gezeigt. Zweimal hin­ter­ein­ander auf­ge­stiegen, am Ende Tabel­len­neunter. 

In einer Welt von wis­sen­schaft­li­cher Spiel­ana­lyse, immer auf­wän­di­gerer Leis­tungs­dia­gnostik und lizen­zierter Kapi­tal­ge­sell­schaften, haben sie sich mit ihren Methoden behauptet. Ein Spiel­system, auf das viele keine Ant­wort hatten, ehr­liche Worte unter Män­nern in der Krise und ein Zusam­men­halt, über den Mit­tel­feld­spieler Tim Kruse sagt: Wir sind so, wie euer Magazin heißt, nur noch ein paar mehr.“ Die Maloche hat sich gelohnt! Und es wäre fast ein Trep­pen­witz der Geschichte, wenn Rot-Weiß Ober­hausen damit zu einem Bei­spiel würde in einer über­tem­pe­rierten Branche. Heri­bert Bruch­hagen kann jeden­falls über­legen, wie er seine Wett­schulden abträgt. Wie hatte er zu 11 FREUNDE gesagt? Nur fürs Pro­to­koll: Die haben keine Chance, keine.“ Rot-Weiß Ober­hausen hat sie genutzt.