Gute Stim­mung gab es in der ver­gan­genen Saison auf Schalke nur selten. Ein leichtes Grum­meln beglei­tete die Mann­schaft prak­tisch immer, an man­chen Nach­mit­tagen erwuchsen daraus sogar laut­starke Pfiffe und Buh­rufe. Publikum und Mann­schaft hatten sich ent­zweit. 

Am Wochen­ende fei­erte das Schalker Publikum seine Mann­schaft. Jeden Zwei­kampf, jede Grät­sche, jeden Ball­ge­winn belohnten die Fans mit fre­ne­ti­schem Applaus. Selbst der Kölner Aus­gleich wenige Sekunden vor Schluss tat der Stim­mung kaum einen Abbruch. Kein Wunder: Das sonst so mür­ri­sche Gel­sen­kir­chener Publikum spürt, dass gerade etwas ent­steht – Trainer David Wagner hat die rich­tigen Schlüsse aus der ver­gan­genen Spiel­zeit gezogen. 

1. Schalke lernt das Pres­sing

Keine Über­tra­gung eines Schalke-Spiels kommt ohne den Fakt aus, dass Trainer Wagner einst Trau­zeuge von Jürgen Klopp war. Dass sich die Fuß­ball­phi­lo­so­phie der Beiden ähnelt, wird häufig mit ihrer Freund­schaft erklärt. Wagner dürfte aber auch ohne seine Bezie­hung zu Klopp ein Anhänger des aggres­siven Angriffs­pres­sings geworden sein. Er hat es bereits unter Ralf Rang­nick kennen gelernt.

Auf Schalke hat er langsam, aber stetig die Pres­sing­linie seiner Mann­schaft einige Meter weiter nach vorne ver­legt. Nachdem Schalke zu Beginn der Saison noch den Zugriff im Mit­tel­feld suchte, gehen sie nun ganz vorne drauf.

Die Sta­tistik Passes per Defen­sive Action“ belegt dies ein­drucks­voll. Diese setzt die Zahl der defen­siven Aktionen (Zwei­kämpfe, abge­fan­gene Pässe etc.) einer Mann­schaft in Rela­tion zu der Anzahl geg­ne­ri­schen Pässen. Die Logik: Je weniger Pässe der Gegner spielen kann, ohne dass er gestört wird, umso aggres­siver tritt ein Team auf. Wag­ners Schalke hatte zu Sai­son­be­ginn noch einen Wert jen­seits von zehn, lag damit in der Bun­des­liga im unter­durch­schnitt­li­chen Bereich. Gegen Köln lag er bei knapp über vier – Best­wert. Wagner will Schalke zum Pres­sing­monster ent­wi­ckeln.

2. Schalke hat Tempo

Wag­ners Idee vom Voll­gas­fuß­ball fußt auf einer zweiten Kom­po­nente: dem schnellen Umschalt­spiel. Anders als in den ver­gan­genen Jahren ist die Ball­si­che­rung für das Team zweit­rangig. Nach Ball­ge­winnen kreuzen die Stürmer, das Mit­tel­feld startet wuchtig nach vorne. Einzig Amine Harit ver­bleibt in etwas tie­ferer Posi­tion, um sich im Zeh­ner­raum anzu­bieten.

Schalke bringt in dieser Spiel­zeit wesent­lich mehr Wucht auf den Rasen. Gegen Köln zeigte sich jedoch auch, in wel­chem Bereich sich die Mann­schaft wei­ter­ent­wi­ckeln muss: Der FC ließ den Schal­kern wenige Räume zum Kon­tern, wodurch die Königs­blauen in der zweiten Halb­zeit auf 60 Pro­zent Ball­be­sitz kamen. Daraus kre­ierten sie jedoch wenige Tor­chancen. Aktuell ist für Wagner vor allem wichtig, dass Schalke wieder eine klare Spiel­idee ver­folgt – eine Spiel­idee, die von den Profis auch gelebt wird.