Daniel Bern­hardt, Sie kommen gerade vom Mann­schafts­trai­ning. Sind Sie noch sauer auf Ihre Mit­spieler?
Naja, sauer bin ich eigent­lich nicht, eher frus­triert. Wenn man als Tor­wart drei Elf­meter hält und die Mann­schafts­kol­legen vier ver­schießen, ist ein­fach bitter. Der Frust sitzt noch ziem­lich tief, aber: Die Jungs haben ja auch nicht mit Absicht ver­schossen.

Und direkt nach dem Spiel? In den Inter­views wirkten Sie ziem­lich ange­fressen.
Direkt nach dem Spiel ist man nun einmal sehr emo­tional. Der Frust war über­wie­gend und die Ent­täu­schung groß. Auch heute Morgen haben wir noch viel über das Spiel geredet. Die Jungs, die ver­schossen haben, die konnten die Situa­tion gar nicht richtig fassen.

Wenn man dann im Elf­me­ter­schießen drei Dinger hält und trotzdem ver­liert, was sagt man dann nachher in der Kabine zu den Kol­legen, die vier Elfer über das Tor hauen?
Ich glaube, das ist eine Situa­tion, die es im Fuß­ball so noch nicht gab. Für andere ist das eine Rie­sen­ge­schichte, aber was sollen wir sagen? Wor­über soll man da reden? Die Ent­täu­schung war in der Kabine ein­fach riesig und auch heute hat man noch nicht wirk­lich rea­li­siert, dass wir trotzdem aus­ge­schieden sind. Das ist natür­lich auch für den Verein und für die Fans sehr, sehr traurig.

Sie sind als Elf­me­ter­killer bekannt. Als es nach 120 Minuten 0:0 stand, was hatten Sie da für ein Gefühl?
Ich hatte ein gutes Gefühl! Auch meine Jungs waren sich ziem­lich sicher, dass ich den ein oder anderen Ball halten werde. Dass es dann drei waren, ist viel­leicht sehr schön für mich per­sön­lich, aber unter´m Strich sind wir trotzdem raus­ge­flogen. Und das ist das was bleibt.

Hatten Sie sich extra auf die Situa­tion vor­be­reitet und die Nürn­berger für den Fall vorher ana­ly­siert?
Der Tor­wart­trainer hat mir noch zwei, drei Schützen genannt, zu denen er wusste, in welche Ecke sie bevor­zugt schießen, aber spe­ziell auf ein Elf­me­ter­schießen haben wir uns nicht vor­be­reitet. Zum großen Teil ist es aber auch ein­fach viel Bauch­ge­fühl, in welche Rich­tung man geht.

Wie ist es als Tor­wart gene­rell, machtlos zu sein, wenn die Kol­legen das Tor ein­fach nicht treffen?
Man denkt: Das kann doch nicht wahr sein! Als Tor­wart pusht man sich dann wei­terhin, dass man es nun halt regeln muss und das hat ja dann auch noch zwei wei­tere Male geklappt. Hätte das Glück im Elf­me­ter­schießen auf unserer Seite gestanden, wären wir der ver­diente Sieger gewesen.

Werden Sie sich Ihre Kol­legen zur Brust nehmen und noch einmal ein­ge­hend Straf­stöße mit denen üben? Oder ist Elf­me­ter­schießen ein­fach gene­rell ein Glücks­spiel?
Naja, man kann es positiv sehen: Glück­li­cher­weise kommt es jetzt ja erstmal nicht mehr zum Elf­me­ter­schießen, daher können wir das wohl ver­tagen.

Am Freitag geht es in der dritten Liga schon weiter, gegen die wahr­schein­lich eben­falls gefrus­teten Spieler des VfL Osna­brück. Wie findet man nach einer derart unglück­li­chen Schlappe zurück in den Alltag?
Auch wenn man jetzt heute noch über die Geschichte redet und wahr­schein­lich morgen auch noch – wir müssen nun Profis genug sein und das abwerfen. Ansonsten ist das wie ein Ruck­sack mit Bal­last, den man mit sich her­um­schleppt. Spä­tes­tens Don­nerstag sollten wir den dann abge­schüt­telt haben und gegen Osna­brück dann auch wieder ver­su­chen, das Tor zu treffen.