Seite 3: Der Krimi von Prag

Mar­tínez galt in seiner Zeit bei Bayern Mün­chen nicht nur als ein uner­müd­li­cher Kilo­me­ter­fresser, auf ihn war auch sonst immer Ver­lass. So wie bei­spiel­haft im Supercup-Finale 2013 in Prag, als der ein­ge­wech­selte Javi Mar­tínez in der Nach­spiel­zeit der Ver­län­ge­rung den Aus­gleich gegen den FC Chelsea schoss und den Bayern somit die Tür zum Elf­me­ter­schießen auf­stieß. Der Verein und die Fans wissen das zu schätzen, sind ihm bis heute dankbar. Für seine Leis­tungen, aber auch für seine bedin­gungs­lose Loya­lität.

Imago0014372652h

Mar­tínez feiert mit seinen Mit­spie­lern den Sieg im Elf­me­ter­schießen gegen den FC Chelsea.

imago images

Der Edel­re­ser­vist

Unter Hansi Flick spielte Mar­tínez im System der Bayern zuletzt keine Rolle mehr. Er brachte es ledig­lich auf ein paar Kurz­ein­sätze. Ohne öffent­li­ches Murren, setzte er sich auf die Bank. Die Gründe dafür sind viel­fältig: Ers­tens hat sich Joshua Kim­mich auf Mar­tínez’ Stamm­po­si­tion fest­ge­spielt und enwi­ckelt sich dort suk­zes­sive zum Leader der Bayern. Zwei­tens ist David Alaba durch Neu­an­kömm­ling Alp­honso Davies in die Innen­ver­tei­di­gung gedrängt worden und spielt dort einen her­vor­ra­genden Part. Drit­tens knüpfte Jerome Boateng unter Flick an seine Best­leis­tungen aus den ver­gan­genen Jahren an. Für Mar­tínez gab es in der Start­for­ma­tion keinen Platz.

Erschwe­rend kommt hinzu, dass der über­do­mi­nante Fuß­ball der Münchner in der Bun­des­liga keinen auf Sta­bi­lität bedachten Spieler benö­tigt. Ein Spieler, der die Räume eng macht ist schön und gut, aber gegen Mainz, Augs­burg oder Pader­born nicht von­nöten. Beim kom­menden Cham­pions-League-Tur­nier in Por­tugal wird – und davon ist aus­zu­gehen – auch die Defen­sive wieder mehr gefor­dert sein. Viel­leicht ist dort sein Typ ein letztes Mal gefragt. Er hätte es ver­dient.