Bis­lang war die Flücht­lings­hilfe der Bun­des­li­gisten eine nicht enden wol­lende Serie an guten Taten: Die Ver­eine luden Geflüch­tete ins Sta­dion ein und spen­deten Kla­motten und Geld. Als der FC Bayern vor zwei Wochen ver­kün­dete, eine Mil­lion Euro zu spenden, ein Trai­nings­camp auf­zu­bauen und beim Spiel gegen Augs­burg mit Flücht­lings­kin­dern ins Sta­dion ein­zu­laufen, wurde er dafür mit Lob über­schüttet.

In der ver­gan­genen Woche kün­digte der Klub in einer Mit­tei­lung eine wei­tere Aktion an: Es werde einen Bene­fiz­lauf geben, dessen Ein­nahmen Flücht­lingen helfen sollen. Fünf Kilo­meter können die Teil­nehmer am 10. Oktober über den Vor­platz der Allianz Arena laufen und dabei auch einmal den Rasen im Münchner Sta­dion umrunden. 29,99 Euro kostet der Start.

Mit dem ›FanRun‹ besteht für uns, für alle Fans die Mög­lich­keit, der Ver­ant­wor­tung gerecht zu werden“, sagte Karl-Heinz Rum­me­nigge. Laufen, die Arena sehen, Geld spenden: eigent­lich eine Win-Win-Situa­tion für Verein und Anhänger.

Vor­teile für eine betei­ligte Firma?

Gäbe es nicht den Ver­dacht, den einige Fans durch inten­sive Recher­chen auf­ge­worfen haben: Bringt der Spen­den­lauf auch einer betei­ligten Firma Vor­teile?

Frank Helm­schrott ist der­je­nige, der die Nach­for­schungen in Gang gebracht hat. Schon auf dem ersten Blick bemerkte er einige Unge­reimt­heiten: Das Impressum der Seite war lücken­haft. Warum trägt eine GmbH den Spen­den­lauf im Namen? Wer ist diese GmbH? Und was hat das mit Flücht­lings­hilfe des FC Bayern zu tun? Nach fünf Minuten auf der Home­page des Laufs hatte ich mehr Fragen, als dass ich froh über die Hilfe war“, sagt er.

Zudem sollte es für jeden Teil­nehmer ein kos­ten­loses Jahres-Abo der Bild“-Zeitung geben. Für Helm­schrott war das kein gutes Signal, er hätte sich gewünscht, dass auch der FC Bayern auf die Bild“-Aktion ver­zich­tete.

Ich war nur neu­gierig“

Also begann er zu recher­chieren, wer mit seinem Verein wirbt. Durch einen Freund erfuhr Helm­schrott, dass die FanRun GmbH am Mitt­woch noch nicht im Han­dels­re­gister ein­ge­tragen war. Ein unüb­li­cher Vor­gang. Helm­schrott ist noch unsi­cher: Ich habe dort nichts Böses ver­mutet, son­dern war nur neu­gierig.“ Mitt­ler­weile ist das Unter­nehmen im Register gelistet.

Wenige Stunden später hat er ein undurch­sich­tiges Fir­men­kon­strukt zu Tage geför­dert. Bei der Anmel­dung tau­chen zwei ver­schie­dene Namen auf: Die Start­ge­bühr, die vom FC Bayern als Flücht­lings­hilfe dekla­riert wird, müssen die Läufer an die Man­digo GmbH über­weisen. Und das Anmel­de­system stammt von track​my​race​.com. Helm­schrott findet heraus, dass beide Firmen auf die gleiche Adresse in Mün­chen ange­meldet sind. Ebenso wie die im Mai gegrün­dete FanRun GmbH. Für die sen­sible Ange­le­gen­heit eines Spen­den­laufs ein unge­wöhn­li­cher Partner.

Die ersten Ergeb­nisse seiner Recherche ver­öf­fent­lichte Helm­schrott auf Twitter und weckte damit das Inter­esse bei wei­teren Bay­ern­fans. Auch sie fingen an, Infor­ma­tionen zu den Unter­nehmen zusam­men­zu­tragen. Jour­na­listen gaben ihnen Rat­schläge, wie man beim Regis­ter­ge­richt Mün­chen am besten um Ein­sicht bittet. Wie ein Rudel suchten sie nach wei­teren Hin­weisen auf die Firma. Und stießen immer wieder auf die Frage: Warum lässt sich die pro­fes­sio­nell geführte AG des FC Bayern Mün­chen darauf ein?

Bei mir gingen wegen des mul­migen ersten Ein­drucks die Alarm­glo­cken an“, sagt Helm­schrott. Wich­tiger als der Ver­eine ist ihm der­zeit die Hilfe für Flücht­linge. Die Blogger des Fan­por­tals Mia­s­anrot“ waren mitt­ler­weile eben­falls an der Recherche betei­ligt und ver­schickten Mails an die ange­ge­benen Unter­neh­mens­adressen, ans Telefon ging unter der hin­ter­legten Nummer nie­mand. Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht“, schreiben sie in ihrem Blog­ein­trag.

Es fing richtig an zu rie­chen“, sagt Helm­schrott. Die Fans reagierten sen­sibel, schließ­lich ver­spricht der Ver­eine eine wohl­tä­tige Aktion. Der FC Bayern rechnet mit 20 000 Läu­fern, das sind 600.000 Euro an Ein­nahmen. Orga­ni­sa­tionen, die Spenden sam­meln, müssen höchste ethi­sche Stan­dards ein­halten. Auf den Seiten des Fan­Runs ist bis auf den Hin­weis auf die Bild-Spen­den­kam­pagne kein Zer­ti­fikat zu finden, dass als Nach­weis für Serio­sität dienen könnte. Auch ein Hin­weis darauf, was mit dem Geld pas­sieren soll, fehlt.

Das ist die ent­schei­dende Frage, die bis­lang nicht anständig geklärt ist. Ralf Nagel, einer der Geschäfts­führer, ant­wor­tete Spiegel Online: Nach Abzug der Event­kosten werden die Ein­nahmen aus Spenden und Start­gel­dern voll­ständig an Flücht­lings­pro­jekte gegeben.“

Soll es noch wei­tere Fan­Runs“ geben?

Für Helm­schrott ist das zu dünn. Wie hoch sind die Kosten? Welche Pro­jekte werden geför­dert? Wel­cher Betrag bleibt am Ende als Spende übrig? Die Recherche ging weiter. Es wird klar, dass auch die Web­seiten bvb​-fanrun​.de, s04​-fanrun​.de und em2016​-fanrun​.de schon regis­triert sind. Von wem, ist noch unge­klärt. Planen die Ver­an­stalter also einen groß insze­nierten Beginn ihrer Lauf­serie in Mün­chen, um anschlie­ßend wei­tere Läufe zu ver­an­stalten? Gut mög­lich.

Eine Ant­wort auf diese und wei­tere Fragen gab der Ver­an­stalter des Fan­Runs“ bis­lang nicht. Durch Helm­schrotts Ergeb­nisse aber wurde aus dem FanRun“ ein zwei­fel­haftes Spen­den­pro­jekt.

Kritik des Fan­ver­bands

Der FC Bayern hätte auch selbst einen Lauf orga­ni­sieren können“, sagt Helm­schrott, mit seiner medialen Reich­weite hätte es der Klub geschafft, seine Fans zum Teil­nehmen zu ani­mieren.“ So bleibt der Ver­dacht bestehen, dass eine Firma mit dem Spen­den­lauf Geld ver­dienen möchte.

Unter­dessen mel­deten sich wei­tere Stimmen zu Wort: Die größte Münchner Fan­or­ga­ni­sa­tion, der Club Nr. 12“, for­derte die Fans auf, an dem Lauf nicht teil­zu­nehmen. Auch die Bitte des Ver­eins, bei dem Lauf als Stre­cken­posten zu helfen, lehnte der Fan­ver­band ab.

Auch 11FREUNDE schickte eine Liste mit Fragen an den FC Bayern. Sie ist bisher unbe­ant­wortet. Viel­leicht bleibt der Lauf aber ohnehin unbe­deu­tend: Auf Face­book haben bis­lang 24 Läufer ihre Zusage ange­kün­digt.