Kritik muss erlaubt sein, Julian Opp­mann und Cle­mens Gatz­maga: Ihre Web­site kommt zu spät! Zwei­ein­halb Jahre lang, von März 2017 bis August 2019, haben wir in der Print­aus­gabe jeden Monat ein Museum oder ein Archiv vor­ge­stellt. Und wir haben uns immer geär­gert, dass man nir­gends einen Über­blick dar­über bekommt, welche Ver­eine so etwas über­haupt haben.
Julian Opp­mann: Tat­säch­lich war dies eine der Ideen hinter dem Pro­jekt. Wir wissen, dass es viele Jour­na­listen gibt, die sich mit Fuß­ball­kultur beschäf­tigen. Und natür­lich gibt es sehr viele Fans, die ein großes Inter­esse an diesem Thema haben. Aus­wärts­fahrer ver­binden zum Bei­spiel die Reise zu einem Spiel gerne mit einem Besuch des jewei­ligen Ver­eins­mu­seums. Aber dafür müssen sie natür­lich erst mal wissen, ob der gast­ge­bende Klub das anbietet. Unser Ansporn war es, die bis dahin unsicht­baren Fuß­ball­mu­seen in die Öffent­lich­keit zu bringen.

Auch ver­eins­in­tern wurden die Museen ja lange Zeit stief­müt­ter­lich behan­delt.
Julian Opp­mann: Als ich vor einigen Jahren Aus­stel­lungs­leiter des Deut­schen Fuß­ball­mu­seums in Dort­mund war, hörte ich bei den Netz­werk­treffen öfter mal, dass sich manche Museen mehr Unter­stüt­zung wünschten. Ich glaube, es kam daher, dass viele von ihnen aus einer Gras­wur­zel­be­we­gung ent­standen sind. Fast immer war da ein zunächst belä­chelter Sammler, der irgend­wann gesagt hat: Jetzt habe ich all diese Dinge, lasst uns die mal aus­stellen und die Geschichte unseres Ver­eins durch sie erzählen.“ Bei nahezu allen Ver­einen begann die Ent­wick­lung hin zu einem rich­tigen Museum also im besten Sinne unpro­fes­sio­nell, und erst langsam wuchs in den Klubs das Ver­ständnis dafür, dass man so etwas braucht.

Ursprünge erfahrbar machen

Viele Klubs sahen wahr­schein­lich nur die Kosten, die mit einem Museum ver­bunden sind.
Cle­mens Gatz­maga: Und dabei über­sahen sie den großen Nutzen. Neben dem Sta­di­on­be­such ist ein Museum der engste Schnitt­punkt, den ein Fan mit seinem Verein haben kann. Wir hoffen, dass noch mehr Klubs erkennen, dass dies Häuser sind, in denen die Wei­ter­gabe von Tra­di­tion und Werten und damit Iden­ti­fi­ka­tion statt­findet. Aus Mar­ke­ting­sicht müsste man hier von per­fekter Kun­den­bin­dung spre­chen. Mar­ke­ting­leute bezeichnen den Klub ja gerne als Marke. Das so genannte Mar­ken­ver­spre­chen, das die Klubs ja inzwi­schen in die Tri­kots nähen, wird in den Museen ver­mit­telt, denn dort geht es darum, wie das alles ent­standen ist.

Begeh­bare Geschichte.
Cle­mens Gatz­maga: Für einen Verein müsste das Museum der erste Ort sein, an den man zum Bei­spiel einen Neu­zu­gang hin­führt, denn hier findet der Spieler kom­pri­miert all das, was seinen neuen Verein aus­macht. Es ist schließ­lich ein Unter­schied, der bis heute nach­wirkt, ob ein Klub in einem Arbei­ter­mi­lieu ent­standen ist oder etwa in einem von Kunst und Kultur geprägten Umfeld. Ein gutes Museum macht das erfahrbar und sollte des­wegen Pflicht­pro­gramm für neue Ange­stellte eines Ver­eins sein.