Seite 2: Danach ging es bergab

Doch auch für Emerys Nach­folger Thomas Tuchel hat Neymar ein Herz: Er ist lie­be­voll, weiß aber auch, wann es nötig ist, uns die Ohren lang zu ziehen. Er ist ein sehr ruhiger Mensch, der aber auch viel ver­langt. Er will immer das Beste für das Team und für jeden Spieler.“ Und er holte, zumin­dest schien es anfangs so, das Beste aus der Mann­schaft heraus. Auch, weil die Schick­sals­ge­mein­schaft Tuchel/​Neymar eine frucht­bare zu werden schien.

In der fran­zö­si­schen Meis­ter­schaft flog die Mann­schaft erneut auf Auto­pilot Rich­tung Titel­ver­tei­di­gung, und auch in der Grup­pen­phase der Cham­pions League lief es nach Wunsch. PSG qua­li­fi­zierte sich vor dem spä­teren Sieger Liver­pool und Ita­liens Vize­meister, dem SSC Neapel. Im Heim­spiel gegen die Reds, Ende November 2018, zeigte die Mann­schaft, was in ihr steckt. Mit spie­le­ri­scher Leich­tig­keit und einem glän­zend auf­ge­legten Neymar ließ sie die Pres­sing-Ver­suche der Reds ein ums andere Mal ins Leere laufen.



Fast schien es ein Klas­sen­un­ter­schied. Was sich über den FC Liver­pool der Saison 2018/19 sonst eher selten sagen ließ. Paris war ein ernst­hafter Anwärter auf die Königs­klasse und plötz­lich kam Neymar auch noch drei Tage früher aus dem Win­ter­ur­laub zurück in die fran­zö­si­sche Haupt­stadt. Jetzt schien alles mög­lich.

Danach ging es bergab

Dann folgte das Ach­tel­fi­nale gegen Man­chester United, wel­ches die Red Devils auf höh­ni­sche Art und Weise für sich ent­schieden. 3:1 in Paris. Drei Tor­schüsse, drei Tore. Ein selten däm­li­cher Hand­elf­meter in der 90. +4 Minute inklu­sive. Das 0:2 aus dem Hin­spiel? Nichts mehr wert. Neymar, in beiden Spielen ver­letzt, wütete danach auf Insta­gram gegen Schieds­richter Sko­mina, wurde anschlie­ßend gesperrt. Der Traum von der ganz großen Schlag­zeile, der Traum vom Gewinn der Cham­pions League, ohne Messi – aus­ge­träumt. Danach ging es bergab. Und aus dem einst so geliebten Son­nyboy wurde ein Buh­mann.

Die fran­zö­si­schen Fans, so schreiben die Stutt­garter Nach­richten“, erzürnt inzwi­schen nicht nur, dass die Leis­tungen des Bra­si­lia­ners nicht im Ver­hältnis zu seinem jähr­li­chen Gehalt von 36,8 Mil­lionen Euro steht. Der Welt­klas­se­spieler ist auch nie in Paris hei­misch geworden.“ Oder wie es der eng­li­sche Jour­na­list Tom Wil­liams bei Sky­Sports“ sagte: Er hat sich auch nie wirk­lich bemüht. Er machte nicht immer den Ein­druck, zu 100 Pro­zent hinter dem ›Pro­jekt PSG‹ zu stehen und die Fans warten noch immer auf sein erstes Inter­view auf fran­zö­sisch.“

Tobias Käufer, Süd­ame­rika-Experte und 11FREUNDE-Autor, sagt: Neymar ist in Bra­si­lien immer noch unge­heuer populär. Aber es mehren sich die Stimmen unter den Fans, die ihm seine jüngsten Eska­paden ankreiden und ihm vor­werfen, er habe nur noch Geld und Frauen im Kopf.“

Bra­si­liens ewige Ikone Pelé meckert, er mache zu viele Sachen neben dem Fuß­ball, so könne er nichts gewinnen, nichts von wert. Aber wann meckerte Pelé eigent­lich nicht über die, die in seine Fuß­stapfen geschrieben wurden und die wirk­lich das Zeug dazu hatten?