Exakt 57 Tage (in Worten: sie­ben­und­fünfzig) waren am Freitag seit dem Aus der deut­schen Fuß­ball-Natio­nal­mann­schaft bei der WM ver­gangen. 57 Tage, in denen sich Joa­chim Löw als ver­ant­wort­li­cher Bun­des­trainer weit­ge­hend der Öffent­lich­keit ent­zogen hat. Klar, Löw war ja mit der tief­ge­henden Ana­lyse des WM-Deba­kels beschäf­tigt.

Es könnte also ein ziem­lich volu­mi­nöses Werk geworden sein, das der Bun­des­trainer am Freitag dem Prä­si­dium des Deut­schen Fuß­ball-Bundes als Ergebnis seiner Ana­lyse prä­sen­tiert hat. Am heu­tigen Mitt­woch soll nun auch die Öffent­lich­keit infor­miert werden, bei einer Pres­se­kon­fe­renz des Bun­des­trai­ners in der Münchner Arena.

Dass Löw sich dabei ent­schieden selbst­kri­tisch geben wird, ist nach dem bis­he­rigen Erkennt­nis­stand nicht zu erwarten, nachdem er zuletzt Mängel bei der Nach­wuchs­aus­bil­dung der Bun­des­li­gisten bean­standet hatte. Dabei hat es bei der WM auch genü­gend Anlass zur Kritik an seiner Arbeit gegeben – und damit Ansätze für Ver­än­de­rungen. Wir stellen die wich­tigsten vor.

Der Stab
Nach dem his­to­ri­schen Vor­run­denaus der Natio­nal­mann­schaft ist oft und viel auf die unheil­volle Wir­kung des WM-Quar­tiers im tristen Watu­tinki hin­ge­wiesen worden. Was dabei leicht ver­gessen wird: Die Suche nach der per­fekten Unter­kunft ist ein kniff­liges Puzzle, bei dem viele Fak­toren (Strand­nähe, Wet­ter­si­cher­heit, Erreich­bar­keit) berück­sich­tigt werden müssen. In Russ­land kam eine wei­tere Kate­gorie hinzu: die Größe. Dem deut­schen Tross gehörten diesmal 135 Per­sonen an. In Worten: ein­hun­dert­fünfund­reißig.

Unter diesen 135 Per­sonen lassen sich mit Sicher­heit zwei oder drei finden, die für den Neu­aufbau nicht mehr benö­tigt werden. Mann­schafts­arzt Hans-Wil­helm Müller-Wohl­fahrt, der bei der nächsten WM 80 wäre, hat von sich aus auf­ge­hört. Wenn man sich jetzt noch vom achten Phy­sio­the­ra­peuten trennt und vom vierten Pres­se­spre­cher – reicht das nicht.

Zum einen hat Joa­chim Löw vor lauter Dele­gieren auf dem Trai­nings­platz ein biss­chen den Über­blick ver­loren, was für eine tief­grei­fende Struk­tur­re­form in seinem Stab spricht. Zum anderen benö­tigt er drin­gend wieder ein sport­li­ches Kor­rektiv, wie es Hans-Dieter Flick als sein Co-Trainer (2006 bis 2014) war. Flick ist nicht als begna­deter Enter­tainer auf­ge­fallen, aber er war ein aus­ge­wie­sener Fuß­ball­fach­mann. Ein unbe­quemer Kon­ter­part für den Bun­des­trainer; jemand, den Löw erst argu­men­tativ über­zeugen musste, wenn er mal wieder eine beson­ders ori­gi­nelle Idee ent­wi­ckelt hatte.

Flicks Nach­folger Marcus Sorg und Thomas Schneider sind das nicht. Vor allem Schneider ist es in immerhin vier Jahren nicht gelungen, sein Profil ent­schei­dend zu schärfen. Er war für Löw vor allem: bequem. Daher ist es kein Zufall, dass bereits über eine Rück­kehr Flicks spe­ku­liert wird. Aller­dings soll dessen Ver­hältnis zu DFB-Prä­si­dent Rein­hard Grindel nicht frei von Ver­wer­fungen gewesen sein.