Philipp Gauch
(Genera­tion Luzifer/​Ultras Kai­sers­lau­tern)

Das ist ganz schlechtes Kino!“

Der DFB hat zum wie­der­holten Male die Chance vertan, mit den Fans zu spre­chen, anstatt immer nur über sie. Man hätte ver­su­chen müssen, die Pro­bleme gemeinsam anzu­gehen. Kri­tisch zu beur­teilen ist der Ver­weis auf UEFA oder FIFA, die den Ein­satz von Pyro­technik angeb­lich unter­sagen. Dann dürfte es in anderen Län­dern, wie etwa in Öster­reich, auch kein Pyro geben. Inter­es­sant ist auch, dass sich der DFB in keiner Weise vor seine Ange­stellten stellt, die damals die Gespräche mit den Fans geführt haben. Das ist ganz schlechtes Kino! Wir müssen in den nächsten Wochen bespre­chen, wie es mit der Kam­pagne wei­ter­gehen wird. Ich denke, die Gruppen werden auch zukünftig nicht auf Pyro­technik ver­zichten.“

Ansgar Brink­mann
(Ex-Spieler, früher u.a. Arminia Bie­le­feld, Ein­tracht Frank­furt)

Pyro­technik gehört zum Fuß­ball.“

Wenn ich früher ins Sta­dion ein­lief und in den Kurven die ben­ga­li­schen Feuer brennen sah – mein lieber Mann, das war ein toller Anblick. Das hatte Flair, Atmo­sphäre. Als Spieler wusste ich: Hier pas­siert heute Abend was. Pyro­technik gehört für mich seitdem irgendwie zum Fuß­ball. Aller­dings kann ich auch die heu­tigen Sicher­heits­be­denken ver­stehen. Daher plä­diere ich für ein Abbrennen von Pyro­technik unter Auf­sicht von Experten, zum Bei­spiel der Feu­er­wehr. So könnte auch ver­mieden werden, dass Böller und Raketen aufs Spiel­feld geschossen werden oder sich Fans ver­letzen. In der Hin­sicht sollte der DFB sich öffnen.“

Jonas Gabler
(Fanforscher/​Autor, u.a. Die Ultras. Fuß­ball­fans und Fuß­ball­kul­turen in Deutsch­land“)

Der DFB hat den Dialog plötz­lich beendet: Ein Fehler!“

Der Ver­band hat den großen Fehler gemacht, den Dialog abzu­bre­chen. Nach ver­schie­denen per­so­nellen Wecheln – unter anderem dem Weg­gang von Helmut Spahn – haben sich beim DFB nun scheinbar Mit­glieder durch­ge­setzt, die einen dog­ma­ti­scheren Kurs fahren. Ein erstes Zei­chen dafür ist die Dis­kus­sion um den mög­li­chen Aus­schluss Dynamo Dres­dens vom DFB-Pokal. Eine unschöne Ent­wick­lung ist es, dass im Fahr­wasser nun Funk­tio­näre schwimmen, die diese Dis­kus­sion nutzen, um andere Inter­essen durch­zu­setzen. Sie plä­dieren etwa für höhere Ticket­preise oder den kom­pletten Aus­schluss von Ultras. Was bei all der Hys­terie leider ver­gessen wird, ist die Tat­sache, dass das momen­tane Abbrennen – Beto­nung auf Abbrennen – von Pyro­technik auch eine bewusste Reak­tion auf die plötz­liche Been­di­gung des Dia­logs sei­tens des DFB ist.“

Ben Vogt
(Fan­be­auf­tragter von Ein­tracht Frank­furt)

Das Thema wird damit nicht erle­digt sein“

Ich finde es sehr ent­täu­schend, dass Fan­be­auf­tragte bei dieser Ent­schei­dungs­fin­dung über­haupt keine Rolle spielen. Wir sind die­je­nigen, die sich jedes Wochen­ende und auch jede Woche mit dem Thema und den Fans beschäf­tigen, aber so wie es aus­sieht, sollen wir nicht dabei sein. Das stößt mir bitter auf. Es wird immer vom Dialog mit den Fans gespro­chen, aber im Moment kann ich nicht erkennen, wo dieser statt­findet. Bei den Fans kommt diese Ent­wick­lung sicher­lich nicht gut an. Das Thema wird damit nicht erle­digt sein.“

Hans-Jörg Som­mer­feld
(Pres­se­spre­cher Lan­desamt für Zen­trale Poli­zei­liche Dienste Nord­rhein-West­falen / Zen­trale Infor­ma­ti­ons­stelle Sport­ein­sätze)

End­lich herrscht Klar­heit für alle Betei­ligten“


Die ZIS begrüßt die Ent­schei­dung von DFL und DFL. Damit herrscht end­lich Klar­heit für alle Betei­ligten. Aus poli­zei­li­cher Sicht haben wir Pyro­technik in grö­ßeren Men­schen­mengen aus Gründen der Gefah­ren­ab­wehr schon immer abge­lehnt.“

Volker Goll

(Koor­di­na­ti­ons­stelle Fan­pro­jekte)

Das Anliegen der Pyro­technik-Kam­pagne ist unter­ge­gangen“

Bei der ganzen Auf­re­gung geht bedau­er­li­cher­weise unter, wel­ches Anliegen das Kon­zept die Pyro­technik-Lega­li­sieren-Initia­tive im Kern hatte. Die Fan­bündnis ver­trat einen beein­dru­ckend großen Teil aktiver Szenen, denen es im ersten ange­strebten Schritt um Fol­gendes ging: Tests an aus­ge­wählten Stand­orten durch­zu­führen, unter Berück­sich­ti­gung gel­tenden Rechts und dies­be­züg­li­chen Bestim­mungen. Das damit ein­her­ge­henden Mit­ein­ander hätte zu mehr Sicher­heit im Sta­dion bei­getragen, weil Fans selbst Mit­ver­ant­wor­tung dafür über­nommen hätten. Inzwi­schen gibt es viele Ultra­szenen, die eben kein Inter­esse an Gefähr­dung von Sta­di­on­be­su­chern durch Böller oder Rauch­bomben haben. Es gibt keine Alter­na­tive zum Dialog, dabei macht es aus unserer Sicht wenig Sinn in soge­nannte echte oder fal­sche Fans zu unter­scheiden.“

Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft der Fan­pro­jekte (BAG)

Pres­se­er­klä­rung

Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft der Fan­pro­jekte mahnt zur Sach­lich­keit

Mit Besorgnis beob­achtet die Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft der Fan­pro­jekte (BAG) die der­zei­tige Medi­en­de­batte um eine angeb­liche Aus­ufe­rung der Gewalt bei und im Umfeld von Fuß­ball­spielen. Durch die enge Arbeit mit jungen Fuß­ball­fans und den direkten Kon­takt in die lokalen Fan­szenen ist es den Mitarbeitern/​innen der Fan­pro­jekte mög­lich, aktu­elle Ent­wick­lungen und Stim­mungen zu regis­trieren und darauf ange­messen zu reagieren.

Die BAG ver­folgt mit Sorge die momentan aus­ufernde Dis­kus­sion über die angeb­liche Gewalt­zu­nahme im Rahmen von Fuß­ball­spielen. Ver­treter von DFB und DFL, aus Politik und Gesell­schaft und die Polizei erwe­cken in ihren Aus­füh­rungen den Ein­druck, dass der Besuch eines Fuß­ball­spiels zwangs­läufig mit einer Gefähr­dung der eigenen Gesund­heit und der Unver­sehrt­heit des eigenen Leibes ver­bunden ist. Die aktu­elle Bericht­erstat­tung in den Medien führt zu einer Hys­terie und geht völlig am Ziel einer sach­ge­rechten und objek­tiven Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Thema der Gewalt beim Fuß­ball vorbei. In der öffent­li­chen Wahr­neh­mung wird ein Bild ver­fes­tigt, das nicht den Tat­sa­chen ent­spricht und in dem bspw. die Ver­wen­dung von Pyro­technik pau­schal mit Gewalt“ und Ran­dale“ gleich­ge­setzt wird, und die Ultra-Grup­pie­rungen als allei­nige Ver­ant­wort­liche für die aktu­elle Lage dar­ge­stellt werden. Durch eine solche Sip­pen­haft ein­zelner Gruppen sowie die undif­fe­ren­zierte Bericht­erstat­tung, die in weiten Teilen popu­lis­ti­sche Züge ange­nommen hat, kommt man dem Ziel der Ver­rin­ge­rung der Gewalt beim Fuß­ball keinen Schritt näher. Viel­mehr steigt die Gefahr, dass durch die Dar­stel­lung fal­scher Tat­sa­chen und die Panik­mache in vielen Pres­se­be­richten, die Gewalt im Umfeld des Fuß­balls noch weiter ansteigt und sich die Fronten weiter ver­härten.

Die BAG for­dert bei der der­zei­tigen Dis­kus­sion eine Rück­kehr zu einer sach­li­chen und objek­tiven Bericht­erstat­tung und Debatte. Es sollte sich an sach­liche Argu­mente und an Fakten gehalten werden. Dra­ma­ti­sie­rungen und Hys­terie führen nicht zum Ziel, eher wirken sie sich kon­tra­pro­duktiv aus. Unab­ding­bare Vor­aus­set­zung aus Sicht der BAG ist, dass es (wei­terhin) einen Dialog mit den (betrof­fenen) Fußballfans/​Ultras gibt. Nur durch den offenen und ehr­li­chen Aus­tausch mit dieser Gruppe ist es mög­lich, aktu­elle Mei­nungen und Ent­wick­lungen aus den Fan­kurven zu regis­trieren und gemeinsam Lösungs­an­sätze zu ent­wi­ckeln, die ziel­füh­rend und nach­haltig scheinen. Hierzu gehören Ver­band und Liga mit den Fans/​Ultras und deren Orga­ni­sa­tionen an einen gemein­samen Tisch. Die Fan­pro­jekte werden diesen Dialog gern auf den Weg bringen, mode­rieren und begleiten. Nach Ansicht der BAG ist nur über den Weg der Kom­mu­ni­ka­tion und des Dia­logs das Ziel zu errei­chen, hinter dem alle Fuß­ball­fans stehen/​stehen sollten: Weniger Gewalt beim Fuß­ball.

i.A. Mat­thias Stein

BAG Spre­cher