11FREUNDE am Morgen

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Immer eine Frage der Per­spek­tive. Hätte man den Anhän­gern der Frank­furter Ein­tracht vor der Saison gesagt, dass am Ende die Qua­li­fi­ka­tion zur Europa League stünde, hätte wohl jeder Fan freudig reagiert. Kon­stant oben mit­zu­spielen, mit klei­nerem Etat als Bayern, Wolfs­burg, Dort­mund und Leipzig, ist nach wie vor für die Ein­tracht nicht selbst­ver­ständ­lich. Und doch geriet die gest­rige Pres­se­kon­fe­renz vor dem letzten Heim­spiel gegen Frei­burg bei­nahe zum großen Scher­ben­ge­richt. Der nach Glad­bach abwan­dernde Coach Adi Hütter recht­fer­tigte sich, als sei er gerade abge­stiegen. Auch bei mir ist die Ent­täu­schung noch immer sehr groß, dass wir es gemeinsam nicht geschafft haben, etwas His­to­ri­sches zu voll­bringen. Das wäre der Platz in der Cham­pions League gewesen“, sprach er mit gedämpfter Stimme. Ich bin genauso ent­täuscht wie sehr viele andere Men­schen auch“.

Und das ist ihm, bei aller Feind­se­lig­keit, die ihm in den letzten Wochen ent­ge­gen­ge­schlagen ist, auch abzu­nehmen. Denn die Nie­der­la­gen­serie, mit der die Ein­tracht sieben Punkte Vor­sprung auf den BVB und ihre Chance auf die Königs­klasse ver­spielte, ver­darb Hütter am Ende auch ein wenig die her­aus­ra­gende Gesamt­bi­lanz. Denn man sollte nie ver­gessen, dass Hütter ein schweres Erbe antrat. Niko Kovac hatte der Ein­tracht mit dem Pokal­sieg einen großen Tri­umph, seinem Nach­folger aber auch eine schwere Bürde hin­ter­lassen. Aber Hütter meis­terte die Her­aus­for­de­rung, trans­for­mierte den agres­siven Kon­ter­fuss­ball seines Vor­gän­gers in ein sta­bi­leres System und eta­blierte die Ein­tracht als eine Art erster Ver­folger der Spit­zen­gruppe.

Unbe­stritten, dass Hütter seinen Weg­gang besser hätte orches­trieren können. Und unglück­lich, dass sich nahezu zeit­gleich auch noch Fredi Bobic vom Acker machte. Aber Hütter ist ein ver­dienst­voller Trainer, wie ihn sich die Ein­tracht in den letzten Jahren keinen bes­seren hätte wün­schen können.

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Grund­aus­bil­dung Design

Neue Designs. Ange­sichts der etwas dröge aus­lau­fenden Saison wenden sich die Anhänger des FC Bayern den wirk­lich wich­tigen Dingen zu, näm­lich der Frage, wie denn das neue Pre match“-Trikot des FC Bayern aus­sieht. Das wurde näm­lich ges­tern geleakt, ver­öf­fent­licht, was weiß ich. Auf jeden Fall ist das Design ein wenig gewöh­nungs­be­dürftig, je nach Licht­ein­fall gemahnt es ent­weder an den Flecktarn eines Rekruten in der Grund­aus­bil­dung oder an die Sitze der Ber­liner U‑Bahn. Trötz­lich ist aber zu wissen, dass sich die Desi­gner schon in der Ver­gan­gen­heit nicht all­zu­viel Mühe gaben. Mal ließen sie sich von einer EKG-Nadel inspi­rieren, mal ver­zich­teten sie ganz auf Gestal­tung, mal ließen sie offenbar den VHS-Kurs Abs­trakte Malerei“ an die Tri­kots. Inso­fern fast ein Fort­schritt.

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Pokale, Pokale

Schwer­ge­wicht. Ges­tern spaßte ich ein biss­chen über die Größe des Pokals, den der Meister der slo­we­ni­schen Liga über­reicht bekommt. Aber nach dem Anblick der Tro­phäe, die Juventus für den Sieg im End­spiel der Coppa Italia gegen Ata­lanta Ber­gamo über­reicht bekam, möchte ich mit Cro­co­dile Dundee sagen: Das ist doch kein Pokal. DAS ist ein Pokal!“ Es war übri­gens das erste Mal seit 2018, dass Juve wieder Pokal­sieger wurde. Außerdem war es das letzte Spiel von Gian­luigi Buffon für den Klub. Auf­hören will der Keeper auch im betagten Alter von 43 Jahren noch nicht. Er gab bekannt, er suche nun einen ver­rück­teren Ver­rückten“ als sich, der ihn nochmal unter Ver­trag nimmt.

Zitat des Tages

Zual­ler­erst müssen wir unsere Haus­auf­gaben in Bremen erle­digen, aber wir sind auf ein pas­sendes Ergebnis in Berlin ange­wiesen. Wenn das nicht stimmt, dann haben wir ein Pro­blem“

Marco Rose kann sich beim Kampf ums europäische Geschäft nicht nur auf die eigene Stärke verlassen
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Ehren­sache

Wette ver­loren. Warum der Prä­si­dent und der Coach des por­tu­gie­si­schen Erst­li­gisten Santa Clara in Kuh-Kos­tümen zur Pres­se­kon­fe­renz erschienen? Die beiden hatten für den Fall der Qua­li­fi­ka­tion für die UEFA Con­fe­rence League ver­spro­chen, als Rinder ver­kleidet vor der Presse auf­zu­kreuzen. Eine stim­mungs­volle Remi­nis­zenz an die Her­kunft des Klubs von den Azoren, der Heimat der glück­li­chen Milch­kühe.

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Feh­lende Moti­va­tion

Fal­sche Prio­ri­täten. Die Absage von Marco Reus traf bun­des­weit auf großes Ver­ständnis. Halbfit zu einem Tur­nier zu reisen, um anschlie­ßend wieder über Monate dem Klub zu fehlen, macht wenig Sinn. Erstaun­lich, dass sich trotzdem jemand fand, der Reus der Weh­lei­dig­keit zieh, näm­lich Lukas Martin von t‑online“. Der schrieb: Ein ganzes Heer von Profis würde auf Krü­cken nach Mün­chen hum­peln, um beim ersten Spiel dabei zu sein. Gegen Frank­reich. Den Welt­meister“ und schloss markig: Es ist die EM, ver­dammt nochmal!“. Und da hat er ja recht. Es ist tat­säch­lich nur die EM, ver­dammt nochmal. Ich erin­nere in diesem Zusam­men­hang immer gerne an René Adler, der kurz vor Ende seiner Kar­riere mal zu mir sagte, sein großes Ziel sei ange­sichts des kör­per­li­chen Ver­schleiß’ als Pro­fi­fuss­baller mit 40 Jahren noch schmerz­frei mit dem Nach­wuchs im Park Fuß­ball spielen zu können. Und das wün­schen wir Marco Reus auch.

Der täg­liche Fried­helm. Auch am Don­nerstag hat Kölns Trainer Funkel mal wieder über die Teil­nehmer des Abstiegs­kampfes und deren Gegner phi­lo­so­phiert. Diesmal waren die Gld­ba­cher dran, die in Bremen antreten. Funkel hatte erstaun­liche Erkennt­nisse zu ver­künden: Das sind Sportler, das sind hoch­am­bi­tio­nierte Fuß­ball­spieler. Chris­toph Kramer hat ja gesagt, dass sie voll moti­viert sind, die Con­fe­rence League zu errei­chen.“ Schau an, man wäre nicht drauf gekommen.

Ich wün­sche einen hoch­am­bi­tio­nierten und voll moti­vierten Freitag!

Philipp Köster