In Zeiten von You­Tube wird häufig über­trieben: Nur all zu gerne über­bieten sich die ein­schlä­gigen Fuß­ball-Blogs mit den schönsten, spek­ta­ku­lärsten und kurio­sesten Tref­fern. Dabei bedient man sich gerne überall dort, wo Fuß­ball gespielt wird. Sei das nun die vierte Malay­si­sche Liga oder der ame­ri­ka­ni­sche Col­lege-Fuß­ball: Die meisten Traum­tore sind zwar schick anzu­sehen, lassen jedoch so einige Qua­li­täten im Abwehr­be­reich ver­missen. Das gilt vor allem für Solo-Läufe, bei denen man gerade in den unter­klas­sigen Ligen meist das Gefühl hat, dass die Abwehr­spieler mit dem Elan einer durch­zechten Nacht beim sonn­täg­li­chen Frei­zeit­kick agieren.

Etwas anders ist die Sach­lage im eng­li­schen FA-Cup, ver­tei­digen doch hier seit eh und je die eisen­här­testen Abwehr­spieler des Globus. Des­halb muss man Hatem Ben Arfa, Flü­gel­stürmer von New­castle United, seinen Aus­gleich in der dritten Runde des eng­li­schen Pokals gegen die Black­burn Rovers beson­ders hoch anrechnen.

Monster-Grät­schen? Sind kein Hin­dernis für Ben Arfa

Kurz nach der Mit­tel­linie schnappt sich der Fran­zose mit marok­ka­ni­schen Wur­zeln die Kugel und schüt­telt den ersten Gegen­spieler ab. Dann erhöht er das Tempo und stößt in die Lücke, die ihm zwei der Black­burn-Akteure bieten. Mit einer Monster-Grät­sche ver­sucht einer der beiden Ben Arfa zu stoppen: Ver­geb­lich. Unauf­haltsam dringt er über die rechte Seite mit einer unge­heuren Geschwin­dig­keit in den Straf­raum ein. Seine Füße zap­peln so schnell über das Grün, dass man fast denken könnte, man hätte es mit den auf­ge­regten Flü­gel­schlägen eines Koli­bris zu tun. Dabei behält der Spieler stets die Kon­trolle: Mit dem linken Fuß strei­chelt er den Ball an zwei Ver­tei­di­gern vorbei auf seinen rechten, bevor er wieder mit Links abschließt.

Die gesamte Defen­sive der Black­burn Rovers hat dabei keinen blassen Schimmer, wie ihr geschieht. Am Ende hat er sechs seiner Gegen­spieler düpiert, bevor er den Ball aus kurzer Ent­fer­nung humorlos unter die Latte knallt. Hätte Black­burns bedau­erns­werter Tor­wart Mark Bunn eine Hand an die Kugel bekommen, er wäre ver­mut­lich in bester Kickers-Manier mit ins Tor geflogen.

Voll­kommen zurecht schreit der eng­li­sche Kol­lege mehr­mals What a goal!“ in sein Mikrofon und auch New­castle-Coach Alan Pardew jauchzt nach dem Spiel : Das ist das schönste Tor, das ich je am Spiel­feld­rand mit­er­leben durfte.“ Wie­der­spre­chen möchte man ihm da nicht: Ben Arfas Treffer ist ein Wun­der­werk der Leicht­fü­ßig­keit mit einem bra­chialen Finish. Ein Solo, das selbst den frisch gekrönten Welt­fuß­baller Lionel Messi vor Neid vor dem Bild­schirm erblassen lässt.