Seite 2: „Das zieht viele Althauer an“

Sie meinen die Messer-Attacke auf einen Babels­berg-Fan. Wie ist der aktu­elle Erkennt­nis­stand?
Am S‑Bahnhof Babels­berg griffen BFC-Fans Babels­berg-Anhänger an. Bei den Aus­ein­an­der­set­zungen wurde ein Babels­berger mit einer Stich­waffe ver­letzt. Ver­mut­lich mit einem Messer, viel­leicht auch mit einer Schere oder einer zer­bro­chenen Fla­sche. Es ging alles sehr schnell, und die Situa­tion war sehr unüber­sicht­lich. So nahm die Polizei auch keinen der BFC-Fans fest, son­dern schickte sie mit der S‑Bahn in die Stadt. Ein Zugang zum Bahn­steig wurde min­des­tens eine halbe Stunde gespert. Wir arbeiten den Vor­fall noch auf.
 
Babels­berg 03 spielt in der Regio­nal­liga Nordost. Wie häufig sind solche Vor­fälle?
Gegen die Großen kommt es immer mal wieder zu Zwi­schen­fällen. Etwa letzte Saison gegen Hertha BSC II, als sich einige Aus­wärts­fans deut­lich rechts­ra­dikal geäu­ßert haben, wor­aufhin der Klub sich davon in einer öffent­li­chen Stel­lung­nahme distan­zierte. Auch der 1. FC Mag­de­burg oder Lok Leipzig in der letzten Saison boten natür­lich Kon­flikt­po­ten­zial. Den ver­suchten Blocks­turm der Lok-Fans habe ich ja schon erwähnt. Letzte Saison pro­bierten Mag­de­burg-Hools den Platz zu stürmen, um zu unseren Fans zu gelangen. Das Karl-Lieb­knecht-Sta­dion bietet ideale Vor­aus­set­zungen für solch eine Kli­entel.
 
Sie meinen, die Babels­berg-Fans bieten ein ideales Feind­bild?
Klar, hier können sie end­lich mal gegen all die Linken vor­gehen, die sich der alten Mär Fuß­ball ist Fuß­ball, und Politik ist Politik“ wider­setzen. Aber auch das Sta­dion trägt seinen Teil dazu bei: Hier gibt es eine gute Akkustik und ein recht hohes Zuschau­er­auf­kommen. Außerdem hat das KarLi einen der schönsten Aus­wärts­blöcke Deutsch­lands. Das zieht viele Alt­hauer an.
 
Klingt nicht nach ent­spannten Fuß­ball­nach­mit­tagen.
Dieser Ein­druck sollte nicht ent­stehen. Denn wir spre­chen hier von zwei oder drei Spielen pro Saison. Wenn Babels­berg auf klei­nere Ver­eine trifft, ist es immer total ent­spannt. Gegen den Ber­liner AK, Vik­toria Berlin oder VFC Plauen, ZFC Meu­sel­witz oder die TSG Neu­stre­litz ist noch nie was pas­siert.

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Alex­ander Bosch ist einer von zwei Mit­ar­bei­tern des Babels­berger Fan­pro­jekts der Stif­tung SPI. Laut Selbst­be­schrei­bung setzt sich das Fan­pro­jekt sowohl mit dem freud­vollem Cha­rakter des Fuß­ball­sports aus­ein­ander als auch mit dessen Schat­ten­seiten. Ein Schwer­punkt liegt beson­ders auf den im Fuß­ball ver­brei­teten Dis­kri­mi­nie­rungs­formen wie Sexismus, Homo­phobie oder Ras­sismus.“