Nein, früher war nicht alles besser – ganz im Gegen­teil. Mit­unter gab es in der Bun­des­liga schreck­liche Ball­ver­ge­wal­ti­gungen zu beob­achten. Aber früher schaute man ein Liga­spiel und dachte sich wenigs­tens für ein paar Minuten: Das kann ich doch auch! Natür­lich war das schon damals naive Augen­wi­scherei, aber den­noch ver­band einen dieser Gedanke mit dem Spiel. Er half einem, seine Liebe zum Spiel weiter zu ver­tiefen. Viel­leicht half er einem auch, davon zu träumen, selbst mal ein Pro­fi­fuß­baller zu werden.

Sein Lauf­stil treibt Ästheten in den Wahn­sinn

Diese Zeiten sind vorbei. Viel­leicht für immer. Gerade des­wegen ist es an der Zeit, den Schein­werfer auch mal auf einen Mann zu richten, der allen­falls im Schlag­schatten des Bun­des­liga-Hypes agiert: Sascha Möl­ders vom FC Augs­burg. Bei seinem gest­rigen Auf­tritt gegen For­tuna Düs­sel­dorf zeigte der Stürmer, dass er viel­leicht der Letzte seiner Art ist. Denn er ist einer von uns. Sascha Möl­ders spielt keinen Fuß­ball, er arbeitet ihn. Jede Sekunde seines Spiels erin­nert an dre­ckigen Kreis­li­ga­fuß­ball auf nassen Grand­plätzen. Sein Lauf­stil – rudernd, schnau­fend, unrunder als ein drei­eckiges Rad – treibt Ästheten in den Wahn­sinn. Er ist ein Sturm­bulle, gefangen im Körper eines Rie­sen­babys. Er beschränkt sich schlicht auf die Grund­tu­genden des Spiels: Laufen, Passen, Schießen. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Das ist so herr­lich ein­fach und absolut erfri­schend, denn Möl­ders ver­sprüht gleich­zeitig in jeder Sekunde seines Schaf­fens jene kind­liche Freude am Spiel, die so man­cher hoch­ge­züch­teten Pro­fi­ma­schine in irgend­einem Fuß­ball­in­ternat aus­ge­trieben wurde. 

Und wenn heute Julian Draxler in vollen Tempo einen Ball aus der Luft pflückt, Franck Ribery zwei bis fünf Gegen­spieler aus­wa­ckelt oder André Schürrle in Über­schall­ge­schwin­dig­keit den Ball von der Außen­bahn in die Mitte treibt, dann klappt einem regel­mäßig die Kinn­lade runter, weil man modernen Fuß­ball in reinster Form bestaunen kann. Alles ist schnell, alles glänzt, alles ist per­fekt, tech­nisch, phy­sisch, optisch. Doch bei all der Begeis­te­rung für die Bun­des­liga und ihren Weg zur besten Liga der Welt wird einem in diesen Momenten bewusst, dass der Fuß­ball sich immer weiter von einem selbst ent­fernt hat.

Ein Flick­flack als stilles Monu­ment

Im Spiel gegen Düs­sel­dorf schoss Möl­ders nun zwei furchtbar dre­ckige Tore und jubelte trotzdem, als hätte er soeben ein WM-Finale ent­schieden. Wenn man ihn spielen sieht, zeigt jeder Moment, dass er seinen Traum lebt. Da ist nichts insze­niert, son­dern alles impulsiv. Er setzt zum Flick­flack an und schei­tert so sym­pa­thisch kläg­lich, als wolle er ein Monu­ment für zukünf­tige Genera­tionen schaffen. Ein Denkmal, das sagt: Schaut her, ihr Boden­tur­nern unter den Eli­te­ki­ckern, lasst doch manchmal den ganzen Quatsch ein­fach sein. Diese ganz Show, diese ganzen Schnörkel, dieses ganze Glit­zern. All das braucht der Fuß­ball nicht, um das schönste Spiel der Welt zu bleiben.“