Man­chester United hat unter Alex Fer­guson alles gewonnen, was eine Fuß­ball­mann­schaft gewinnen kann: die Meis­ter­schaft, den Pokal, die Cham­pions League, den Welt­pokal. Und immer, wenn man dachte, dass die Spieler nun mal genug haben von Tri­um­phen und Tro­phäen, setzten sie noch einen Titel oben drauf.
 
Im Sommer dieses Jahres ver­ließ Fer­guson aber Man­chester United, und es trat das, was viele Fans befürchten, wenn eine Ära endet: Die Mann­schaft steht auf Platz 9 der Tabelle, sie spielt unin­spi­riert und gelang­weilt. Sie spielt, als seien die Spieler satt.
 
Seit diesem Wochen­ende gibt es dafür sogar einen Namen: Shinji Kagawa.
 
Am ver­gan­genen Mitt­woch, nach dem Spiel gegen den FC Everton, soll es dem Japaner so schlecht gegangen sein, dass Nach­barn einen Kran­ken­wagen rufen mussten. Die Ärzte stellten dar­aufhin fest, dass Kagawa zu viel gegessen hatte und pumpten seinen Magen aus. Am Freitag trai­nierte er zwar wieder, doch er war sehr schlapp. Sämt­liche Fit­ness­werte waren so schlecht, dass wir das Gefühl hatten, es wäre besser, wenn wir keine Risiken ein­gehen“, sagte Moyes. Beim 0:1 gegen New­castle United saß Kagawa also wieder nur auf der Bank, und wenn man sich diese Bank anguckte, konnte man erkennen, wie es Man­chester gerade so geht.
 
Rechts: Shinji Kagawa, der 2012 für 16 Mil­lionen Euro vom BVB gekommen war, der nun den Magen aus­ge­pumpt bekam und gelang­weilt und in Schal und Jacke ein­ge­packt seine Unter­schrift auf Zettel, Tri­kots und Bälle setzte, die ihm ebenso gelang­weilte Kinder nach vorne reichten. Links: Marouane Fel­laini, der vor der Saison für 27,5 Mil­lionen Pfund vom FC Everton kam und der bis­lang nur durch eine Haar­pracht für Gesprächs­stoff sorgte. Gegen New­castle stand er zwar nicht im Kader, saß aber auf der Aus­wech­sel­bank. Die 90 Minuten ver­brachte er haupt­säch­lich damit, auf sein Smart­phone zu gucken. Eben­falls: gelang­weilt.

Monaco, Wolfs­burg, Gala­ta­saray?
 
Kagawa gab vor einigen Monaten ein Inter­view in einem japa­ni­schen Fern­seh­sender. Er sagte: Wenn Dort­mund damit ein­ver­standen ist, möchte ich eines Tages zu diesem Team zurück­kehren.“ Sein Berater musste danach ein biss­chen zurück­ru­dern, denn die Aus­sage bezog sich natür­lich nicht auf die nahe, son­dern auf die ferne, sehr ferne Zukunft.

Doch da war es schon zu spät, und seitdem kann man alle paar Tage lesen, dass Kagawa im Tausch für Marco Reus, Ilkay Gün­dogan oder Neven Subotic zum BVB zurück­kehren wird. Außerdem sollen Chelsea, Wolfs­burg, Gala­ta­saray und Real Madrid inter­es­siert gewesen seien. Und erst vor wenigen Tagen spe­ku­lierten eng­li­sche Medien über einen Wechsel zum AS Monaco.

Kagawa selbst hat sich nach dem Inter­view mit dem Fern­seh­sender nicht weiter geäu­ßert. Er sagte nur, dass er noch einmal angreifen wolle. Nach meinem Transfer waren die Leute voller Erwar­tungen, doch ich konnte sie nicht erfüllen, das war sehr depri­mie­rend. Ich möchte mich jetzt zeigen.“ Das war vor der Saison 2013/14. Seitdem hat er gerade mal sechs Liga-Ein­sätze gehabt. Das letzte Tor schoss er im Mai gegen West Brom­wich.

Fer­guson schwärmte von Kagawa – und Moyes?
 
Damals war Alex Fer­guson noch Trainer. Und viel­leicht ist das auch die Crux an der ganzen Situa­tion. Denn Fer­guson hielt große Stücke auf den Japaner. Unter dem Schotten durfte Kagawa immerhin zehnmal auf seiner Lieb­lings­po­si­tion, der Zehn, spielen. Einmal sagte Fer­guson, dass Kagawa besser werden könnte als Chel­seas Bel­gier Eden Hazard.

Moyes ist sich hin­gegen unsi­cher, wer Kagawa über­haupt ist und wo er ein­zu­setzen sei. Ver­mut­lich auf den Außen­bahnen. Wenn über­haupt. Denn die die Posi­tion hinter den Spitzen hat er mit­tel­fristig für den 18-jäh­rigen Adnan Januzaj vor­ge­sehen. Alle paar Tage kann man in der eng­li­schen Presse lesen, wie sehr sich Moyes um seinen neuen Zieh­sohn sorgt. Er sagt dann Sachen wie: Januzaj ist meine neue Zehn!“ Oder: Januzaj muss besser vor Fouls geschützt werden.“ Oder: Januzaj lernt von Messi.“

Kagawa vs. Lever­kusen
 
Und Kagawa? Der durfte bis­lang sehr selten im zen­tralen offen­siven Mit­tel­feld ran. Einmal vor ein paar Wochen, 90 Minuten gegen Lever­kusen in der Cham­pions League. Man­chester United brannte ein Offen­siv­feu­er­werk ab und zeigte die bis­lang beste Sai­son­leis­tung. Am Ende stand es 5:0.
 
Viel­leicht darf er am Dienstag gegen Schachtar Donezk spielen, schließ­lich hat sich Man­chester United bereits für das Ach­tel­fi­nale qua­li­fi­ziert. Viel­leicht sitzt er aber auch wieder auf der Bank. Vor ein paar auf­ge­scheuchten Kin­dern und neben Marouane Fel­laini, wäh­rend seinem Zieh­vater, Papa Klopp, in Dort­mund die Spieler aus­gehen.