Einmal, direkt vor Beginn der Pres­se­kon­fe­renz, waren sie dann doch etwas ver­wirrt. Wer sollte auf dem Podium wo genau sitzen? Werner Gegen­bauer, der Prä­si­dent, in der Mitte? Oder doch Geschäfts­führer Michael Preetz, der von Jürgen Klins­mann noch am Abend zuvor als ein­ziger auch nament­lich ange­gangen worden war? Nach kurzer Bespre­chung mit Her­thas Pres­se­spre­cher ent­schieden sich die Ver­ant­wort­li­chen – viel­leicht zufällig, viel­leicht nicht – für die sym­bol­träch­tigste aller Vari­anten: Investor Lars Wind­horst setzte sich in die Mitte. Ein­ge­rahmt wurde er von den beiden Män­nern, die in der Presse zuletzt noch zu seinen Gegen­spie­lern hoch­sti­li­siert worden waren. Seht her, sagte dieses Bild, der Lars, er gehört zu uns!

Wind­horst ist bisher zufrieden

Auch danach demons­trierten die Hertha-Ver­ant­wort­li­chen und Investor Wind­horst Geschlos­sen­heit. Es gäbe ein­deutig mit­ein­ander abge­spro­chene Ziele (erst Klas­sen­er­halt, dann Europa League, dann Cham­pions League, dann Meis­ter­schaft, dann Welt­herr­schaft) und alle würden mit Hoch­druck an der Umset­zung dieser arbeiten. Wind­horst – zuge­knöpftes Hemd, Kra­watte, 3,95 Euro schwerer Hertha-Anste­cker am Jacket, ins­ge­samt aber 224 Mil­lionen leichter als noch vor acht Monaten – sagte, er sei bisher zufrieden mit der Ent­wick­lung des Ver­eins. Weil, so die Begrün­dung, Manager Preetz im Winter für mehr Geld Spieler ein­ge­kauft hatte als jeder andere Manager im Welt­fuß­ball. 

Preetz wie­derum – auf­ge­knöpftes Hemd, Pull­over, kein Hertha-Anste­cker, zuletzt öffent­lich in die Rolle des Brem­sers gepresst worden – betonte, wie ambi­tio­niert er selber sei. Natür­lich träume ich von der Deut­schen Meis­ter­schaft und von der Cham­pions League“. Und Gegen­bauer – schrille Kra­watte, Hertha-Anste­cker am Jacket, lässig-schnodd­riger Abkotz-Ein­stieg – berich­tete, dass trotz des über­ra­schenden Klins­mann-Rück­tritts nie Chaos aus­ge­bro­chen sei. Son­dern nach wie vor überaus ver­trau­ens­voll mit­ein­ander gear­beitet werden würde.

Klins­mann hat richtig Mist gebaut

Was sie nicht sagten, was beim ersten gemein­samen öffent­li­chen Auf­tritt der drei (Wind­horst hatte sich bis heute auf keiner Pres­se­kon­fe­renz gezeigt) aber immer deut­li­cher wurde: Der Rück­tritt von Jürgen Klins­mann könnte für Hertha trotz des PR-Desas­ters auf Strecke ein Glücks­fall sein. Denn selbst wenn es – die Bericht­erstat­tung der ver­gan­genen Monate legt diese Ver­mu­tung zumin­dest nahe – einen Graben zwi­schen der alten Garde (Gegen­bauer, Preetz) und Wind­horst gab, so hat Klins­mann mit seinem Allein­gang am Dienstag seinen Ex-Ver­bün­deten Wind­horst quasi zum Sprung auf die andere Seite gezwungen. Anders aus­ge­drückt: Es gibt jetzt etwas, auf das sich die drei bedin­gungslos einigen können: Jürgen Klins­mann hat richtig Mist gebaut.