Als Kol­legah und Farid Bang im April 2018 den Pop-Preis der Deut­schen Phono-Aka­demie gewannen, war das Echo groß. Schließ­lich fanden sich auf ihrem Album Jung, brutal, gut­aus­se­hend 3“ – wie ori­gi­nell Künstler sind, wenn sie drei Kol­la­bo­ra­tionen hin­ter­ein­ander bezif­fern, statt ein­fach neue Namen zu erfinden, verrät allein der viel­kri­ti­sierte Titel 0815“ – sowohl gewalt­ver­herr­li­chende Texte, als auch Zeilen, die sich als Ver­höh­nung von jüdi­schen Opfern im Natio­nal­so­zia­lismus lesen ließen.

Wes­halb sich ein Groß­teil der deut­schen Musik- und Kunst­szene gegen die Aus­zeich­nung der beiden Rapper stellte und Cam­pino auf der selben Bühne erklärte: Man muss unter­scheiden zwi­schen der Pro­vo­ka­tion als Stil­mittel und der Form, die nur dazu da ist, um zu zer­stören und andere aus­zu­grenzen. Für mich per­sön­lich ist diese Grenze über­schritten, wenn es um frau­en­ver­ach­tende, homo­phobe, rechts­ex­treme, anti­se­mi­ti­sche Belei­di­gungen geht.“

Umdenken beim FC Chelsea

Wäh­rend als Folge des Pro­testes der Echo“ gänz­lich ein­ge­stellt wurde, reisten Kol­legah und Farid Bang auf Ein­la­dung des Inter­na­tio­nalen Ausch­witz Komi­tees zum berüch­tigtsten Ort der Ver­bre­chen der Natio­nal­so­zia­listen: Ausch­witz.

Es ist frag­lich, ob die Ver­ant­wort­li­chen des FC Chelsea je Notiz genommen haben von den Vor­fällen rund um die Echo-Ver­lei­hung in diesem Früh­jahr. Aber auch der Lon­doner Klub hat einen Plan, wie er mit seinen eigenen Fans umgehen will, die wegen belei­di­gender Gesänge auf­fällig geworden sind. Bisher erhielten diese Per­sonen, die ras­sis­ti­sche Gesänge anstimmten, rigoros Sta­di­on­verbot. Nun denkt Chelsea um.

Reso­zia­li­sie­rung

Wenn man die Leute nur mit Sta­di­on­ver­boten belegt, werden sie ihr Ver­halten nie ändern“, erklärte Bruce Buck, der Vor­sit­zende des FC Chelsea gegen­über der bri­ti­schen Sun“. Wes­halb der Pre­mier-League-Klub fortan mit auf­fällig gewor­denen Fans nach Ausch­witz reisen will. Jenen Men­schen, die zwi­schen Pro­vo­ka­tion als Stil­mittel und frau­en­ver­ach­tenden, homo­phoben, rechts­ex­tremen, anti­se­mi­ti­schen Belei­di­gungen nicht unter­scheiden können. Reso­zia­li­sie­rungs­maß­nahmen statt stumpfer Strafen. Diese Maß­nahme gibt ihnen die Chance, zu rea­li­sieren, was sie getan haben und wie sie sich besser benehmen können.“

Zusammen mit einem Sozi­al­ar­beiter sollen die Fans ihr Ver­halten reflek­tieren. Bereits im Sommer hatte Chelsea mit Inter­es­sierten die Reise ange­treten, alle zeigten sich nach der Rück­kehr tief beein­druckt. Nun wollen Buck und der Vor­stand das Pro­jekt aus­weiten: Sta­di­on­ver­bote wirken nicht. Wir haben fünf Jahre dafür gebraucht, um das zu ver­stehen. Jetzt sind wir mit dem neuen Unter­fangen schon einige Schritte weiter.“

Auf­wüh­lende Erfah­rung“

Als Kol­legah und Farid Bang im Sommer das ehe­ma­lige Kon­zen­tra­ti­ons­lager betraten, in dem wäh­rend des 2. Welt­kriegs zwi­schen 1,1 und 1,5 Mil­lionen Juden umge­bracht wurden, waren auf den Fotos zwei Män­nern mit zugleich erstaunten und ver­le­genen Gesich­tern zu sehen. Wes­halb Kol­legah in einem Inter­view mit dem Stern“ von einer auf­wüh­lenden, klä­renden Erfah­rung“ sprach und ein­räumte: Wenn du mit eigenen Augen siehst, wie dort fabrik­mäßig Men­schen ver­gast wurden, ver­gisst du das nie.“ Und er andeu­tete, dass die Zeit der Pro­vo­ka­tion“ viel­leicht erst mal vorbei sei.