Wer auch immer Kritik an RB Leipzig äußert, wer dessen Ent­ste­hung und seine zwei­fel­hafte Grund­kon­struk­tion zur Umge­hung der 50+1‑Regelung gei­ßelt, der wird dieses Phä­nomen mit Sicher­heit kennen. Irgend­wann, wenn in der Debatte die Argu­mente aus­gehen, heißt es dann: Aber die Leip­ziger, die machen doch so gute Arbeit.

Das spielt a) natür­lich keine Rolle, weil der Grund­fehler des Kon­strukts bestehen bleibt, egal wie schön, schnell oder erfolg­reich die Mann­schaft über das Fuß­ball­feld jagt. Und vor allem stimmt es – b) – auch gar nicht mehr. Gute Arbeit macht das Brau­se­pro­jekt schon länger nicht mehr.

Das belegt auch die Ent­las­sung des noch vor wenigen Wochen als Erfolgs­trainer gefei­erten Dome­nico Tedesco. Nicht mal ein Jahr war Tedesco im Amt, und nach seinem Vor­gänger Jesse Marsch ist er bereits der zweite Trainer, der nach nur wenigen Monaten geschasst wird.

Lang­stre­cken­läufer mit Unge­duld

Das spricht ent­weder für nicht allzu viel Sorg­falt bei der Aus­wahl der lei­tenden Ange­stellten. Oder aber für feh­lende Kom­pe­tenz auf der Ent­schei­dungs­ebene.

Mehr als ein Jahr ist es her, dass der Klub seinen Sport­di­rektor Markus Krö­sche zu Ein­tracht Frank­furt hat ziehen lassen. Seitdem werden auch die sport­li­chen Geschicke in Leipzig von Vor­stands­chef Oliver Mint­z­laff gelenkt, einem frü­heren Lang­stre­cken­läufer mit Kom­pe­tenz vor­nehm­lich im Mar­ke­ting.

Mint­z­laff mag über ein aus­ge­prägtes Selbst­be­wusst­sein ver­fügen, seine sport­liche Bilanz aber weist inzwi­schen einige Dellen auf. Er ver­ant­wortet die zuletzt alles andere als glück­liche Per­so­nal­po­litik und die wei­terhin erfolg­lose Suche nach Krö­s­ches Nach­folger.

Vor allem aber steht er für eine im Fuß­ball oft unge­sunde Unge­duld. Schon nach dem zweiten Spieltag, nach zwei Unent­schieden, sprach Mint­z­laff öffent­lich von einem beschis­senen Sai­son­start“ und kri­ti­sierte bei seinem Rund­um­schlag auch das tak­ti­sche Ver­halten der Mann­schaft („Unsere Rest­ver­tei­di­gung war nicht bun­des­li­ga­taug­lich“).

Max Eberl in den Start­lö­chern

Wer sich ein biss­chen aus­kennt mit den Gepflo­gen­heiten im Pro­fi­fuß­ball, der konnte da zumin­dest schon ahnen, dass Dome­nico Tedesco aus dieser Nummer nicht mehr unbe­schadet her­aus­kommen würde.

Wie demon­tiere ich als Ver­eins­ver­ant­wort­li­cher meinen Trainer? Genau so!

Zwei def­tige Nie­der­lagen später (0:4 in Frank­furt, 1:4 gegen Donezk) hat es Tedesco dann tat­säch­lich erwischt. Dabei ist das eigent­liche Pro­blem des Klubs ganz sicher nicht auf der Trai­ner­po­si­tion zu suchen. Nicht von unge­fähr bemühen sich die Leip­ziger gerade intensiv um die Ver­pflich­tung des frü­heren Glad­ba­cher Sport­di­rek­tors Max Eberl. Das deutet zumin­dest darauf hin, dass sie das Pro­blem inzwi­schen selbst erkannt haben.

Dieser Text erscheint im Zuge unserer Koope­ra­tion mit dem Tages­spiegel.