In meiner langen Kar­riere als Spieler und Trainer habe ich es nicht geschafft, auch nur einmal wegen des Fuß­balls zu weinen. Nicht aus Freude, nicht aus Ent­täu­schung, gar nicht. Aber als Jupp Heynckes am letzten Spieltag in seiner Heimat Mön­chen­glad­bach aus der Bun­des­liga ver­ab­schiedet wurde, wäre es fast so weit gewesen. Das war ein berüh­render, sehr kost­barer Moment in unserem oft allzu ober­fläch­li­chen Geschäft.

Aber zugleich bin ich immer wieder erstaunt dar­über, wie sich unter dem Ein­fluss von Erfolg und Miss­erfolg das Image eines Trai­ners wan­deln kann, auch wenn dieser sich selbst immer treu geblieben ist. Der Fuß­ball stellt eben etwas Selt­sames mit seinen Prot­ago­nisten an: Man rasiert zwar jeden Morgen das gleiche Gesicht. Doch wenn es nach der öffent­li­chen Mei­nung geht, gehört dieses Gesicht mal einem Helden und mal einem Ver­sager.

Auch vor der sen­sa­tio­nellen Saison mit dem FC Bayern habe ich Jupps Lauf­bahn immer mit Hoch­ach­tung ver­folgt. Mir war vor allem seine sach­liche, seriöse Art, mit diesem kom­pli­zierten Beruf umzu­gehen, sehr sym­pa­thisch. Wenn es mal nicht so gut lief für die Mann­schaften, die er trai­nierte, wurde ihm jedoch gerade diese Art zu seinen Ungunsten aus­ge­legt. Dann galt er als ver­bissen, humorlos, steif und sein Berufs­ethos als über­kommen. Und jetzt, nach der sen­sa­tio­nellen Saison, wird die­selbe Ernst­haf­tig­keit plötz­lich von allen gefeiert. Mehr noch: Sie wird gera­dezu kul­tisch ver­ehrt.

Denk an Hund und Familie, Jupp!“

Wenn er so befreit lacht, wie nach dem Pokal­sieg gegen den VfB Stutt­gart, dann wird das gleich in eine Schlag­zeile gegossen, als wäre im Ber­liner Olym­pia­sta­dion das letzte Ein­horn gesichtet worden. Dabei wissen nicht nur Ein­ge­weihte, dass er auch in den 68 Lebens­jahren zuvor schon mal gelacht hat. Und sie wissen auch, dass er bereits länger die Gabe besitzt, die Spieler über sich hin­aus­wachsen zu lassen. Sein eins­tiger Schütz­ling Ewald Lienen hat mal erzählt: Nach zehn Minuten bei Jupp im Büro war ich der festen Über­zeu­gung, ich sei der beste Links­außen der Welt.“ Wir sehen also: Jupp hat nicht erst durch den Gewinn der drei Titel den Beweis ange­treten, dass er sein Hand­werk mit viel Geschick und Bega­bung aus­füllt.

Natür­lich möchte auch ich ihm an dieser Stelle zum Triple und zum Sieg bei der Wahl zum Trainer des Jahres ganz herz­lich gra­tu­lieren – wobei nur er wissen kann, wel­cher Erfolg ihm mehr bedeutet. Aber ich kann hier und heute nun mal nichts anderes über ihn sagen, als ich auch schon vor zwei oder zehn Jahren gesagt hätte: Jupp Heynckes ist und bleibt ein großer Trainer. Punkt.

Nun tritt dieser große Trainer ab, zumin­dest vor­erst. Und viele wün­schen sich, dass er noch einmal ein Amt über­nimmt. Doch vor dem Hin­ter­grund meiner wesent­lich grö­ßeren Lebens­er­fah­rung rufe ich ihm zu: Denk an deinen Hund und deine Familie, Jupp! Wenn ein Scheich anruft, sag Ich kaufe nichts“ und leg wieder auf! Und hör auf Thomas Müller, der viel zu jung ist für solche Weis­heiten, aber trotzdem mal wieder Recht hat: Selbst wenn er 25 wäre, müsste er jetzt auf­hören!“