Mario Balo­telli ist zurück in Eng­land. Als Super-Mario“ vor­ges­tern in Liver­pool lan­dete, war die Begeis­te­rung über den extro­ver­tierten Ita­liener riesig. Der lau­teste Jubel dürfte aber unter den eng­li­schen Jour­na­listen aus­ge­bro­chen sein: Die Gaz­zetta dello Sport“ hat kürz­lich errechnet, dass Balo­telli in ein­ein­halb Jahren beim AC Mai­land 788 Schlag­zeilen pro­du­zierte. Der FC Liver­pool ist um eine Attrak­tion rei­cher.

Warum dieser Transfer

Die Anhän­ger­schaft der Reds“ schwankt zwi­schen Vor­freude und Skepsis. Die große Frage ist, ob der 24-Jäh­rige end­lich die Leis­tung bringt, die ihm seit Jahren zuge­traut wird, die er aber viel zu selten unter Beweis gestellt hat. Der FC Liver­pool, nach der Vize­meis­ter­schaft in der ver­gan­genen Saison wieder unter den Top-Teams in Eng­land, kauft sich aus­ge­rechnet einen Spieler, dessen Markt­wert in den ver­gan­genen Jahren kon­ti­nu­ier­lich gesunken ist. Warum dieser Transfer?

Wer an Balo­telli denkt, der weiß mehr über die Fehl­tritte abseits des Platzes zu berichten, als über die genialen Momente auf dem Feld. Mal ver­wei­gerte er eine Trai­nings­übung, dann bewarf er einen Jugend­spieler von Man­chester City mit Dart­pfeilen, oder zün­dete in seinem Hotel­zimmer Feu­er­werks­körper an. 

Hand­ge­menge mit dem Trainer

Es sind aber nicht nur Eska­paden, die ihn ins Ram­pen­licht rücken. In seiner Zeit bei Milan drohte er nach wie­der­holt ras­sis­ti­schen Belei­di­gungen das Feld zu ver­lassen. In einem Vor­be­rei­tungs­spiel tat er dies zusammen mit Kevin Prince Boateng, die Team­ka­me­raden schlossen sich den beiden an. Balo­telli zierte das Cover des TIME Maga­zines im November 2012. Plötz­lich war er die Sym­bol­figur einer ganzen Genera­tion. Die Ein­wan­de­rungs­po­litik in Europa wurde an Balo­tellis Lebensweg nach­er­zählt. Bis heute dient er vielen Ein­wan­de­rern in Ita­lien als Vor­bild. All die posi­tiven Eigen­schaften mit­samt seiner sport­li­chen Klasse führen dazu, dass Trainer über die Schwä­chen hin­weg­sahen. Einer seiner größten Für­spre­cher ist Roberto Man­cini. In der gemein­samen Zeit bei Man­chester City brachte er viel Geduld für Balo­telli auf und stellte sich oft schüt­zend vor ihn. Selbst ein Hand­ge­menge wäh­rend einer Trai­nings­ein­heit tat der Zunei­gung keinen Abbruch. Bei seinen Mann­schafts­kol­legen in Man­chester war er eben­falls beliebt, wie Man­cini berich­tete. 

Seine inter­na­tio­nale Klasse hat Balo­telli bereits unter Beweis gestellt. Für City erzielte er in 54 Pre­mier-League-Spielen 20 Tore. Beim AC Mai­land traf er 26 Mal in 43 Spielen. Das ist nicht Welt­spitze, aber durchaus ansehn­lich. A cal­cu­lated risk“, nannte Liver­pools Trainer Brendan Rod­gers seinen umstrit­tenen Neu­zu­gang.

Die Benimm-Klausel“

Rod­gers will nun errei­chen, was vor ihm noch keinem Trainer gelungen ist: Balo­telli zu dem Super­star zu coa­chen, den man bisher nur andeu­tungs­weise gesehen hat. Wie etwa im Halb­fi­nale der EM 2012, als er die deut­sche Elf im Allein­gang aus dem Tur­nier schoss. Liver­pool hat dies im Ver­trag deut­lich gemacht. Neben einem Wochen­ge­halt von 120.000 Euro erhält der Stürmer wei­tere 60.000, wenn er sich an eine so genannte Benimm-Klausel“ in seinem Ver­trag hält. Was genau in dieser Klausel steht, ist nicht bekannt, es ist aller­dings davon aus­zu­gehen, dass Balo­tellis Eska­paden durch die Andro­hung von emp­find­li­chen Strafen bereits im Keim erstickt werden sollen. 

In Zeiten, in denen die Pre­mier League bisher fast eine Mil­li­arde Euro an Trans­fer­gel­dern aus­ge­geben hat und sogar ein Zweit­li­gist wie der FC Fulham, 15 Mil­lionen Euro für einen Stürmer inves­tiert, sind 20 Mil­lionen für einen ita­lie­ni­schen Natio­nal­spieler bei­nahe ein Schnäpp­chen. Es ist aber viel­mehr die Ablö­se­summe, die auf der Insel für Dis­kus­sionen sorgt. Viel­mehr erin­nern sich die Eng­länder an Balo­tellis Ver­halten, nachdem der 2013 von Man­chester City zum AC Mai­land gewech­selt war. Von einem Jour­na­listen nach seiner Zeit in Man­chester befragt, ant­wor­tete er damals: Gute Erin­ne­rungen? Nur wenn ich nach Car­rington gefahren bin zum trai­nieren, also meine Mann­schafts­kol­legen. Schlechte Erin­ne­rungen? Alles andere – die Presse, das Essen, das Wetter, das Auto­fahren.“ So macht man sich Freunde.

Vieri: Bestes Geschäft in der Geschichte des AC Mai­land!“

Ähn­lich abfäl­lige Bemer­kungen über seine Zeit in Mai­land sind bis­lang nicht publik geworden. Ver­brannte Erde hat aller­dings auch beim AC hin­ter­lassen. Ita­liens Stürm­er­le­gende Chris­tian Vieri beur­teilte in einem Inter­view den Ver­kauf Balo­tellis als bestes Geschäft in der Geschichte des AC Mai­land“, Jour­na­list  Mario Scon­certi kom­men­tierte im Cor­riere della Sera“: Mario macht alle glück­lich wenn er ankommt, und noch glück­li­cher, wenn er den Verein wieder ver­lässt.“ 

Mit nur 24 Jahren hat Mario Balo­telli schon eine Menge erlebt als Fuß­ball­profi. Er spielte für Inter Mai­land, Man­chester City und den AC Mai­land, drei der besten Klubs der Welt. Den Beweis, dass er ein Welt­klas­se­spieler ist, muss er noch erbringen. Der FC Liver­pool bietet ihm eine große Mög­lich­keit. Die Vor­aus­set­zungen sind gut: ein großer Klub, ein her­vor­ra­gender Trainer und eine intakte Mann­schaft. Gelingt die Zusam­men­ar­beit, spielen die Reds“ wieder um den Titel mit. Und aus dem höchst umstrit­tenen Transfer könnte das Schnäpp­chen der Saison“ werden. Ein Rest­ri­siko bleibt den­noch.