Seite 2: „Vielleicht ist Berlin keine wirkliche Fußballstadt“

Der eine große Investor, der nur darauf wartet, dass es los­geht, steht nicht schon bereit?
Es gibt keine Ein­zel­person oder ein Ein­zel­un­ter­nehmen, das wir in der Hin­ter­hand haben. Wir führen eine Reihe Gespräche mit poten­zi­ellen Part­nern.

Am Ende werden die Finanz­po­li­tiker im Par­la­ment die Ent­schei­dung für oder gegen ein neues Sta­dion treffen. Die werden genau darauf achten, dass dem Verein nicht mitten im Bau die Luft aus­geht.
Das ist richtig. Eine Bedin­gung des Senats wäre sicher­lich eine Fer­tig­stel­lungs­ga­rantie. In dieser Frage sind unsere Inter­essen iden­tisch. Wir sind total davon über­zeugt, dass wir die gemeinsam mit unseren Pro­jekt­part­nern abgeben können.

Bis wann erwarten Sie eine Ent­schei­dung der Politik?
Wir machen uns sehr dafür stark, dass dies noch in diesem Jahr pas­siert.

Können Sie Ihre Fans denn inso­fern beru­higen, als Sie einen Standort in Lud­wigs­felde aus­schließen, falls es doch keine Eini­gung gibt?
Unser Ziel ist es, selbst­ver­ständ­lich in Berlin ein Sta­dion zu haben. Wir sehen die Lösung im Olym­pia­park.

Einige Poli­tiker haben gesagt, man könne alles so lassen, wie es jetzt ist. Hertha müsse nur bes­seren Fuß­ball spielen.
Diese pole­mi­schen Äuße­rungen sind für mich nicht sehr ziel­füh­rend.

Sie glauben, attrak­tiver Fuß­ball lockt nicht mehr Men­schen ins Sta­dion?
Attrak­ti­vität spielt schon eine Rolle. Aber beim genauen Blick auf die Zahlen haben wir bei uns fest­ge­stellt, dass im Schnitt genauso viel Men­schen in den Jahren gekommen sind, in denen wir gut gespielt haben wie in Jahren, in denen es gegen den Abstieg ging. In Berlin sehe ich nicht den unmit­tel­baren Zusam­men­hang zwi­schen sport­li­chem Erfolg und Zuschau­er­zu­spruch. Wobei auch noch die Frage ist, wie Sie sport­li­chen Erfolg defi­nieren. Wir ori­en­tieren uns immer an der Rea­lität.

In der zurück­lie­genden Saison sah diese so aus, dass Hertha von allen Bun­des­li­gisten im Schnitt die meisten Zuschauer ver­loren hat.
Es gibt da so einen Spruch, der bei uns rum­geis­tert: Wenn die Bun­des­liga Schnupfen hat, hat Hertha Lun­gen­ent­zün­dung. Aber genau erklären können wir uns das auch nicht, weil es viele mög­liche Gründe gibt: der sehr kalte Winter, die eine oder andere für uns ungüns­tige Anset­zung, die stei­genden Abon­nen­ten­zahlen bei Sky, die vielen Alter­na­tiven in Berlin und und und. Wir werden die Som­mer­pause nutzen, um diesem Pro­blem auf den Grund zu gehen und Gegen­maß­nahmen zu erar­beiten. Es gibt keinen Zweifel, dass wir die nächsten Jahre, die wir defi­nitiv noch im Olym­pia­sta­dion haben, so gestalten müssen, dass der Zuspruch wieder steigt.

Warum iden­ti­fi­zieren sich so wenige der vielen Ber­liner mit dem Klub?
Viel­leicht ist Berlin im Kern keine wirk­liche Fuß­ball­stadt. Das führe ich darauf zurück, dass unsere Erfolge schon einige Jahr­zehnte zurück­liegen. Begeis­te­rung ent­facht man vor allem durch her­aus­ra­genden Erfolg: Meis­ter­schaften, Pokal­siege, Titel.

Wie kann Ihr Klub die wieder errei­chen?
Wir müssen uns die Rea­li­täten der Bun­des­liga vor Augen führen. In den ver­gan­genen Jahren haben wir gute Schritte gemacht hin zu einem eta­blierten Bun­des­li­gisten. Aber der Abstand zum FC Bayern Mün­chen ist so groß, dass wir ihn durchs Fern­glas schon nicht mehr sehen können. Das ist ein Rie­sen­pro­blem. Wir ver­su­chen, auf junge Spieler zu setzen, auf Aus-und Wei­ter­bil­dungs­ar­beit, wir wollen Talente ent­wi­ckeln und sie für Hertha BSC begeis­tern. Unser Ziel wird es sein, dass wir in den nächsten Jahren dau­er­haft um die inter­na­tio­nalen Plätze kämpfen. Dazu brau­chen wir aber noch den einen oder anderen Euro mehr. Und den müssen wir uns ver­dienen.