Am 24. Spieltag der abge­lau­fenen Bun­des­li­ga­saison standen Karl-Heinz Rum­me­nigge und Dietmar Hopp im Regen von Sins­heim. Nach den Schmä­hungen gegen Hopp zeigten der Hof­fen­heimer Mäzen und Bay­erns Vor­stands­vor­sit­zender öffent­lich­keits­wirksam ihre Ver­bun­den­heit. Einige Bay­ern­fans hielten gerade zum wie­der­holten Male Pla­kate gegen Hopp in die Höhe. Beim Stand von 6:0 für den FC Bayern stellte sich Rum­me­nigge demons­trativ an die Seite des Mil­li­ar­därs. Die letzten 13 Minuten sym­bo­li­sches Ball­ge­schiebe beklatschten beide freund­schaft­lich an der Sei­ten­linie.

Doch das sonst so herz­liche Ver­hältnis der Klubs begann in den ver­gan­genen Monaten mehr und mehr zu brö­ckeln. Hin­ter­grund sind die ablö­se­freien Bayern-Ver­pflich­tungen von Armindo Sieb (17) und Mamin San­yang (17) aus der Hof­fen­heimer Nach­wuchs­aka­demie. In der aktu­ellen Aus­gabe des ver­eins­ei­genen Maga­zins Spiel­feld übte TSG-Geschäfts­führer Frank Briel hef­tige Kritik am Vor­gehen des Rekord­meis­ters: Es ist auch unter Soli­da­ri­täts­as­pekten zumin­dest dis­kus­si­ons­würdig, dass der FC Bayern mit einer drei­viertel Mil­li­arde Euro Umsatz nun das Geschäfts­feld der Talent-Abwer­bung derart aktiv betreibt. Das ist aus deren unter­neh­mens­stra­te­gi­scher Sicht viel­leicht clever, aber uns tut das schon weh, denn dafür machen wir den Job in der Aka­demie.“

Es ist auch unter Soli­da­ri­täts­as­pekten zumin­dest dis­kus­si­ons­würdig, dass der FC Bayern mit einer drei­viertel Mil­li­arde Euro Umsatz nun das Geschäfts­feld der Talent-Abwer­bung derart aktiv betreibt.“

Frank Briel

Es ist jedoch ein Geschäfts­feld, das die TSG selbst schon vor Jahren für sich ent­deckt hat. Denn ein Blick auf die Hof­fen­heimer Ver­gan­gen­heit zeigt, dass auch die Kraich­gauer mit ihren Prak­tiken in der Ver­gan­gen­heit durchaus für Kritik gesorgt haben.

Das Spiel mit Talenten

In den ver­gan­genen Jahr­zehnten hat sich die Arbeit mit talen­tierten Jugend­spie­lern mehr und mehr zu einem Spe­ku­la­ti­ons­ge­schäft ent­wi­ckelt. Schafft ein junger Spieler den Sprung zu den Profis, so kann er oft mit erheb­li­chen Gewinnen wei­ter­ver­kauft werden. Bei­spiele lie­fern nahezu alle Bun­des­li­ga­klubs. Den letzten großen Coup fuhr Borussia Dort­mund mit Chris­tian Pulisic ein, der schon in der U17 für den BVB auf­lief und dann für 64 Mil­lionen Euro zum FC Chelsea wech­selte. Auch Hof­fen­heim will die Früchte der eigenen Arbeit ernten. Sei es durch sport­liche Leis­tung in der Bun­des­liga oder durch ange­mes­sene Trans­fer­ent­schä­di­gungen“, sagt Briel. Sonst funk­tio­niert das System nicht.“

Wie sehr sich eine Ver­pflich­tung in jungen Jahren lohnen kann, zeigt das Bei­spiel Niklas Süle. Mit 14 Jahren wech­selte er von Darm­stadt 98 in die Jugend­ab­tei­lung der TSG Hof­fen­heim. Drei Jahre später wurde Süle Profi bei Hof­fen­heim und wech­selte 2017 für 20 Mil­lionen Euro zum FC Bayern Mün­chen. Auch wegen der Trans­fers von Süle, Luiz Gus­tavo oder Sebas­tian Rudy pflegte die TSG eigent­lich ein gutes Ver­hältnis mit dem Rekord­meister. Das war und ist bei den Profis doch über­haupt kein Pro­blem. Aber bei den Junioren ist es per­sön­lich für mich schwer ver­ständ­lich“, zeigt sich Briel ent­täuscht dar­über, dass Armindo Sieb die Mög­lich­keit des gemein­samen Weges aus­ge­schlagen hat.