Von allen Flos­keln, die der Fuß­ball zu bieten hat, ist jene, er sei ein schnel­le­biges Geschäft, die abge­grif­fenste. Was aber wahr­schein­lich auch daran liegt, dass sie sich immer und immer wieder bestä­tigt. Kaum jemand wüsste das aktuell besser als die Fans der Frank­furter Ein­tracht. Jenes schnell­le­bige Geschäft hat näm­lich dafür gesorgt, dass aus einem bes­ten­falls im Mit­tel­feld fest­ste­ckenden Verein quasi in Rekord­zeit ein Pokal­sieger, Euro­pacup-Teil­nehmer und gene­reller Über­flie­ger­klub wurde. Reisen nach Rom und London anstatt Rele­ga­ti­ons­spiele in Nürn­berg, Pokal­sie­ger­tat­toos auf den Beinen und ein Bier in der Hand, die Lis­sa­boner Sonne im Gesicht, oh schöne neue Frank­furter Fuß­ball­welt.

Nur: Sie ist eben schnell­lebig. Ges­tern ver­ur­teilte die Uefa Ein­tracht Frankurt zu einem Zuschau­er­aus­schluss für die kom­menden beiden Europa-League-Spiele. Weil es zu Aus­schrei­tungen in Gui­ma­raes gekommen war und man sich wegen diverser anderer Ver­gehen sowieso noch auf Bewäh­rung befand, werden weder in Lüt­tich noch in London Ein­tracht-Fans im Sta­dion sein. Sollte die Ein­tracht die Grup­pen­phase nicht über­stehen, war es das vor­erst mit Euro­pacup-Aus­wärts­fahrten. Für eine derart rei­se­freu­dige Fan­szene wie die Frank­furter, der ihr Bus oder Bahn oder Flug­zeug, scheiß­egal“ heilig ist, ist das ein abso­luter Supergau. Auch des­wegen fallen die Reak­tionen so viel emo­tio­naler aus als an anderen Bun­des­li­ga­stand­orten.

Wer ist Schuld? Die Uefa? Die Fans?

Dass das Urteil eine Kata­strophe ist, dar­über sind sich alle einig. Dar­über, wer daran Schuld hat, aller­dings nicht. Die Uefa? Natür­lich. Kol­lek­tivstrafen sind nicht nur schreiend unge­recht und unver­hält­nis­mäßig, schließ­lich werden nun etwa 20.000 Lon­don­rei­sende für das Fehl­ver­halten von viel­leicht 30, 40, 50 Sitz­scha­len­wer­fern bestraft. Sie sind auch, wie die Ver­gan­gen­heit zeigt, voll­kommen wir­kunsgslos, von der zwei­fel­haften recht­li­chen Grund­lage mal ganz abge­sehen. Auch scheint es bei der Bewer­tung der Vor­fälle in Gui­ma­raes eine gewisse Schief­lage zu geben. Zwi­schen den Fan­blö­cken war keine Puf­fer­zone ein­ge­richtet, die ersten Sitz­schalen flogen wohl von den Heim­fans, die unge­hin­dert am Ein­tracht-Block auf­tau­chen und pro­vo­zieren konnten. Ist es nicht auch Auf­gabe des Ver­bands, dafür zu sorgen, dass solche Situa­tionen erst gar nicht ent­stehen? Gui­ma­raes wurde übri­gens nur wegen Pyro­technik bestraft, nicht wegen des Wer­fens von Sitz­schalen.

Die Wahr­heit ist aber auch: Selbst wenn die Pro­vo­ka­tionen von den Heim­fans aus­gingen, ist die Situa­tion auch wegen der Reak­tion der Ein­tracht-Fans eska­liert. Etwas mehr Beson­nen­heit hätte einer Fan­szene, die sich in der Europa League ja ohnehin in einer Art Dauer-Bewäh­rung befindet, gut zu Gesicht gestanden. Als nach dem Mai­land-Spiel in der Vor­saison Leucht­spuren in den Innen­raum geworfen wurden, war eigent­lich allen klar, dass die kom­mende Reise nach Lis­sabon ohne Fans statt­finden würde. Zu lang war bereits die Liste der Ver­gehen, zu bewusst allen Betei­ligten, dass der Aus­schluss kommen würde, ja eigent­lich über­fällig war. Damals zeigten sich die Ultras in einem State­ment ein­sichtig: Das war scheiße und ist durch nichts – gar nichts – zu ent­schul­digen!“ Die Reise ging wider erwarten weiter, die Bewäh­rung aber blieb natür­lich bestehen.