Ansgar Brink­mann, wie her­un­ter­ge­kommen ist das Preu­ßen­sta­dion wirk­lich?

Wenn man bedenkt, dass das Sta­dion die Anfänge mit Adi Preißler erlebt hat, muss man schon sagen, dass es eine Antik-Arena“ ist. Ich kenne das Sta­dion wirk­lich sehr gut und muss sagen: Das Ding kannst du den Fans, den Zuschauern und den Spon­soren eigent­lich nicht zumuten.

Das Mau­er­werk ist so marode, dass es nicht ganz unge­fähr­lich ist, ein Spiel von den Rängen zu beob­achten?

Kann man so sagen, ja. Wenn es Derbys gibt wie gegen Osna­brück, muss man schon Angst um die Gesund­heit der Men­schen haben, die Ein­tritt zahlen.

Wie ist die Situa­tion für die Spieler?

Auch in der Bun­des­liga in Bie­le­feld oder damals in Frank­furt am Rie­der­wald habe ich Kabinen und Ein­rich­tungen erlebt, die nicht so optimal waren. Aber ein Spieler braucht keinen Luxus.

Und was braucht das Sta­dion?

Es muss gewähr­leistet sein, dass man ein Punkt­spiel rei­bungslos aus­tragen kann. Wenn die Familie mit Mutter, Vater und vier Kin­dern kommt, müssen die auf der sicheren Seite sein. Darum geht’s. In Deutsch­land ist die Sicher­heit ja fast überall gegeben, aber im Preu­ßen­sta­dion ist der Zug leider zu oft ohne Preußen Münster abge­fahren und das muss man ändern. Sehr viele Fak­toren wie Tra­di­tion und Zuschauer spre­chen dafür, und der Verein braucht eine Reno­vie­rung auch, um sport­lich wei­ter­zu­kommen. Wenn du einen guten Sponsor hast und der mit seiner Frau in der S‑Klasse vor­fährt, wird sie aus­steigen und nach zehn Metern sagen: Jetzt pass mal auf, wir fahren nach Dort­mund, das ist 50 Kilo­meter weiter, und geben dort unser Geld aus.“ Was ich sagen will: Es ist sau­schwer, Spon­soren zu bekommen, und im Moment sind in Münster nur Leute, die richtig Herz­blut haben. Die braucht man natür­lich auch, aber ohne große Spon­soren, das wissen wir alle, geht es nicht.

Sie haben drei Mal bei Preußen Münster gespielt, sind immer wieder zurück­ge­kehrt. Warum?

Münster hat mir immer gefallen, ich habe eine gute Zeit hier gehabt. Meine Freundin hat hier auch stu­diert, ich bin mit Münster stark ver­bunden.

Sie sind 1991 und 2006 trotz Abstieg hier geblieben.

1991 blieb ich, obwohl ich auf jeder Ein­kaufs­liste der Bun­des­liga stand. Ich habe von 38 mög­li­chen Spielen 38 gemacht, neun Tore geschossen und 19 vor­be­reitet. Wenn du das heute machst in Deutsch­land mit 20 Jahren, kannst du dir den Verein aus­su­chen. Aber ich wollte dem Klub ein­fach helfen und habe noch zwei Jahre dran­ge­hängt. 2006 kam ich dann aus Dresden zurück, habe meine Kar­riere aus­klingen lassen und wieder alles ver­sucht, um den Verein oben zu halten. Leider hat es nicht gereicht.

Es gibt nach­haltig Ten­denzen gegen den modernen Fuß­ball“. Das Preu­ßen­sta­dion besitzt noch immer das Flair eines tra­di­tio­nellen Fuß­ball­sta­dions. Ist das nicht ein Pfund, mit dem der Verein wuchern könnte?

Ein sehr inter­es­santer Aspekt, den Sie da anspre­chen. Natür­lich fehlt einem in den modernen Arenen manchmal die Windböe von links oder rechts oder das Beson­dere, was die ganz alten Sta­dien noch haben. Aber um wirt­schaft­lich mit­halten zu können, muss dieses Sta­dion voll saniert werden. Am besten gestaltet man gleich ein ganz neues. Das muss kein WM-Sta­dion werden, aber es muss für alle Betei­ligten ein solider Rahmen geboten werden.

Wie haben Sie das Fiasko rund um den geplanten Preu­ßen­park“ erlebt?

Dar­über kann man sicher streiten. Die Kauf­leute haben damals gesagt: Mensch, das wollen wir nicht, da laufen uns die Kunden davon.“ Das kann ich nach­voll­ziehen. Aber statt­dessen hätte man ein reines Fuß­ball­sta­dion bauen und das ver­markten können, indem man dort auch Kon­zerte und Events ver­an­staltet. Zu der Stadt Münster gehört neben den Stu­denten und dem schönen Pan­orama auch der Leis­tungs­sport Fuß­ball. Warum in der Stadt immer wieder Kräfte dagegen anru­dern, ver­stehe ich nicht. Warum ist man nicht in der Lage einen Kom­pro­miss zu finden – zumal auch die sport­liche Seite dazu bereit ist.

Sie glauben also nach wie vor an ein modernes Sta­dion in Münster?

Die Hoff­nung stirbt immer zuletzt (lacht). Im Ernst: Ich würde es allen wün­schen. Wenn man ein biss­chen Erfolg in Münster hat, dann ist das auch gerecht­fer­tigt. Ich habe es selber mit­er­lebt in der 2. Liga, das große Fan­po­ten­zial in der Stadt. Wir sind damals abge­stiegen aus der 2. Liga und hatten die dritt­höchsten Zuschau­er­zahlen der gesamten Klasse. Das sind doch mal Fakten. Da waren 25000 bei jedem Spiel. Bis heute haben sie einen Zuschau­er­schnitt von 5000, das ist ein­malig in Deutsch­land. Sie spielen halt leider nur in der fal­schen Liga.

Gibt es ein Spiel im Preu­ßen­sta­dion an das Sie sich beson­ders gern zurück­er­in­nern?

Ich per­sön­lich denke gerne an das 3:1 gegen Gütersloh Anfang der 90er. Damals ging es für Gütersloh, ich glaube Ernst Mid­den­dorp war Trainer, um den Klas­sen­er­halt und für uns um den Auf­stieg. Da hab ich ein schönes Tor gemacht, und da denkt man natür­lich gerne zurück. Gütersloh hatte gerade das 1:2 in der 87. Minute gemacht, und ich sagte zu Christof Orkas, der an der Mit­tel­linie stand: Du kannst hier auf mich warten“. Ich ging direkt vom Anpfiff weg und traf. Den Ball hat keiner mehr berührt. Das war zwar nur vierte Liga damals, aber ein Tor und somit auch ein Spiel, was man nicht schnell ver­gisst. Die Leute, glaub ich, auch nicht.

Sie sind ja mitt­ler­weile als Spie­ler­be­rater tätig.

Ich würde eher sagen ich bin Scout. Im Rahmen dieser Tätig­keit durch­lebe ich gerade eine sehr, sehr lehr­reiche Zeit. Ich werde beraten von Rainer Cal­mund und war jetzt zum Bei­spiel vier Wochen in Bra­si­lien. In Bra­silia, Sao Paolo oder Porto Alegre, wo ich mir überall die Struk­turen ansehen konnte. Ich habe Freitag, Samstag und Sonntag Spiele gesehen, und das hat irr­sinnig Spaß gemacht. Außerdem bin ich auch viel in den Benelux-Län­dern unter­wegs. So bleibe ich dem Fuß­ball erhalten. Aber ich sehe mich eben nicht als Spie­ler­be­rater. Ich denke, wir sind Fuß­ball­ex­perten. Wenn man 21 Jahre Fuß­baller war, will man keine Spieler sam­meln oder so, auch wenn wir natür­lich nach Qua­lität suchen. Da ich ja auch den Trai­ner­schein machen werde, ist diese Arbeit nur von Vor­teil, es gibt keine bes­sere Vor­be­rei­tung, als so viele Spieler zu sehen.

Sie planen auch ein Abschieds­spiel?

Ja, und das wird eine nette Sache. Da werden ein paar gute Freunde von mir zusam­men­kommen. Ich hoffe auf einen Mehmet Scholl und ähn­liche, ein paar coole Typen auf jeden Fall. Ich freue mich auf diesen Tag und darauf, dass ich Freunde ein­laden darf. Ich glaube, nach 21 Jahren hat man sich auch so eine Ver­an­stal­tung ver­dient.

— — –

Im aktu­ellen 11FREUNDE-Heft findet Ihr ein Poster vom guten alten Preu­ßen­sta­dion.