Es muss irgend­wann Mitte der Neun­ziger gewesen sein. TuS Celle, damals noch eine mehr oder weniger große Nummer in der Regio­nal­liga, hatte zum Freund­schafts­spiel geladen. Nicht mit Han­nover 96, die mussten in diesen Jahren ohnehin regel­mäßig zu uns in die Her­zogstadt gurken – um Pflicht­spiele zu bestreiten. Nein, Bayern Mün­chen gab sich die Ehre, die mäch­tigen Bayern aus dem Groß­fürs­tentum an der Säbener Straße! Pflicht­be­such für jeden halb­wegs klar den­kenden Jungen in meinem Alter. Wie das Spiel aus­ging weiß ich nicht mehr, höchst­wahr­schein­lich bekam TuS Celle den Hin­tern ver­sohlt. Was ich noch weiß: Wie Lothar Mat­thäus bei einem Eck­ball nur wenige Meter von mir ent­fernt gegen den Ball trat. Und wie ich fast erstickt worden wäre, als ich nach dem Schluss­pfiff ver­suchte, sein Auto­gramm zu ergat­tern.

Mit sport­li­chen Grüßen: F. Becken­bauer“ – Fuß­baller und Auto­gramme in der 11FREUNDE-Bil­der­ga­lerie!

Auto­gramme – längst habe ich das Inter­esse an Unter­schriften fremder Men­schen ver­loren. Aber die Magie des dahin gekrit­zelten Namens­kür­zels ist bis heute exis­tent. Trotz iPod, Face­book, und all dem anderen Gedöns, das zwi­schen­mensch­liche Kon­takte eigent­lich über­flüssig macht. Noch immer droht kleinen und großen Jungs der Ersti­ckungstod, wenn sie sich vor die Kabinen von Bezirks­sport­an­lagen gegen­seitig die Füße zer­treten, um an ein Auto­gramm eines pro­mi­nenten Fuß­bal­lers zu kommen, so wie damals in Celle (als ich schließ­lich das Leben ohne zer­drückte Lun­gen­flügel wählte und ent­täuscht, mit unbe­fleckten Karo­block, von dannen zog). Und noch immer sieht man sie, wenn Fuß­baller auf Fuß­ball­fans treffen: Herren mitt­leren Alters, die den Kickern schwere Foto­alben und rie­sige Filz­stifte ent­ge­gen­stre­cken, mit der drän­genden Bitte, ihr Kürzel auf Seite 32 zu hin­ter­lassen.

Die Unter­schrift als sicht­bares Band zwi­schen Fan und Spieler

Sammler, kleine Jungs, große Jungs, sie allen könnten ihren Helden inzwi­schen auch per Face­book oder Twitter viel näher kommen, als eine schnelle Unter­schrift ohne Blick­kon­takt es jemals hin­be­kommen würde. Und trotzdem stre­cken sie wei­terhin Stift und Block ins geöff­nete Fenster von Miroslav Kloses Audi. Die Unter­schrift, lustlos hin­ge­rotzt wie an der Super­markt­kasse, gilt immer noch als per­sön­li­ches Brand­zei­chen des Bewun­derten, als sicht­bares Band zwi­schen Fuß­ballfan und Fuß­baller. Rüh­rend ist das und auch ziem­lich schön.

Wahr­schein­lich wäre es heute kein Pro­blem, sich die Auto­gramme der Stars ein­fach als App her­unter zu laden, sie für ein paar Cent online zu erwerben und dann statt schwerem Foto­album und Karo­block ein­fach einen Ordner Unterschriften/​Fußball“ auf dem Smart­phone anzu­legen. Nur gut, dass noch nie­mand auf diese dumme Idee gekommen ist.