John Stan­combe, was fas­zi­niert Sie am Ama­teur­fuß­ball? 

In meiner Jugend war ich von Fan von Wim­bledon. Doch die Spiel­be­suche im Pro­fi­fuß­ball wurden zu anstren­gend. Gerade die An- und Abreise ist tur­bu­lent und hek­tisch. Die Polizei schiebt einen förm­lich zur Bahn. Das läuft im Ama­teur­be­reich ent­spannter ab. Ich konnte schließ­lich schon in meiner Jugend nur sehr schlecht sehen.

Sie waren also nicht von Geburt an blind? 

Ich war seh­be­hin­dert, mein rechtes Auge hatte mehr Seh­kraft als das linke. Ich konnte lesen und schreiben. Doch wenn ich las, dann musste ich das Buch sehr nah an meine Nase halten. Die Fuß­ball­spiele ver­folgte ich durch ein Mon­okel. Aber immerhin ver­band ich meine Lei­den­schaft für unter­klas­sigen Fuß­ball mit dem Schreiben. Im Jahr 1986 fing ich mit dem Groundhoppen an und notierte alle meine Spiele in einem kleinen Heft. Als ich 18 Jahre alt war, kam der Vor­sit­zende eines Klubs aus der Nach­bar­schaft zu mir und bot mir einen Job an.

Was sollten Sie tun? 

Ich sollte mich um die Spiel­tags­ma­ga­zine küm­mern. Sie können sich nicht vor­stellen, wie ich mich dar­über gefreut habe. Es war das Jahr 1988 und so ein Magazin zu erstellen noch eine sehr auf­wen­dige Arbeit. Es gab kein Internet. Später arbei­tete ich auch für andere Klubs und gab eine Art Pres­se­se­kretär beim Ver­band, indem ich die Ergeb­nisse abte­le­fo­nierte. Ich hätte das gerne ewig so weiter gemacht, doch 2004 ließ meine Seh­kraft auf dem rechten Auge nach. Bei der fol­genden Ope­ra­tion kam es zu Kom­pli­ka­tionen und ich erkannte fast gar nichts mehr. Seit 2006 bin ich kom­plett blind.

Haben Sie sei­ner­zeit mit dem Groundhop­ping pau­siert? 

Natür­lich nicht. Ich konnte doch nicht nur zu Hause sitzen und mich selbst bemit­leiden. Ich war bis dahin mein ganzes Leben zum Fuß­ball gegangen. Und alles, was ich beruf­lich bis dahin getan hatte, war: über meine Reisen und die Spiele zu schreiben. 

Sie fahren durchs ganze Land. Wie schaffen Sie es, zu den Plätzen zu kommen? 

Mon­tags gehe ich die Par­tien für das kom­mende Wochen­ende durch. Da erkenne ich, welche Plätze mir noch fehlen. Der­zeit sind bei mir bis zur zehnten Liga viel­leicht noch 50 offen. Ich rufe bei den jewei­ligen Ver­einen an und frage, ob sie mir helfen können. Ich brauche schließ­lich immer jemanden an meiner Seite, der die Spiele für mich kom­men­tiert und das Sta­dion beschreibt.

Wie reagieren die Klubs? 

Die meisten sind sehr hilfs­be­reit. Nur einmal mel­dete sich nie­mand bei mir zurück. Der Grund: Ich hatte am 1. April ange­rufen. Als ich den Klub­se­kretär am Spieltag traf, meinte er: Sorry, ich dachte, meine Kum­pels wollten mich ver­ar­schen.“ Ich kann das ver­stehen, schließ­lich kommt es nicht häufig vor, dass ein Blinder 200 Kilo­meter anreist, um ein Spiel in der siebten Liga zu sehen.

Wie orga­ni­sieren Sie Ihre Anreise?
Der Klub nennt mir die nächst­ge­le­gene Hal­te­stelle und schickt am Spieltag jemanden, der mich dort abholt. Danach tele­fo­niere ich mich durch die jewei­ligen Zug­be­treiber auf der Strecke. Ich lebe in Lowestoft, der am wei­testen im Osten gele­genen Stadt in Groß­bri­tan­nien. Das ist nicht gerade ideal für die Reisen, nach London allein brauche ich drei Stunden. Manchmal muss ich vier Mal umsteigen. Aber die Zug­be­gleiter sind sehr zuvor­kom­mend. Ich setze mich mit meinem Hund immer ins erste Abteil, dort werde ich dann abge­holt und zu meinem nächsten Zug gebracht.