Seite 2: „Es kann auch kompliziert werden“

Hat Ihnen diese nega­tive Erfah­rung trotzdem in irgend­einer Weise geholfen?
Ja, natür­lich, weil ich wei­terhin an mich geglaubt habe. Dieses Ver­trauen habe ich nicht von anderen bekommen, son­dern nur von mir selbst. Solche Erfah­rungen geben dir Auf­trieb und helfen dir fürs Leben. Im End­ef­fekt sind genau das die Situa­tionen, aus denen du gestärkt her­vor­gehst.

Was hat Julian Nagels­mann, der Trainer der TSG Hof­fen­heim, mit Ihnen gemacht?
Sehr viel, und das nicht nur mit mir. Viel Video­ana­lyse, viel Taktik. Sein Trai­ning ist meist schon auf das Wochen­ende zuge­schnitten, damit jeder weiß, wie und wohin er gehen muss, wann man sich vom Gegner absetzt, wie groß die Abstände sein sollen, welche Räume man zu besetzen hat. Das ist viel zu kom­plex, um das hier mal eben zu erklären.

Ist es manchmal auch zu kom­pli­ziert, um alles zu ver­stehen?
Es kann auch kom­pli­ziert werden, ja. Des­wegen haben manche Neu­zu­gänge anfangs Schwie­rig­keiten bei der TSG, sich ins System rein­zu­finden, aber das ist nicht schlimm. Ich habe auch meine Zeit gebraucht.

Würden Sie sogar sagen: Ohne Nagels­mann wäre ich jetzt nicht hier bei der Natio­nal­mann­schaft?
Das ist schwierig, weil ich nicht weiß, wie ich mich unter einem anderen Trainer in Hof­fen­heim ent­wi­ckelt hätte. Aber man liegt mit dieser Aus­sage ver­mut­lich nicht völlig falsch.

Welche Erwar­tungen ver­binden Sie mit Ihrem Wechsel zu Borussia Dort­mund?
Das kann ich nicht beant­worten, weil ich noch nicht da bin. Aber der BVB hat einige inter­es­sante Neu­ver­pflich­tungen getä­tigt, und wenn jetzt die Leis­tungs­träger bleiben, kann das eine inter­es­sante Kom­bi­na­tion werden. Ich hoffe jeden­falls, dass wir in den nächsten Jahren nach einem Titel greifen können.

Wer hat die Ent­schei­dung für den BVB getroffen: Ihr Bauch oder Ihr Kopf?
Kopf und Bauch. In Dort­mund ent­wi­ckelt sich was, die Mann­schaft spielt richtig guten Fuß­ball und hat bis zum Schluss um die Meis­ter­schaft gekämpft. Wenn du von einem sol­chen Verein eine Anfrage bekommst und dieser Verein auf deiner Posi­tion in der ver­gan­genen Saison ein paar Pro­bleme hatte – dann ist es für mich vom Kopf her der logi­sche Schritt, als deut­scher Natio­nal­spieler dorthin zu wech­seln, da Fuß zu fassen und mög­lichst regel­mäßig zu spielen.

Welche Rolle hat Ihre Natio­nal­mann­schafts­kar­riere bei der Ent­schei­dung gespielt?
Auch eine große. Die Chance, zur Natio­nal­mann­schaft ein­ge­laden zu werden, ist für einen Stamm­spieler von Borussia Dort­mund größer als für einen Stamm­spieler der TSG Hof­fen­heim. Ich weiß, wie viel ich der TSG zu ver­danken habe, aber Dort­mund hat noch mal einen anderen Stel­len­wert in Fuß­ball-Deutsch­land und Fuß­ball-Europa.