Seite 3: „An Hertha BSC liegt es nicht“

Einige zwei­feln daran, dass die spie­le­ri­sche Qua­lität Ihres Kaders für die inter­na­tio­nalen Plätze reicht.
In den drei Jahren unter Pal Dardai waren wir sehr stabil. Wir mussten uns zu keiner Zeit Sorgen um den Klas­sen­ver­bleib machen, haben uns wei­ter­ent­wi­ckelt und sind zweimal auf Euro­pa­po­kal­plätzen gelandet. Auch jetzt haben wir wieder eine sta­bile, wenn auch keine son­der­lich spek­ta­ku­läre Saison gespielt.

Das ist es ja: Trainer Pal Dardai steht nicht unbe­dingt dafür, beson­ders schönen Fuß­ball spielen zu lassen.
Pal Dardai ist nach Chris­tian Streich der dienst­äl­teste Trainer in der Bun­des­liga. Diese Kon­ti­nuität auf dieser wich­tigen Posi­tion tut uns gut, und des­wegen gehen wir den Weg mit ihm weiter. Wir haben schon sehr schönen Fuß­ball unter seiner Regie gesehen. Dass wir auch Spiele dabei hatten, die nicht schön anzu­sehen waren, ist auch der Not­wen­dig­keit geschuldet, den Fuß­ball spielen zu lassen, der am Ende auch die Ergeb­nisse bringt.

Diese Art von Sicher­heits­fuß­ball könnte aber wie­derum neu­trale Zuschauer davon abhalten, ins Sta­dion zu gehen.
Unsere Ziel­set­zung für die kom­mende Saison ist es, die Heim­bi­lanz zu ver­bes­sern, an der Varia­bi­lität und Fle­xi­bi­lität zu arbeiten – und dadurch natür­lich auch die Attrak­ti­vität zu erhöhen. Das ist die große Her­aus­for­de­rung: In dem Bemühen, attraktiv nach vorne zu spielen, die defen­sive Sta­bi­lität nicht zu ver­lieren.

Haben Sie dafür genug her­aus­ra­gende Ein­zel­spieler?
Wir schauen schon, dass wir unter­schied­liche Typen im Team haben. Es gibt auch Spieler, die für die feine Klinge stehen, wie Valen­tino Lazaro oder Salomon Kalou. Auch Ondrej Duda hat große Fähig­keiten, von ihm erhoffe ich mir, dass er im nächsten Jahr end­lich den Durch­bruch schafft.

Was tun Sie dafür, dass dann auch Ihre Stamm­gäste wie­der­kommen?
Zuletzt gab es Streit, weil Teile der Fan­szene sich nicht ein­ge­bunden fühlten und vor allem die digi­tale Aus­rich­tung des Ver­eins kri­ti­sierten. Die Bezie­hung ist ange­spannt, ja. Wenn man unter­schied­liche Stand­punkte hat, ist das erst ein mal okay. Aber man muss mit­ein­ander reden, wenn man sich annä­hern möchte – und das pas­siert im Moment nicht. An Hertha BSC liegt es nicht. Unser Gesprächs­an­gebot galt immer und gilt immer, aller­dings kann sich die aktive Fan­szene noch nicht dazu durch­ringen, wieder mit uns zu spre­chen.

Können Sie die Kritik denn grund­sätz­lich ver­stehen?
Ich kann einige Dinge nach­voll­ziehen, aber einige auch nicht. Es gab auch in der Ver­gan­gen­heit immer wieder Schwie­rig­keiten, die wir über­wunden haben. Weil wir mit­ein­ander gespro­chen haben. Wir haben auch bei der Mit­glie­der­ver­samm­lung am Montag wieder die Hand aus­ge­streckt, aber die Fans müssen sie halt auch ergreifen. Es kann nur funk­tio­nieren, wenn wir dar­über reden. Das ist für mich alter­na­tivlos.

Wie viel Mit­spra­che­recht wollen Sie Ihren Anhän­gern bei der Sta­di­on­frage geben?
Wir binden die Fans in Sachen Gestal­tung ein. Eine Son­der­ver­an­stal­tung Hertha im Dialog“ aus­schließ­lich zu diesem Thema bietet dafür einen pas­senden Rahmen.