Seite 2: Raus aus dem Schatten des Bruders

Dass Inz­aghi, der den Groß­teil seiner Spie­ler­kar­riere im Schatten seines älteren Bru­ders Pippo ver­brachte, nun über­haupt als erfolg­rei­cher Trainer eines Titel­an­wär­ters auf­tritt, ist dabei einem glück­li­chen Umstand geschuldet. Denn nachdem der heute 43-Jäh­rige im April 2016 inte­rims­weise das Amt an der Sei­ten­linie im Stadio di Olim­pico über­nommen hatte, ver­pflich­teten die Römer zur Saison 2016/17 Mar­celo Bielsa als neuen Chef­trainer.

Doch Bielsa wäre nicht Bielsa, wäre er neben seinem tak­ti­schen Genie nicht auch für seine Strei­tes­lust bekannt, die ihn nach nur zwei­tä­giger Amts­zeit auch sein Enga­ge­ment in der ita­lie­ni­schen Haupt­stadt kos­tete. Und so ver­pflich­teten die Römer kur­zer­hand den Mann, dessen Ver­trag sie Wochen zuvor noch aus­laufen ließen – Simone Inz­aghi. Wäh­rend Bielsa seinen Ver­trag kün­digte, nachdem der Verein keine Neu­zu­gänge bis zum Trai­nings­start prä­sen­tiert hatte, gab sich Inz­aghi mit dem zufrieden, was er vor­fand. Mehr noch: Der Ita­liener musste in seiner Amts­zeit die Abgänge von Leis­tungs­trä­gern wie Stefan de Vrij, Keita Balde und Filipe Anderson hin­nehmen.

Wohl­fühl­oase der Unvoll­endeten

Wäh­rend die Klubs aus Mai­land und Turin, aber auch die AS Roma stetig grö­ßere Trans­fer­aus­gaben unter ihren Jah­res­aus­gaben ver­zeichnen, ver­zichtet Lazio auf die ganz großen Trans­fers. Die Mann­schaft Inz­aghis, ist vor allem eines: ein gut har­mo­nie­render Haufen, in dem jeder seine Rolle kennt. Natür­lich pro­fi­tiert Inz­aghi von den Talenten von Roh­dia­mant Milin­kovic-Savic. Der junge Serbe ermög­licht es der Mann­schaft Inz­aghis mit seiner aus­ge­prägten Physis und seiner sau­beren Technik die Bälle im Zen­trum auch bei Geg­ner­druck zu halten und sich aus Druck­si­tua­tionen zu befreien. Nicht selten trägt der zen­trale Mit­tel­feld­spieler die Bälle in Kon­ter­si­tua­tion durch das geg­ne­ri­sche Mit­tel­feld. Doch Inz­aghi kann sich auch der Gelas­sen­heit seiner Rou­ti­niers wie Lucas Leiva, Stefan Radu und Marco Parolo erfreuen.

Und neben talen­tierten Jung­profis und alten Hau­degen wären da auch noch die, deren vor­ge­zeich­neter Weg einst ins Strau­cheln geriet. Denn Lazio scheint sich zu einer Wohl­fühl­oase für die­je­nigen ent­wi­ckelt zu haben, die bei ihren vor­he­rigen Sta­tion Pro­bleme damit hatten, ihr Können unter Beweis zu stellen. Neben Joa­quin Correa, der wäh­rend seiner Zeit in Sevilla munter zwi­schen der Stamm­for­ma­tion und der Bank der Anda­lu­sier wech­selte, zählt auch Felipe Cai­cedo, der einst über zig Leih­sta­tionen 2014 in der fuß­bal­le­ri­schen Bedeu­tungs­lo­sig­keit bei Al-Jazira lan­dete, zum Sturm­per­sonal der Laziali. Mit Luis Alberto kur­belt ein Mann das Offen­siv­spiel der Römer an, der einst über Bar­ce­lona und Sevilla mit großen Hoff­nungen zum FC Liver­pool nach Eng­land wech­selte, um sich im Anschluss daran auch bei zahl­rei­chen Leih­sta­tionen schwer damit schwer tat sein volles Poten­zial zu ent­falten. Und dann wäre da noch der Mann, der wie kein Zweiter für den Erfolg von Lazio steht und der in Deutsch­land lange Zeit als geschei­tert galt – Ciro Immo­bile. Einst wech­selte Immo­bile für großes Geld in den Ruhr­pott. Für Immo­bile ange­sichts der Sprach­schwie­rig­keiten und seines ersten Ver­eins­wech­sels ein wohl leid­volles Inter­mezzo. Doch auch in Sevilla konnte der Ita­liener nicht an die Leis­tungen anknüpfen, mit denen er sich im Trikot des FC Turin in die Notiz­bü­cher der großen Klubs gespielt hatte.

Einige Jahre später hat sich der Ita­liener im Schatten Ronaldos und Lukakus zu einem der treff­si­chersten Tor­jäger Europas ent­wi­ckelt. Seit seinem Wechsel zu Lazio Rom hat der 29-Jäh­rige 112 Tore in 159 Spiele erzielt und 30 Treffer auf­ge­legt. Damit war der Stürmer durch­schnitt­lich in bei­nahe jedem seiner Spiele an einem Tor direkt betei­ligt. Alleine in dieser Saison traf der Ex-Dort­munder in 19 Par­tien 23 Mal.