Akti­ons­namen wie Gewalt halt!“, Begriffe wie Gewalt­prä­ven­tion“ und die sport­li­chen Grüße des Ber­liner Fuß­ball-Ver­bandes können berech­tigte Ängste vor einer nahenden Moral­keule schüren, wäh­rend der Thea­ter­zu­schauer im Foyer auf den Anpfiff von Final Count­down“ wartet. Die Hoff­nungen, dass kein erho­bener Zei­ge­finger durch den Abend führt, ruhen auf dem jungen Ensemble des Theater im Palais und den dra­ma­tur­gi­schen Strip­pen­zie­hern des Regie­teams zweite reihe“. Und tat­säch­lich stellen sich die anfäng­li­chen Zweifel schnell als unbe­rech­tigt heraus.

Eine Umklei­de­ka­bine wird für die nächste Stunde Schau­platz vieler Epi­soden sein, die schlag­licht­artig ver­schie­dene Facetten von Gewalt im Fuß­ball beleuchten. Nor­ma­ler­weise muss die Öffent­lich­keit draußen bleiben, wenn sich Spieler und Trainer an diesen Ort zurück­ziehen, aber in Final Count­down“ dürfen und sollen die Zuschauer genau hin­schauen. Hier, im Hin­ter­zimmer des Fuß­balls, wird die Fratze der popu­lärsten aller Sport­arten aus- und in Frage gestellt. Und über sie gelacht.

Obwohl das über­ge­ord­nete Thema Gewalt ist, bietet das Stück immer wieder Grund zum Lachen. Doch es ist nie­mals platter Schen­kel­klopf­humor, son­dern meist eher Real­sa­tire, die hier den Zuschauer zum Lachen ermu­tigt. Die Dar­stel­lung des Absurden, das oft eigent­lich das Reale ist, ver­ur­sacht, dass sich die Leute ab und zu ver­stohlen umschauen und ver­si­chern, ob nun wirk­lich gelacht werden darf.

Beson­ders ver­bale Gewalt spielt in Final Count­down“ eine große Rolle. Da wird in einem Moment das Zuspiel eines Spie­lers als Schwuch­tel­pass“ bezeichnet und im nächsten klar­ge­stellt, dass man Schwuch­tel­pass“ nicht sagen dürfe, denn das sei schließ­lich Dis­kri­mi­nie­rung, du Spast“. Der ver­meint­lich poli­tisch kor­rekte Ver­bes­serer ent­larvt sich damit selbst und zeigt, wie wichtig es ist, sich erst einmal an die eigene Nase zu fassen, bevor mit dem Finger auf andere gezeigt wird.

Das­selbe gilt für eine Szene, in der die Spieler sich in ver­schie­denen Spra­chen gegen Ras­sismus stark machen. Nün züm Rüs­süsmüs“, rufen sie in ast­reinem Tür­kisch und unter­graben einmal mehr die eigenen Parolen.