Sou­leyman Sané, Ihr Sohn hat ges­tern ein Traumtor gegen Welt­meister Iker Cas­illas geschossen: mit links aus 18 Metern in den Winkel. Hat er das von Ihnen?
Ganz und gar nicht. Gucken Sie sich mal alte Video­auf­nahmen von mir an, ich habe nie Tore aus so großer Ent­fer­nung geschossen. Das konnte ich gar nicht. (Lacht.)
 
Er guckt sich also keine alten VHS-Tapes von Ihnen an?
Nein. Er hat noch nicht mal ein Trikot von mir geschweige denn Fotos aus meiner Profi-Zeit. Aber das ist okay, er soll sich seine Vor­bilder selber aus­su­chen. Seine Stars heißen Lionel Messi oder Cris­tiano Ronaldo. Spieler, die Traum­tore schießen und Traum­pässe geben. Ich war ja eher der schnelle Kon­ter­stürmer.
 
Wie dürfen wir uns Ihre Reak­tion auf das Traumtor vor­stellen? Sind Sie durch die Woh­nung gesprungen?
Ach, nein. Dafür bin ich nicht der Typ. Ich habe mich natür­lich für ihn gefreut, aber letzt­end­lich ist Fuß­ball sein Job, und den hat er ges­tern ganz gut gemacht – so wie alle Spieler. Wenn sie so im Hin­spiel auf­ge­treten wären, stünden sie nun im Vier­tel­fi­nale.
 
Sie klingen sehr nüch­tern.
Wissen Sie, wir spre­chen fast nie über Fuß­ball. Ich habe auch noch nie ein Pro­fi­spiel von ihm live gesehen, weil ich immer was anderes zu tun hatte. Und auch dieses Mal habe ich noch gar nicht mit ihm tele­fo­niert, denn ver­mut­lich würde ich eh nicht durch­kommen.
 
Sie wissen also nicht, ob Real Madrid ihm schon ein Angebot unter­breitet hat?
Das kann natür­lich sein, aber da müssen Sie in Madrid anrufen. (Lacht.) Im Ernst: Er hat jetzt sein erstes Cham­pions-League-Spiel gemacht, das war ganz gut, doch er muss sich weiter beweisen. Und vor allem muss er auf dem Boden bleiben.
 
Tut er das?
Ich denke schon.
 
Im November 2014 baute er mit einer Mer­cedes C‑Klasse einen Unfall. Er war gerade 18 Jahre alt.
Ich fand es auch nicht gut, dass er sich so ein Auto zulegte – kurz nachdem er seinen Füh­rer­schein gemacht hatte. Aber er muss aus Feh­lern lernen. Und er muss von Älteren lernen. Man darf auch nicht ständig die Genera­tionen ver­glei­chen. Früher haben wir auch Fehler gemacht. Ich bin auch mit einem dicken Por­sche von Nürn­berg nach Wat­ten­scheid gefahren, und dort haben die Leute erst mal ver­wirrt geguckt. Da habe ich gemerkt, dass ich viel­leicht ein biss­chen mehr Demut zeigen sollte.
 
War Ihr Sohn eigent­lich nervös, als er erfahren hat, dass er mit nach Madrid fährt?
Mir sagte er, dass er das Spiel ganz locker angeht.
 
Cham­pions League, 50.000 Zuschauer im Ber­nabeu Sta­dion, Cris­tiano Ronaldo, Gareth Bale – das geht ein 19-Jäh­riger ganz locker an?
Hat er jeden­falls gesagt. Aber ich wusste natür­lich, dass er ein wenig die Hosen voll hat. Zumin­dest wird er Gän­se­haut gehabt haben, als er aufs Feld lief – da kann er mir erzählen, was er will. (Lacht.)