Für mich war es eine große Ehre, bei diesem Spiel dabei zu sein. Ich stand noch am Anfang meiner Kar­riere und war erst zwei Jahre zuvor zu Ajax gewech­selt. Mit dem damals wohl besten Fuß­baller Europas zusammen zu spielen, war für mich etwas ganz Beson­deres. Des­halb habe ich mich auch riesig auf dieses Spiel gefreut, weil Johan es ein­fach ver­dient hatte, einen großen Abschied zu bekommen. Nor­ma­ler­weise hätte die Partie 5:5 oder 6:6 aus­gehen sollen und Cruyff hätte drei Tore gemacht. Doch von Anfang an kam keine fei­er­liche Stim­mung auf. Wir wollten eigent­lich nur ein biss­chen Fuß­ball spielen, doch die Bayern waren regel­recht fana­tisch. Später habe ich gehört, dass sie sich schlecht behan­delt gefühlt haben, weil sie schon am Flug­hafen in Schiphol nicht richtig emp­fangen worden waren.



Das kann ich natür­lich nicht beur­teilen. Trotzdem hätte es sich meiner Mei­nung nach nicht gehört, das Spiel so ernst zu nehmen. Einen so Großen wie Johan Cruyff mit einer 0:8‑Niederlage zu ver­ab­schieden, ist nicht schön. Nicht einmal einen Treffer haben die Bayern ihm gegönnt. Das kann ich nicht ver­stehen.

Eine rich­tige Party war es nicht

Nach dem Spiel war es mit den Fei­er­lich­keiten natür­lich erst einmal vorbei. Wir saßen in der Kabine und haben uns gefragt, was eigent­lich los war. An die Reak­tion von Cruyff kann ich mich nicht mehr genau erin­nern. Er war mit Sicher­heit ent­täuscht und böse, weil er es gehasst hat, zu ver­lieren. Und dann in seinem Abschieds­spiel so vor­ge­führt zu werden, das hat ihm nicht gepasst. Nach einer Weile haben wir aber doch noch ein paar Bier­chen zusammen getrunken. Eine rich­tige Party war es aber irgendwie nicht.

Ich bin heute Jugend­trainer bei Ajax und für die Tech­nik­schu­lung unserer Talente ver­ant­wort­lich. Noch bei den ganz Kleinen ist Cruyff ein Idol, obwohl die meisten ihn nie haben spielen sehen. Ich stehe heute noch ab und zu mit ihm in Kon­takt. Über sein Abschieds­spiel haben wir aber nie mehr gespro­chen. Dass Karl-Heinz Rum­me­nigge sich im ver­gan­genen Jahr für den Mün­chener Auf­tritt ent­schul­digt hat, habe ich gelesen. Es ehrt ihn, dass er das gemacht hat. Inzwi­schen ist das Spiel aber für nie­manden mehr ein Thema. Die deutsch-nie­der­län­di­schen Bezie­hungen werden dadurch nicht belastet (lacht). Wir haben aber gelernt, dass wir zu Abschieds­spielen keine deut­schen Teams mehr ein­laden… Nein, das ist natür­lich nicht ernst gemeint. Den­noch muss ich zum Schluss noch einmal sagen, dass ich den Bayern-Auf­tritt an diesem Abend nicht in Ord­nung fand. Ob sie schlecht behan­delt wurden, kann ich nicht beur­teilen. Wenn dem so gewesen ist, war das mit Sicher­heit nicht in Ord­nung. Den­noch hätte man Johan Cruyff einen anderen Abschied schenken müssen.

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Cruyff revi­dierte seinen Rück­tritt später noch einmal und spielte noch ein paar Jahre in den USA, Spa­nien und ab 1982 auch noch einmal in den Nie­der­landen für Ajax und Feye­noord. Ob sein Rück­tritt vom Rück­tritt mit den Vor­komm­nissen an jenem tristen Abend zu tun hatte, ist nicht über­lie­fert.

Simon Taha­mata ist heute 54 Jahre alt
und arbeitet als Trainer in der Al-Ahli Soccer Aca­demy. Als Spieler war der Links­außen in den Nie­der­landen für Ajax und Feye­noord aktiv. Für die niederlän­di­sche Natio­nal­mann­schaft bestritt er 22 Län­der­spiele, in denen er zwei Treffer erzielte. Als Ver­eins­spieler war Taha­mata zudem in Bel­gien bei Stan­dard Lüt­tich, Ger­minal Beer­schot und Ger­minal Ekeren aktiv, wo er 1996 seine Kar­riere been­dete. Ins­ge­samt bestritt er 604 Erst­li­ga­spiele, in denen er 113 Treffer erzielte.