In Mün­chen riecht es auch nach diesem Spiel noch nach Krise. Jürgen Klins­mann ver­zwei­felt und wirkt am Ende wie ein schlecht geschminktes Edmund Stoiber-Double.

Hoeneß und Becken­bauer emp­fangen die Mann­schaft nun zum Scampi-All-You Can-Eat. Wir ver­ab­schieden uns aus der Allianz-Arena mit den weisen Worten von Ze Roberto: »Immer klappt, klappt, klappt, klappt. Nichts!«

92.
Hier pas­siert nichts mehr. Abpfiff.

Klins­mann hat sein Refor­mator-Lächeln auf­ge­setzt. Damit sieht er aus, wie die Klins­mann-Wachs­figur im Lon­doner Madame Tus­s­auds.

Fazit von von von von von Thurn und Taxis: »Es war ein Abend für Ze Roberto«
Ein Abend gegen die Krise war es nicht.

91.
Ecke Schwein­s­teiger und in der Mitte lauert Luca Toni. Ein Sze­nario wie ein gespielter Witz von Dieter Hal­ler­vorden. Der Keeper der Fran­zosen hat schon Lach­falten unter den Augen.

90.
Auch die Ecke bringt nichts ein. Dabei hat Schwein­s­teiger doch Ecken geübt. Unge­fähr 153 Stück seit der letzte WM. Unter Echt­zeit­be­din­gungen. Mit dem Adler auf der Brust. Gebracht hat es nichts.

89.
Noch mal Frei­stoß für Bayern. Toll. Aber: Vorne lauert Luca Toni. Nicht so toll.

88.
Das Spiel ist in einer End­los­schleife gefangen. Seit zehn Minuten wie­der­holen sich ständig die Minuten 70 – 73. Wenn die Spieler sich diese Choreo selbst aus­ge­dacht haben, dann Hut ab. So etwas erfor­dert ein unglaub­li­ches Takt­ge­fühl.

86.
»Macht euch jetzt nicht alles kaputt« fleht Taxis. Eins ist sicher: Er ist am Rande eines Erschöp­fungs­syn­droms.

85.
Max Ost, Bayern-Ultra seit den frühen Sech­zi­gern, rutscht die Mimik aus dem Gesicht:
Rie­sen­bock in der Bay­ern­ab­wehr, doch Ze Roberto klärt vor Ben­zema. Ost ver­drückt sich in Rich­tung Küche, mur­melt irgendwas von Bal­drian. Gute Bes­se­rung!

81.
Ribery ver­lässt das Feld. Thurn und Taxis, von, schlägt im großen PONS nach und jubi­liert dann fran­ko­phil: »Magni­fique«. Für Manni Fike kommt in jedem Fall Tim Borowski. Aus Neu­bran­den­burg. Dufte.

77.
Frei­stoß für Bayern. In Scholl-Posi­tion. Lucio (heute ohne ber­freun­dete Schild­kröte aber dafür mit Kapi­täns­binde) kommt nach vorne und ent­scheidet, wer schießt. Scholl wohl nicht. Ribery machts. Bleibt hängen. Scholl schüt­telt den Kopf und ver­schwindet hinter der Mas­ter­card-Wer­be­bande.

Nach­trag: Gelbe Karte für Cris. Rainer Cal­mund weiß, von wem wir spre­chen. Sonst weiß das in Lever­kusen aber wohl keiner mehr. Deshlab nochmal: CRIS.
Wir lau­schen dem Nach­hall dieser wun­der­baren Kako­phonie und freuen uns auf eien span­nende Schluss­phase.

75.
T&T gibt den Graf Zahl der Pre­miere-Redak­tion und rechnet mit den Fin­gern nach: »Bayern will die drei Punkte – dann wären es schon sechs« Ein­fache Addi­tion kann manchmal so glück­lich machen.

72.
Fast das 2:1 für Bayern. Rie­sen­un­si­cher­heit des Tor­warts. Und ein Ver­dacht drängt sich auf: Ren­sing hat in der Halb­zeit als ein­ziger die Seiten nicht gewech­selt und ist ein­fach in seinem Tor geblieben. Hat keiner gemerkt. Doch Lucio kann kein Kapital aus diesem bös­ar­tigen baju­wa­ri­schen Täu­schungs­ma­növer schlagen.

70.
Ribery kocht hinten Ben­zema ab. Spielt den Ball dann nach vorne. Auf sich selbst. Bleibt aber hängen. Der Rest schaut nur zu. Luca Toni macht nicht mal das.

67.
Außer­halb des Bildes schiebt Luca Toni Extra­schichten am Kop­ball­pendel. Her­mann Ger­land ist nicht zufrieden. Und Ze Roberto grinst hämisch.

65.
T’n’T liest Gedan­kenund weiß: »Klins­mann denkt noch nicht an einen Wechsel.« Das hat schon etwas Sphä­ri­sches, gera­dezu Para­nor­males. Wir machen den Fern­seher lauter, zünden Räuch­er­kerzen an und lau­schen seinen Worten.

61.
Das Spiel wird besser, findet Thurn. Das Spiel wird immer schneller, findet Breno. Und dieser Ball der flat­tert doch, findet Ren­sing. Toni findet gar nichts mehr und wird wohl bald aus­ge­wech­selt werden. Gegen das Kopf­ball­pendel von Her­mann Ger­land.

59.
Frei­stoß für Lyon. Aber Luca Toni hält den Kopf hin. vT&T feixt sich eins. Das ist seine Defi­ni­tion von Ironie.

55.
Klose wird von Jun­inho atta­ckiert. Der Bra­si­lianer hat Schaum vor dem Mund. Klose wirkt kurz ver­ängs­tigt, zeigt dann aber ganz cool in Rich­tung Bayern-Bank, wo Daniel van Buyten in seinem Cat­cher-Outfit Dehn­übungen macht. Sieht aus wie eine Mischen aus dem Under­taker und Bret Hitman Hart. Jun­inho sieht das ähn­lich und trollt sich.

53.
Wie­der­an­stoß. Die Bayern noch unge­ordnet. Denn an der Mit­tel­linie hält Luca Toni Ze Roberto fest und ges­ti­ku­liert wild. Seine Finger sagen: Wie hast du das gemacht. Seine Augen sagen: Binne traurik!

52.
TOOOOOR! KOPF­BALL von ZE ROBERTO!!! Kopf­ball von Ze Roberto.
Zucker­flanke von Klose. Toni ver­passt und beschwert sich schon im Sink­flug dar­über, dass dieser Ball nicht für ihn gedacht war. Aber der sonst so kleine Bra­si­lianer wuchtet den Ball ins Angel.Ein Jahr­hun­derttor. Sowas gibt es nur ganz selten. Wie eine Son­nen­fins­ternis. Oder so. »Eine Rarität« flötet der Pre­miere-Fritz. Auch er weiß um die Ein­zig­ar­tig­keit dieser Szene.

Das Spiel ist wieder offen.

50.
Zurück bei Pre­miere. Toni hat den Ball über den Kasten gehoben. Als hätten wir es geahnt.

47.
Luca Toni taucht allein vor Lyons Tor­wart Lloris auf. Uns egal. Wir schalten um auf CSI Miami.

45.
Die Bayern kommen aus der Halb­zeit. Super. Lyon auch. Diese Hälfte beginnt also wie die erste.

Hier jetzt noch schnell die Halb­zeit­frage für das obli­ga­to­ri­sche 11freunde-Bür­ger­te­lefon:

Zu gewinnen gibt es diesmal eine Dau­er­karte für Hertha BSC für die Saison 2001/2002 inklu­sive mee­t’n’greet mit Hertinho.

Was ist die Lieb­lings­farbe von Franz Becken­bauer.

a) Gold
b) Rot­weiß

oder

c) Licht ?

030 400 536 16 – der Rechtsweg ist aus­ge­schlossen. Viel Glück!

Becken­bauer macht sich einen Spaß und ana­ly­siert das Spiel Hertha BSC gegen St. Patrick’s Dublin. Nickles merkt nichts. Und fängt an, die Titel­musik von Magnum, P.I. zu summen.
Und plötz­lich fällt uns auf: Der Fritz das ist doch der unehe­liche Bruder von Jona­than Quail Higgins.

Wenn das Tom Sel­leck wüsste.

Halb­zeittee – oder andere Laster
Fritz von Thurn und Taxis ver­ab­schiedet sich auf »ein Ziga­rett­chen«.
Der Fritz dreht bestimmt selbst, raucht 63 Fil­ter­lose am Tag und über­schminkt sich seinen Niko­tin­schnauzer mit Erdal-Schuh­creme.

45+1
Abpfiff. Lucio über­gibt dem sou­ve­ränen Schieds­richter den Ball. Und nimmt seinen Freund Martin Demi­chelis in den Arm. Man merkt: Die beiden haben sich fürch­ter­lich ver­misst.
Breno bleibt zurück. Sieht traurig aus.

Nach der nächsten Jes­sica Kas­trop sehen Sie, wie es weiter geht.
Wird Breno Lucio doch noch für sich gewinnen können. Wird Demi­chelis zurück finden in den Schoß der Vie­rer­kette. Und: was macht eigent­lich Daniel van Buyten?

45.
Lucio rennt nach vorne. Doch Klins­mann pfeift ihn zurück. Der Bra­si­lianer schmollt und nimmt den Ball mit in die eigene Hälfte. Dort wartet er auf den Abfiff.

42.
»Die Bayern müssen Druck machen« schreit vT&T. Zur zweiten Halb­zeit wird er nicht an seinen Kom­men­ta­to­ren­platz zurück­kehren. Er hat seine alte rot-weiße Flüs­ter­tüte vom Spei­cher geholt. Und wird die zweiten 45 Minuten auf dem Zaun der Süd ver­bringen.

39.
Wieder setzt Toni zum Kopf­ball an. Lange sieht es nach Riedle aus. Dann immerhin noch nach Hash­emian. Aber als er unten ankommt, ist es doch nur wieder ein Carsten-Jancker-Gedächtnis-Stupser.

34.
Der FC Bayern rennt dem Rück­stand hin­terher. Becken­bauer bereitet seine Kabi­nen­pre­digt vor. Hier schon ein kurzer Vor­ab­druck der Schlüs­sel­wörter: Uwe-Seeler-Gedächtnis-Elf, Scampi und inter­na­tio­nale Klasse. Ghost­writer: Lothar Mat­thäus aka. Rai­mund Hinko
( Sport­bild ). Mir san mir eben. Hof­fent­lich hilft’s.

30.
Martin Demi­chelis im Mit­tel­feld. Becken­bauer: »Da auf der 6 ist er der Beste beim FC Bayern, wenn nicht sogar auf der Welt.« Ab nächsten Montag gibt Becken­bauer einen Kurs in der VHS-Schwa­bing. Thema: Mega­lo­manie für Dum­mies. Im Anschluss gibt es im selben Raum dann noch den Vor­trag von Lukas Podolski: »Spre­chen, wäh­rend man im Mund mit der Zunge eine Kar­toffel pellt.« Wer beide Kurse besucht, bekommt zur Beloh­nung ein kos­ten­loses Knax-Konto bei der Kreis­spar­kasse Isma­ning.

Immer noch 0:1. Gouvou muss vom Platz.

26.
Breno lässt sich erneut vor­führen. Rutscht weg. Wirkt abge­lenkt. Aus­ge­pumpt. vT&T weiß auch warum: »Der soll 18 sein – sieht aber doch schon aus wie Ende 20.« Breno altert schneller als andere Men­schen. Und wenn man ganz genau hin­schaut, kann man ihm in diesem Spiel sogar dabei zusehen.

25.
TOOOR!!! Eigentor viel­mehr. Von Demi­chelis. Natür­lich nach einem Frei­stoß von Jun­inho. Ein Schuss aus unge­fähr 57 Metern und der Argen­ti­nier fälscht ab. Teu­fels­zeug, schreit vT&T. Und blät­tert zur Beru­hi­gung wieder im Ört­li­chen.

Die erste Hoch­rech­nung aus Mün­chen: 0:1. Es droht ein Erd­rutsch­sieg der Neon­gelben.

21.
37,3435 Meter-Tiger­schuss von Ribery. »als wäre er nie weg gewesen« säu­selt der Fritz. Und meint doch seinen Lamy-Füller. Dann drückt er auf sein Räus­per­knöpf­chen und übt Schön­schrift. In Blau.

19.
»Schwein­s­teiger- der deut­sche Jun­inho« froh­lockt Turn und Table. Ein echter Fach­mann eben. Der Frei­stoß des Wies­n­beck­hams landet in der Mauer.

16.
Rie­sen­chance für Bayern. Toni ver­passt knapp. An der Sei­ten­linie schickt Inti­rims-Buddha Becken­bauer Jürgen Klins­mann zum Warm­laufen. Toni hat den Wink ver­standen und macht den Ohr­dreher. Prä­ventiv. Und beid­händig.

15.
Klins­mann und Hoeneß halten ein ent­spanntes Pläu­schen. Lip­pen­leser Max Ost, der soeben aus dem Nichts in der 11Freunde-Redak­tion mate­ria­li­siert ist, weiß: Es geht dabei nicht um Fuß­ball. Viel­leicht erzählt Klins­mann ein­fach von seinem letzten Kino­be­such: In der 16 Uhr-Vor­stel­lung des Pixar-Kra­chers WallE. Mit großem Pop­corn und kleiner Cola. Hoeneß‘ Gesicht ist ein Fleisch gewor­dener Abspann.

14.
Die Bayern ver­su­chen das Spiel zu beru­higen. vT&T schlägt der­weil im Ört­li­chen nach. Unter E. Wie Exor­zist.

11.
Wieder so eine Brand­fa­ckel-Flanke von Jun­inho. Kopf­ball. Aber tita­neske Parade von Ren­sing. Eine irre Szene. vT&T bläst in seiner Sper­cher­ka­bine auf dem Kamm. Erst nach einigen Sekunden hat er seine Stimme wieder gefunden: »Diese Flanken – das ist ein Teu­fels­werk.« Dann schlägt er ein Kreuz.

9.
Klose fliegt in den Straf­raum der Fran­zosen. Könnte Elfe­meter geben. Aber der Schieds­richter winkt ab. Ist eben Klose und nicht Pippo Inz­aghi. Luca Toni eilt zu seinem Sturm­kol­legen und erklärt ihm das mit dem Hin­fallen noch mal. Alles eine Frage der Ele­ganz. Toni. Ohr­dreher. Und ab.

6.
Jetzt mal die Bayern. Aber von Thurn und Taxis ver­ei­telt diese Mög­lich­keit mit einem ele­ganten Wackler seines Kri­mi­nal­haupt­kom­mis­s­a­r­ober­lip­pen­bartes. Schie­bung.

4.
Erster Frei­stoß für Lyon. Ren­sing zit­tert. Jun­inho zielt. Der Ball tröp­felt in den Straf­raum. Ren­sing geht auf Nummer sicher und holt den Ball mit einem spek­ta­ku­lären Hecht­sprung: Ein biss­chen Kahn. Aber noch mehr Ame­rican Gla­dia­tors. Akute Wie­see­go­rolle-Gefahr. Puh.
Weiter geht’s.

2.
Lyon spielt in Neon­gelb. Bayern auch. Nur noch heller. Wirkt fast weiß. Ein Mas­saker für die Augen. Ich ticker ab jetzt mit Son­nen­brille.

1. Minute
Schon jetzt Chancen im Minu­ten­takt. Von Thurn und Taxis hängt noch dem Anstoß hin­terher. Er kom­men­tiert das Spiel heute zeit­ver­setzt. Ihm sei’s gegönnt. Ist ja Wiesn.

20:45 Uhr
Anstoß. Noch 0:0. Ihr Kom­men­tator ist Fritz von Thurn und Taxis. Es ist ein Abend der netten Begrü­ßungen. Hier machen wir eine Aus­nahme und wün­schen uns ganz fest ein Cameo von Gerd Ruben­bauer.

20:40 Uhr
Die Auf­stel­lungen, direkt aus der Wes­ten­ta­sche von Dieter Nickles:

Bayern
Ren­sing – Oddo, Lucio, Breno, Lahm – Demi­chelis, Zé Roberto – Ribery, Schwein­s­teiger – Klose, Toni
 
Trainer: Klins­mann
 
Olym­pique Lyon
Lloris – Mensah – Reveil­lere, Bodmer, Cris – Toul­alan – Jun­inho Per­nam­bucano, Makoun – Govou, Ben­zema – Fred
 
Trainer: Puel

20:37 Uhr
Van Bommel, der Chuck Norris des FC Bayern, taucht aus dem Nichts auf und tät­schelt Becken­bauer den Rücken. Pre­miere-Gott­schalk Dieter Nickles ist begeis­tert: »Das ist ein Abend der netten Begrü­ßungen.« Jetzt schreibt er noch schnell einen Schüt­tel­reim in Becken­bauers Poesie-Album und tän­zelt auf den Zehen­spitzen ins Off.

20:35 Uhr
Klins­mann hat selbst seinen Intim­ko­lum­nis­ten­freund Lothar Mat­thäus über­raschtt und Ottmar Hitz­feld die Mann­schafts­auf­stel­lung aus­tüf­teln lassen:
Demi­chelis wird sich beson­ders freuen. Er darf wieder auf seiner Lieb­lings­po­si­tion im defen­siven Mit­tel­feld ran. Ein Fuchs, der Ottmar. Das Coa­ching an der Linie über­nimmt Franz Becken­bauer. Komis­sa­risch. Zumin­dest steht er schon wieder dort und fabu­liert über Taktik und Ver­söh­nung.

Großes Kino ist garan­tiert.

20:30 Uhr
Will­kommen in Jürgen Klins­manns Reform­haus der guten Laune. In Mün­chen ist bestes Post­wahl­wo­chen­end­wetter. Die blau-weißen Fahnen hängen auf Halb­mast und es riecht nach schalem Bier. Beste Vor­aus­set­zungen, um die Krise zu besiegen, sind das nicht.
Klins­mann jeden­falls hat auf seine ganz eigene Weise reagiert und die Mann­schafts­auf­stel­lung gewür­felt. Ob es für einen Kniffel reicht, wird sich in den nächsten 90 Minuten zeigen.