James Law­rence, wie lautet Ihr Resümee des ver­gan­genen Wochen­endes?
Die Aktion mit den Regen­bogen-Schnür­sen­keln war ein großer Erfolg. Auf Seiten der Fans und Spieler, aber auch sei­tens der Klubs und Medien gab es erfreu­li­ches Feed­back und – viel wich­tiger – Auf­merk­sam­keit.

Wie­viele Pre­mier-League-Teams trugen denn die Schnür­senkel?
Beim FC Arsenal (3:1 gegen Stoke City), New­castle United (2:3 gegen Hull City) und dem FC Everton (3:2 bei West Ham United) liefen die kom­pletten Mann­schaften mit unseren Schnür­sen­keln auf. Bei meh­reren anderen Teams wie Nor­wich oder Car­diff betei­ligten sich ein­zelne Spieler.

Ihre Aktion dürfte also eine breite Öffent­lich­keit erreicht haben?
Davon gehen wir aus. Viele über­re­gio­nale Zei­tungen, TV- und Radio-Sender haben berichtet. Allein auf Twitter wurde die Kam­pagne 60.000 Mal get­weetet. Mit sämt­li­chen Ret­weets haben wir einer Hoch­rech­nung zufolge eine Vier­tel­mil­li­arde Men­schen erreicht. Das gibt uns Zuver­sicht.

Gary Lineker hatte zuvor ange­kün­digt, die aus­sa­ge­kräf­tigen Schnür­senkel in seiner Sport-Sen­dung zu tragen. Hat er das Ver­spre­chen ein­ge­halten?
Gary hatte im Vor­hinein zuge­sagt, unsere Aktion über die BBC-Show Match of the Day“ zu unter­stützen. Googlen Sie es mal! Soweit ich weiß, hat er sein Ver­spre­chen nicht gebro­chen. New­castles Trainer Alan Pardew fädelte die Schnür­senkel sogar in seine Anzug­schuhe und teilte ein Foto davon im Netz.

Sexua­lität hat für den Sport keine Bewandtnis“, twit­terte Joey Barton vor seinem Spiel für Queens Park. Welche State­ments gab es sei­tens der Spieler aus der Pre­mier League?
Dar­über haben wir uns beson­ders gefreut, denn Joey Barton genießt eine ganz beson­dere Auf­merk­sam­keit in Groß­bri­tan­nien. Phil Jagielka (FC Everton und eng­li­sche Natio­nal­mann­schaft, d. Red.) hat ganz ähn­lich argu­men­tiert: Für uns ist die Sexua­lität eines Spie­lers nicht wichtig. Aber seine Fähig­keiten auf dem Rasen.“ Oder Car­diffs Stürmer Peter Odemwingie! Der hat über Twitter ein Bild seiner Schuhe geteilt und darauf hin­ge­wiesen, dass Fuß­ball ein Spiel für alle“ sei. Solche ein­fa­chen Sätze können oft schon aus­rei­chen.

Wie kam die Aktion im Zen­trum der Homo­phobie, den Fan­blö­cken, an?
Wir hatten eine über­wie­gend igno­rante Hal­tung erwartet, aber die meisten Leute zeigten ehr­li­ches Inter­esse und spra­chen unsere Leute in den Sta­dien an. Die Bereit­schaft, etwas gegen Homo­phobie zu tun, ist also vor­handen!

Warum müssen wir diese Dis­kus­sion dann im 21. Jahr­hun­dert noch führen?
Sie spre­chen mir aus dem Herzen. Wir leben angeb­lich in wirt­schaft­li­cher, gesell­schaft­li­cher und tech­no­lo­gi­scher Fort­schritt­lich­keit. Und akzep­tieren es dann nicht, wenn ein Mensch eine andere Sexua­lität hat, als wir es viel­leicht gewohnt sind? Das ist ver­stö­rend.

Des­wegen setzt sich Stone­wall“ seit einem Vier­tel­jahr­hun­dert für die Rechte von Homo­se­xu­ellen ein. War das letzte Wochen­ende Ihr vor­läu­figer Höhe­punkt?
Das müssen wir dif­fe­ren­zierter betrachten: In den vielen Jahren gab es einige Höhe­punkte wie die Lega­li­sie­rungs­kam­pagne für schwul-les­bi­sche Hoch­zeiten. Aber wenn wir jetzt mal nur vom Bereich Sport“ aus­gehen, war das zwei­fels­ohne ein High­light für Stone­wall. Idea­ler­weise greifen die Höhe­punkte der ein­zelnen Sege­mente irgend­wann inein­ander – für eine grö­ßere Tole­ranz im ganzen Land.

Was könnte man am Set­ting Sta­dion“ ändern, um Tole­ranz zu schaffen?
An diesem fest­ge­fah­renen Event lässt sich nichts ändern – und das wollen wir auch nicht. Da muss bei der Gesell­schaft ange­setzt werden, bes­ten­falls bei ihren emp­fäng­lichsten Mit­glie­dern: Den Kin­dern. Für die muss Homo­se­xua­lität eine nor­male Sache sein. Wenn wir das Mob­bing an den Schulen ein­grenzen, haben wir in zwei bis drei Genera­tionen eine flä­chen­de­ckende Tole­ranz für Homo­se­xu­elle geschaffen.

Der erste beken­nende schwule Pro­fi­fuß­baller Eng­lands, Justin Fas­hanu, nahm sich 1998 das Leben. Hat sich seit dieser Tra­gödie etwas getan?
Das Schicksal dieses mutigen Jungen ist ein Drama. Sein Tod war ein Nacken­schlag für unsere Absichten. Die Into­le­ranz für Homo­se­xua­lität hat das hier­zu­lande aber nicht merk­lich ein­ge­grenzt. Ein paar der Idioten fühlten sich in ihrem Mob­bing eher bestä­tigt.

Eng­lands Fuß­baller sind einem Coming-out also auch nicht näher als deut­sche?
Ich kenne die Situa­tion in Deutsch­land nicht gut und kann es des­wegen kaum beur­teilen. Fakt ist: Die Wahr­schein­lich­keit, dass es unter allen Pre­mier-League-Spie­lern keinen ein­zigen Homo­se­xu­ellen gibt, liegt bei weit unter einem Pro­zent.

Es ist also ziem­lich unwahr­schein­lich.
Das muss ich wohl kaum betonen. Wir enga­gieren uns, um den Fuß­ball eines Tages als sexuell tole­rante Umge­bung vor­zu­finden. Wenn sich ein Spieler outen will, soll er das dank der Unter­stüt­zung des Ver­eins und der Fans beden­kenlos tun können. Denn eines ist erwiesen: Wenn Men­schen offen sein können, wer und wie sie sind, dann leisten sie auch mehr.