Weil Schalke 04 mit 0:3 gegen den 1. FC Nürn­berg ver­loren hatte, tobte sich ein Schalke-Fan im März 2013 auf der Face­book-Seite von S04-Keeper Timo Hil­de­brand aus. Der Ein­trag Du dummer bas­dart! Erschieß dich bitte. Du kanns nix“ von Don Jannis“ erzürnte nicht nur die Freunde kor­rekter deut­scher Sprache, son­dern die kom­plette Bun­des­liga. Par­al­lelen zum Freitod von Robert Enke wurden gezogen, der Mobber Don Jannis“ wurde selbst zum Gemobbten. Die WAZ“ ver­mit­telte zwi­schen dem 20-jäh­rigen Schüler und dem Tor­wart, der Sünder ent­schul­digte sich mit einem Brief beim Opfer. Ende gut, alles gut.

Der VfB Stutt­gart ist ein toller Verein, ich fühle mich hier wohl“, ver­kün­dete Tamas Hajnal im Januar 2013 nach seiner Ver­trags­ver­län­ge­rung bei den Schwaben. Nur zwei Monate später ließ ihn sein Trainer Bruno Lab­badia nur des­halb auf der Ersatz­bank, weil er die mas­siven Pro­teste der Stutt­garter Fans gegen ihren eigenen Mit­spieler fürch­tete. Denn Hajnal hatte einst für den Karls­ruher SC gespielt, den Staats­feind Nummer eins für jeden Stutt­garter. Eher hilflos wirkte da der Kom­mentar von VfB-Sport­di­rektor Fredi Bobic: Bei uns gibt es kein Mob­bing!“

Den viel­leicht spek­ta­ku­lärsten Fall von Mob­bing erlebten die Zuschauer am 20. Oktober 2000 beim Bie­le­felder Heim­spiel gegen Waldhof Mann­heim. Tor­wart Goran Curko, wenige Monate zuvor vom inzwi­schen schon wieder geschassten Trainer Her­mann Ger­land zur Arminia geholt und bei den Fans auf­grund seiner nicht sel­tenen Fehl­griffe unbe­liebt, wurde vom eigenen Anhang gna­denlos aus­ge­pfiffen und nach gelun­genen Szenen höh­nisch ver­lacht. Curko reagiert recht unklug und pro­vo­zierte die Fans mit belei­di­genden Gesten, was die Tri­bünen erst recht zum Kochen brachte. Nach 61 Minuten hatte der Keeper genug und ver­ließ den Platz. Wenig über­ra­schend: Einige Tage später wurde der Serbe ent­lassen.

Dass Fuß­baller aus wel­chen Gründen auch immer von den eigenen Fans im Sta­dion gemobbt werden, ist keine Sel­ten­heit. Dass Fuß­baller vor ihrer eigenen Woh­nung kör­per­lich bedroht werden, ist dann doch einen andere Stufe der Kon­fron­ta­tion. Dem Kölner Kevin Pez­zoni schlug die ganze Abnei­gung der Fan­szene ent­gegen: Zunächst grün­dete sich eine dif­fa­mie­rende Face­book-Gruppe, dann brach ihm ein Anhänger auf dem Kar­neval das Nasen­bein, schließ­lich lau­erte eine gewalt­be­reite Gruppe dem Fuß­baller vor seiner Woh­nung auf. 2012 flüch­tete Pez­zoni zu Erz­ge­birge Aue.

Nicht gerade zim­per­lich gehen manche Trainer mit ihren Spie­lern um. Wehe dem, der den Unmut von José Mour­inho auf sich zieht. Du wür­dest im nächsten Spiel nicht mal dann spielen, wenn das Flug­zeug von Real Madrid abstürzt und du als ein­ziger zu Hause säßest“, erklärte Mour­inho 2011 seinem Schütz­ling“ Pedro Leon. Der ließ sich prompt zum FC Getafe aus­leihen.

Die deut­sche Ver­sion von José Mour­inho heißt Felix Magath. Der wollte 2011 unbe­dingt Stürmer Patrick Helmes los­werden und fädelte ohne Kenntnis des Spie­lers einen Wechsel vom VfL Wolfs­burg zum AS St. Eti­enne ein. Weil der Transfer platzte, fand Magath kurz darauf einen anderen Grund („Nicht­ein­hal­tung der Taktik“), ver­don­nerte Helmes zu einer Strafe von 10.000 Euro und ließ den Angreifer sieben Tage lang alleine trai­nieren. Helmes´ Berater Gerd vom Bruch sprach offen von Mob­bing.

1997 war Magath noch selbst Opfer von Mob­bing geworden. Als Trainer beim Ham­burger SV geriet Magath mit seinen Spie­lern anein­ander, die fortan alles dafür taten, um den Coach aus dem Verein zu ekeln. Nach einem 0:4 gegen den 1. FC Köln ent­ließ HSV-Prä­si­dent Uwe Seeler Magath. Der hatte kurz vor dem Spiel einer Bou­le­vard-Repor­terin gesteckt: Achten sie heute mal auf Spörl und Kmetsch.“ Die beiden Rädels­führer der Kabi­nen­in­trige spielten dann auch erstaun­lich lustlos.

Ein Jahr zuvor hatte Schalke-Trainer Jörg Berger ein ähn­li­ches Schicksal erlitten. Zwar hatte er die Gel­sen­kir­chener erst­mals nach 19 Jahren wieder in den euro­päi­schen Wett­be­werb geführt (und damit die Grund­lage für den UEFA-Cup-Sieg der Schalker 1997 gelegt), bei seiner Mann­schaft aller­dings einen schlechten Stand. 19 von 23 Spie­lern votierten bei einer internen Abstim­mung für den Raus­wurf des Trai­ners, Tor­wart Jens Leh­mann brachte die Gemüts­lage seiner Kol­legen auf den Punkt: Was der Trainer uns sagt, ging rechts rein und links wieder raus.“

Apropos Leh­mann: Der lie­ferte sich wäh­rend seiner Zeit bei Arsenal London einen schmut­zigen Kon­kur­renz­kampf mit Manuel Almunia und schoss dabei mob­bing­tech­nisch aus allen Rohren. Wie ver­än­dert“, habe Leh­mann sich plötz­lich ver­halten, erin­nerte sich Almunia später, als Arsenal-Trainer Arsene Wenger den Spa­nier für den Deut­schen ein­ge­setzt hatte. So sehr habe Leh­mann den Druck auf seinen Mit­spieler erhöht, dass der nach einem spiel­ent­schei­denden Fehler heu­lend in der Kabine hockte. Leh­mann, so Augen­zeugen, habe nur den Kopf geschüt­telt und gelä­chelt. Zitat Almunia: Leh­mann glaubt, es gelte das Gesetz des Dschun­gels!“

Eine ganz beson­ders per­fide Form des Mob­bings musste der ehe­ma­lige U‑Nationalspieler Flo­rian Müller (u.a. Union Berlin, Ale­mannia Aachen) über sich ergehen lassen. Eine Stal­kerin bas­telte Face­book-Pro­file des Fuß­bal­lers und ver­öf­fent­lichte ver­meint­liche Sta­tus­mel­dungen über eine schwere Depres­sion und psych­ia­tri­sche Behand­lungen. Fans wünschten dem Stürmer alles Gute, ehe­ma­lige Mit­spieler mel­deten sich besorgt bei Müller, der dar­aufhin recht­lich gegen seine Ver­fol­gerin vor­ging.