Her­bert Schröger, wann wurden Sie zuletzt von einem Poli­zisten geschlagen?
Noch nie.

Was hat Sie dann dazu ver­an­lasst, die kon­se­quente Kenn­zeich­nungs­pflicht für Poli­zei­be­amte zu for­dern?
Ich bin seit 16 Jahren in der losen 1860-Fan­grup­pie­rung Löwen gegen Rechts“ enga­giert. Bei einem Spiel unserer zweiten Mann­schaft gegen die Reserve des FC Bayern im Jahr 2007 kam es zu einem unver­hält­nis­mä­ßigen Ein­satz der Polizei. Da wir meh­rere Ver­letzte zu ver­zeichnen hatten, haben wir Straf­an­zeige gestellt.

Und dann?
Das Ver­fahren gegen die unbe­kannten Poli­zei­be­amten wurde auf­grund einer man­gelnden Iden­ti­fi­zie­rung der Beschul­digten ein­ge­stellt, obwohl die Straftat als sol­ches zwei­fels­frei nach­ge­wiesen war. Ein ähn­li­cher Fall ereig­nete sich übri­gens beim Pokal­spiel zwi­schen der SpVgg Greu­ther Fürth und dem FC Bayern 2010. Des­halb sind wir der Initia­tive für eine trans­pa­rente und bür­ger­freund­liche Polizei“ bei­getreten.

Für das kom­mende Wochen­ende planen die Fuß­ball­fans in Bayern eine beson­dere Aktion.
Ganz genau. Fast jede bay­ri­sche Fan­szene kann von diesen oder ähn­li­chen Erfah­rungen berichten. Des­halb haben sich die Fans zwi­schen Mün­chen und Nürn­berg, von Augs­burg bis Fürth, aber eben auch in den unter­klas­sigen Ver­einen zusam­men­ge­schlossen, um gemeinsam zu pro­tes­tieren. Min­des­tens mit schlichten Spruch­bän­dern und auch aus­wärts. Diese Geschlos­sen­heit ist bemer­kens­wert!

Wer sperrt sich gegen Ihre Vor­haben und mit wel­chem Grund?
Vor allem das bay­ri­sche Innen­mi­nis­te­rium und die Poli­zei­ge­werk­schaften. Sie argu­men­tieren bei­spiels­weise, dass ein Poli­zist ein Mensch sei und keine Nummer. Dabei ist die ein­deu­tige Kenn­zeich­nungs­pflicht vom Gerichtshof für Men­schen­rechte und der UN vor­ge­schrieben.

Viele Poli­zei­be­amte befürchten den­noch eine Gefähr­dung ihrer Pri­vat­sphäre.
Wir for­dern nur, dass die soge­nannten geschlos­senen Ein­heiten“ eine solche Kenn­zeich­nungs­pflicht auf­er­legt bekommen. Es geht uns nicht um den Beamten auf der Straße, son­dern vor allem um das bay­ri­sche Unter­stüt­zungs­kom­mando (USK). Der Ein­satz­leiter soll im Falle einer juris­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zung seine Unter­stellten nament­lich nennen können.

Ist dieses Unter­stüt­zungs­kom­mando mit einer Hun­dert­schaft ver­gleichbar?
Das sind spe­zi­elle Ein­heiten, die nach den Todes­schüssen wäh­rend der Demons­tra­tionen zur Start­bahn West 1987 gegründet wurden und sind heute vor allem bei Fuß­ball­spielen zugegen, auch außer­halb unserer Lan­des­grenzen. Diese Rela­tion muss man sich mal vor­stellen.

Herr Schröger, warum aus­ge­rechnet jetzt?
In zwei Wochen ist die Land­tags­wahl. 

Und Sie glauben wirk­lich, dass sich dadurch etwas ändern könnte?
Absolut, denn die Kenn­zeich­nungs­pflicht ist in den ver­gan­genen Monaten zu einem wich­tigen Thema im Wahl­kampf geworden. Die Grünen, die SPD und die FDP haben es sogar explizit in ihr Pro­gramm auf­ge­nommen.