Vieles spricht dafür, dass Man­chester Citys Ben­jamin Mendy ein mehr­fa­cher Ver­ge­wal­tiger ist. Absolut gar nichts spricht dafür, dass Edouard Mendy, Tor­wart beim FC Chelsea, und Fer­land Mendy, Real Madrids Links­ver­tei­diger, etwas mit diesen Vor­würfen zu tun haben. Und trotzdem tau­chen die Gesichter der beiden Männer, die Cou­sins sind, immer wieder in der Bericht­erstat­tung zu diesem Fall auf. Der Grund: Sie sind Namens­vetter des Beschul­digen. Und eben­falls schwarz.

Schon im August war der Fran­zose Ben­jamin Mendy wegen vier­fa­cher Ver­ge­wal­ti­gung und einem wei­teren sexu­ellen Über­griffs ange­klagt worden. Es soll dabei um Angriffe gegen Frauen über 16 Jahre gegangen sein. Alles soll sich in seiner Villa in Prest­bury, Cheshire, etwa 30 Kilo­meter süd­lich von Man­chester, abge­spielt haben.

Ben­jamin Mendy, drei­ma­liger Meister mit Man­chester City, zudem Welt­meister von 2018, sitzt seit Anfang Oktober in einem Liver­pooler Gefängnis. City sus­pen­dierte ihn umge­hend, als die Vor­würfe bekannt wurden. Drei Kau­ti­ons­an­träge wurden offenbar bereits abge­lehnt, die den Profi aus der U‑Haft hätten befreien sollen. Die Chancen auf Frei­heit dürften sich mit den neuen Details erheb­lich ver­schlech­tert haben.

Ist es so kom­pli­ziert?

In dieser Woche wei­teten sich die Anschul­di­gungen gegen Ben­jamin Mendy näm­lich mehr und mehr aus. Inzwi­schen werden dem fran­zö­si­schen Fuß­baller statt vier sogar sechs Ver­ge­wal­ti­gungen zur Last gelegt. Von den vier Frauen, die ihn beschul­digen, soll eines der mut­maß­li­chen Opfer min­der­jährig gewesen sein. Für Bou­le­vard­me­dien, aber auch ver­meint­lich seriöse Blätter ist das durchaus ein Thema, über das es zu berichten lohnt.

Blöd nur, wenn die Autoren sich nicht im Ansatz die Mühe machen, die Geschichte grund­le­gend zu recher­chieren. Dann näm­lich würden ihnen nicht solche Fehler unter­laufen, wie etwa der größten Pariser Tages­zei­tung Le Pari­sien. Dort berich­tete man in dieser Woche über den Fall und bebil­derte die Neu­ig­keit mit einem Foto von Fer­land Mendy, Links­ver­tei­diger von Real Madrid. Kein Stück besser: Der Daily Mirror, nach der Daily Mail die auf­la­gen­stärkste Tages­zei­tung Groß­bri­tan­niens, welche schrieb: Man­chester City foot­baller Ben­jamin Mendy charged with two more counts of rape“, also: Man­chester Citys Spieler Ben­jamin Mendy wegen zwei wei­terer Ver­ge­wal­ti­gungen ange­klagt. Das Auf­ma­cher­foto zeigt jedoch Edouard Mendy. Im Tor­wart­trikot von Chelsea.

Einige Inter­net­nutzer ver­an­lasste diese Bericht­erstat­tung wie­derum dazu, gegen die Unschul­digen zu wet­tern.

Bild­ma­te­rial in den Köpfen

Ein leicht­sin­niger Fehler der Redak­tion? Kei­nes­wegs, findet Edouard Mendy. Es sei genau das Gegen­teil, schreibt er in seiner Insta­gram-Story. Denn diese Fotos zu ver­wenden sei höchst sym­bo­lisch: Es ist traurig zu sehen, dass im Jahr 2021 sowohl in Frank­reich als auch in Eng­land für manche Beob­achter schwarze Men­schen weder Namen noch ein­deu­tige Gesichter haben“, schreibt er. Zwei Gesichter zu unter­scheiden sei doch gar nicht so kom­pli­ziert. Vor allem, wenn das Fuß­ball­trikot eine wert­volle Hilfe ist.“ Ver­stärkt ist sein State­ment mit Screen­shots diverser Zei­tungs­ar­tikel über Ben­jamin, die jedoch mit den fal­schen Mendys bebil­dert sind.

Bildschirmfoto 2021 11 18 um 15 15 26
Insta­gram: @edou_mendy

Sein Cousin Fer­land Mendy teilte den Bei­trag mit dem Zusatz: Wir sind im Jahr 2021. Es wird Zeit brau­chen, aber irgend­wann respek­tiert ihr uns! Ob ihr es wollt oder nicht.“

Die Empö­rung von Edouard und Fer­land Mendy macht deut­lich, dass es nicht um ein hastig her­vor­ge­goo­geltes Bild­ma­te­rial für einen schnöden Artikel geht. Es geht um ein grund­le­gendes Bild­ma­te­rial in den Köpfen der Men­schen.